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Organon der Heilkunst

Samuel Hahnemann, 6. Auflage, Ausgabe 1921

 

§231 bis §244
Wechselfieber.

Seite: 1/4[ Wechselfieber | Therapie | Arzneimittelfieber | Epidemie ]Weiter (Therapie)

§231


Eine eigne Betrachtung verdienen noch die Wechselkrankheiten, sowohl diejenigen welche in bestimmten Zeiten zurückkehren - wie die große Zahl der Wechselfieber und die wechselfieberartig zurückkehrenden, fieberlos scheinenden Beschwerden - als auch die, worin gewisse Krankheitszustände in unbestimmten Zeiten mit Krankheitszuständen andrer Art abwechseln.


§232


Diese letztern, die alternirenden Krankheiten, sind ebenfalls sehr vielfach *,

* Es können zwei- und selbst dreierlei Zustände mit einander abwechseln. Es können z. B. bei zwiefachen Wechselzuständen gewisse Schmerzen unabgesetzt in den Füßen u.s.w. erscheinen, sobald eine Augen-Entzündung sich legt, welche dann wieder empor kommt, sobald der Gliederschmerz vor der Hand vergangen ist - es können Zuckungen und Krämpfe mit irgend einem andern Leiden des Körpers oder eines seiner Theile, unmittelbar abwechseln - es können aber auch bei dreifachen Wechsel-Zuständen, in einer anhaltenden Kränklichkeit, schnell Perioden von scheinbar erhöheter Gesundheit und einer gespannten Erhöhung der Geistes- und Körperkräfte (eine übertriebene Lustigkeit, eine allzu regsame Lebhaftigkeit des Körpers, Ueberfülle von Wohlbehagen, übermäßigen Appetit u.s.w. ) eintreten, worauf dann, eben so unerwartet, düstere, melancholische Laune, unerträgliche, hypochondrische Gemüths-Verstimmung mit Störung mehrerer Lebens-Verrichtungen in Verdauung, Schlaf u.s.w. erscheint, die dann wiederum eben so plötzlich, dem gemäßigten Uebelbefinden der gewöhnlichen Zeiten Platz macht und so mehrere andre, mannigfache Wechselzustände. Oft ist keine Spur des vorigen Zustandes mehr zu bemerken, wann der neue eintritt. In andern Fällen sind dann nur noch wenige Spuren des vorhergegangenen Wechsel-Zustandes vorhanden; es bleibt wenig von den Symptomen des ersten Zustandes bei der Entstehung und Fortdauer des zweiten übrig. Zuweilen sind die krankhaften Wechsel-Zustände, ihrer Natur nach, einander völlig entgegengesetzt, wie z B. Melancholie mit lustigem Wahnsinn oder Raserei in Perioden abwechselnd.


gehören aber sämmtlich unter die Zahl der chronischen Krankheiten, sind meist ein Erzeugniß bloß entwickelter Psora, und nur zuweilen, wiewohl selten, mit einem syphilitischen Miasm complicirt; sie werden daher im erstern Falle mit antipsorischen Arzneien geheilt, im letztern aber, mit antisyphilitischen abwechselnd, wie im Buche von den chronischen Krankheiten gelehrt wird.


§233


Die typischen Wechselkrankheiten sind solche, wo in einer ziemlich bestimmten Zeit bei scheinbarem Wohlbefinden, ein sich gleichbleibender, krankhafter Zustand zurückkehrt, und in einer ebenfalls bestimmten Zeit wieder abtritt; man findet dieß sowohl in den anscheinend fieberlosen, aber typisch (zu gewissen Zeiten) kommenden und wieder vergehenden, krankhaften Zuständen, als auch in den fieberhaften - den vielfältigen Wechselfiebern.


§234


Die gedachten, bei einem einzelnen Kranken zu bestimmten Zeiten, typisch, wiederkehrenden, fieberlos scheinenden Krankheits-Zustände (-sporadisch oder epidemisch pflegen sie nicht vorzukommen -) gehören jedesmal unter die chronischen, meist rein psorischen, nur selten mit Syphilis complicirten, und erhalten mit Erfolg dieselbe Behandlung; zuweilen ist jedoch der Zwischen-Gebrauch einer sehr kleinen Gabe potenzirter Chinarinde-Auflösung erforderlich, um ihren wechselfieberartigen Typus vollends auszulöschen.


§235


Was die sporadisch oder epidemisch herrschenden (nicht in Sumpf- Gegenden endemisch hausenden) Wechselfieber *

* Die bisherige, noch in der unverständigen Kindheit liegende Pathologie, weiß nur von einem einzigen Wechselfieber, was sie auch das kalte Fieber nennt, und nimmt keine andre Verschiedenheit an, als nach der Zeit, in welcher die Anfälle wiederkehren, das tägliche, dreitägige, viertägige u.s.w. Es giebt aber außer den Rückkehr-Zeiten der Wechselfieber, noch weit bedeutendere Verschiedenheiten derselben; es giebt dieser Fieber unzählige, deren viele nicht einmal kaIte Fieber genannt werden können, da ihre Anfälle in bloßer Hitze bestehen; wieder andere, welche bloß Kälte haben, mit oder ohne darauf folgenden Schweiß; wieder andere, welche Kälte über und über, zugleich mit Hitzempfindung oder bei äußerlich fühlbarer Hitze, Frost haben; wieder andre, wo der eine Paroxysm aus bloßem Schüttelfroste, oder bloßer Kälte, mit darauf folgendem Wohlbefinden, der andre aber aus bloßer Hitze besteht, mit oder ohne darauf folgenden Schweiß; wieder andere, wo die Hitze zuerst kommt und Frost erst darauf folgt; wieder andre, wo nach Frost und Hitze Apyrexie eintritt, und dann als zweiter Anfall, oft viele Stunden hernach, bloß Schweiß erfolgt; andere, wo gar kein Schweiß erfolgt, und noch andre, wo der ganze Anfall, ohne Frost oder Hitze, bloß aus Schweiß besteht, oder wo der Schweiß bloß während der Hitze vorhanden ist; - und so zeigen sich noch unglaubliche andre Verschiedenheiten, vorzüglich in Rücksicht der Neben-Symptome, des besondern Kopfwehes, des bösen Geschmacks, der Uebelkeit, des Erbrechens, des Durchlaufs, des fehlenden oder heftigen Durstes, der Leib- oder der Gliederschmerzen besondrer Art, des Schlafs, der Delirien, der Gemüths-Verstimmungen, der Krämpfe u.s.w., - vor, bei oder nach dem Froste, vor, bei oder nach der Hitze, vor, bei oder nach dem Schweiße, und so noch andre zahllose Abweichungen. Alle diese sind offenbar sehr verschieden geartete Wechselfieber, deren jedes, ganz natürlich, seine eigne (homöopathische) Behandlung verlangt. Unterdrückt, das muß man gestehen, können zwar fast alle werden (wie so oft geschieht) durch große, ungeheure Gaben Rinde und ihres pharmaceutischen, schwefelsauern Auszugs, Chinin genannt, das ist, ihr periodisches Wiederkehren (ihr Typus) wird von ihr ausgelöscht, aber die Kranken, welche an solchen, nicht für Chinarinde geeigneten Wechselfiebern gelitten hatten (wie alle die, ganze Länder und selbst Gebirge überziehenden, epidemischen Wechselfieber sind) werden durch diese Auslöschung des Typus nicht gesund, nein! sie bleiben nur andersartig krank und kränker, oft weit kränker, als vorher, an eigenartigen, chronischen China-Sichthumen, die, selbst durch ächte Heilkunst, oft kaum in langer Zeit, vielleicht auch wohl nie wieder zur völligen Gesundheit herzustellen sind - und das will man Heilen nennen!


anlangt, so treffen wir dabei oft jeden Anfall (Paroxysm) gleichfalls aus zwei sich entgegen gesetzten Wechselzuständen (Kälte, Hitze - Hitze, Kälte), öfterer auch aus dreien (Kälte, Hitze, Schweiß) zusammengesetzt an. Deßhalb muß auch das für diese, aus der allgemeinen Classe geprüfter, gewöhnlich nicht antipsorischer Arzneien gewählte Heilmittel, entweder, (was das sicherste ist) ebenfalls beide, oder alle drei Wechselzustände ähnlich in gesunden Körpern erregen können, oder doch dem stärksten und sonderlichsten Wechselzustande (entweder dem Zustande des Frostes mit seinen Nebensymptomen, oder dem der Hitze mit ihren Neben-Symptomen, oder auch dem des Schweißes mit seinen Nebenbeschwerden, je nachdem der eine oder der andre Wechselzustand der stärkste und sonderlichste ist) homöopathisch, an Symptomen-Aehnlichkeit, möglichst entsprechen; doch müssen vorzüglich die Symptome des Befindens des Kranken, in der fieberfreien Zeit, zur Wahl des treffendsten, homöopathischen Heilmittels leiten 2**.

** Zuerst hat der Hr. Regierungsrath, Freiherr von Bönninghausen diesen, so viele Umsicht erfordernden Gegenstand am besten erläutert und die Wahl des, für die verschiednen Fieber-Epidemieen hülfreichen Heilmittels erleichtert durch seine Schrift: Versuch einer homöopathischen Therapie der Wechselfieber, 1833. Münster bei Regensberg.




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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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24. 1. 1957
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