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Meine Wasserkur

Sebastian Kneipp, 49. Auflage 1894

 

Apotheke-Heilmittel
Allgemeines, Einteilung, Zubereitung
Von Sebastian Kneipp.

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Allgemeines und Eintheilung.



Zu den Dingen, welche ich verabscheue und hasse, zählt als ein gründlich und grundsätzlich gehaßtes das Geheimmittel-Wesen, die Kramerei mit Heilmitteln, welche als Geheimniß des Erfinders gelten.

Diesen Vorwurf soll mir Niemand machen können. Darum öffne ich in diesem zweiten Theil die Läden meiner Apotheke und lasse einen jeden hineinschauen und hineinschmecken bis in's letzte Theeschächtelchen und in's kleinste Oelfläschchen. In jeder Apotheke steckt ein theures Geld; in der meinigen ist nicht viel Rares. Ich gestehe dieses sehr gerne zu und betrachte diesen leicht möglichen Vorwurf als einen großen Vorzug meiner Apotheke.

Fast sämmtliche meiner Thee und Extrakte, Oele, Pulver rühren von früher geachteten, jetzt vielfach verachteten, spottbilligen Heilkräutern her, welche der liebe Herrgott im eigenen Garten, aus freiem Felde, manche um's Haus herum an abgelegenen und unbesuchten Stellen wachsen läßt, Heilkräutern, die meistens keinen Pfennig kosten.

Mein Büchlein ist ja in erster Linie für arme Kranke geschrieben, für welche ich auch, den Himmelslohn im Sinne habend, dieses opfervolle Handwerk treibe oder, wenn man will, Andern "in's Handwerk pfufsche". Für sie suchte ich mit Absicht all die gleichfalls armen alten Bekannten auf, vieles Andere bei Seite lassend. Lange Jahre hindurch habe ich sondirt und geprüft, getrocknet und zerschnitten, gesotten und gekostet. Kein Kräutchen, kein Pulver, das ich nicht selbst versucht und als bewährt befunden habe! Ich wünsche nur das Eine, daß die alten Bekannten zu neuen Ehren gelangen, bei einer Klasse von Menschen wenigstens.

Ich habe mich lange besonnen, ehe ich mich entschloß, den für sich allein ausreichenden und genügenden Wassermitteln diese Apotheke , d.i. dieses Verzeichniß der dem Wasser von innen heilsam entgegenwirkenden Hilfsmittel anzufügen. Es könnte wie eine Mißtrauens-Kundgebung gegen die Wasserheilkraft aussehen.

Doch es gibt Kranke, welche aus unüberwindlicher Wasserangst sich schwer zu einer oft notwendigen längeren Wasserkur entschließen können. Diesen wollte ich es erleichtern, mit anderen Worten: die Wasseranwendungen reduziren, vereinfachen und die Zeit des Gebrauches abkürzen. Solches aber kann und wird geschehen, wenn ich der äußeren Kur (mit Wasser) durch eine innere Kur (die Heilmittel) in die Hand arbeite.

Wer sämmtliche Artikel dieser Apotheke überblickt, sieht sofort, daß Sie wie die gesammten Wasseranwendungen selbst dreifachen Zweck haben: ungesunde, kranke Stoffe im Innern aufzulösen, auszuleiten, sodann den Organismus zu kräftigen. Insofern glaube ich mit vollem Rechte behaupten zu können, daß beide Verfahren, das innere und das äußere, zusammenstimmen und einheitlich zusammenwirken. Ich warne vor einer Täuschung. Wer glaubt, er müsse die Wasserkur recht strenge und ernst anwenden, irrt.

Wer meint, er müsse nach innen recht häusig und viel anwenden, irrt ebenfalls. Immer und in allen Fällen gilt der goldene Grundsatz: die gelindeste, ob äußere oder innere, Anwendung ist die beste.

Pflanzen mit zweifelhafter Wirkung, wie Eibisch, Süßholz u.s.w.; mit den geringsten ungünstigen Wirkungen, z.B. auf den Magen, wie Senesblätter, Hopfen u.s.w.; Giftpflanzen vollends habe ich grundsätzlich übergangen.

Wie gut Gott ist! -so drängt sich's mir aus dem Herzen! Nicht bloß was zur Erhaltung des Lebens, zu des Leibes täglichem Brod nothwendig ist, läßt er uns wachsen ; er, der in unendlicher Weisheit Alles nach Maß, Zahl und Gewicht geschaffen, läßt in väterlicher Liebe zahllos auch diejenigen Kräutchen aus der Erde hervorschießen, welche den Menschen in kranken Tagen Trost, seinem in Schmerzen sich windenden Körper Linderung und Heilung verschaffen.

Wie gut Gott ist! Daß wir Einsicht haben. Den Pflänzchen, welche durch die ihnen vom Schöpfer angehängten Riechfläschchen, den würzigen Heilduft, sich selbst uns ankündigen und freundlich zuvorkommend stellen, wollen wir fleißig nachgehen und beim Pflücken eines jeden mit kindlichem Danke unseren unendlich liebevollen Vater preisen, der im Himmel ist!

Unsere Hausapotheke soll vier Hauptabteilungen oder Hauptfächer und einige kleinere Nebenfächer enthalten.

In die Hauptfächer stellen wir: in das erste die Tinkturen, in das zweite, größte, die Theesorten, in das dritte die Pulver, in das vierte die Oele.

In die Nebenfächer kommt, wieder gut geordnet, alles Andere, was nicht unter obige vier Abtheilungen fällt. Auch die Leinwandabfälle zum Ueberbinden und Ueberlegen (stets rein und frisch), die Baumwolle u.s.w. können eines der Nebenfächer einnehmen.

Die Tinkturen und die Oele müssen in Gläsern ausbewahrt werden, die verschiedenen Thee und Pulver entweder in festen Papiertüten oder besser in Schachteln. (Wer neue machen läßt, soll sie länglich rund und gleichmäßig, wenn auch in verschiedenen Größen, machen lassen, daß sie dastehen wie Soldaten in Reih und Glied. Das macht einem jeden Freude und gibt der Hausapotheke ein Ansehen - und das gehört ihr auch.) Alles an einem kühlen, jedoch nicht feuchten (daß sich nicht Schimmel ansetze) und nicht allzu abgelegenen Orte im Hause!

Auf einem jeden Glase oder Fläschchen, auf jeder Schachtel oder Düfte soll genau und für jedermann gut leserlich die Aufschrift des Inhaltes stehen. Am besten werden sodann die verschiedenen Heilmittel in jeder Abteilung alphabetisch d. h. nach dem ABC geordnet. Was mit A anfängt (z. B. Alaun), marschirt am Anfang auf; was mit Z beginnt (z. B. Zinnkraut), bildet den Schluß der Reihen

Vor Allem soll in der Hausapotheke große Ordnung sein. Jeder Fremde, welcher dieselbe bisher nie gesehen, muß im Augenblick jedes Flaschchen, jeden Thee u.s.w. finden. Dann muß große Reinlichkeit herrschen. Auf keiner Schachtel darf, ich will nicht sagen, liniendicker, es darf gar kein Stäubchen liegen; an keiner Flasche, selbst nicht an einer Oelflasche, dürfen Schmutz- oder Oelflecken wie nachlässig gekämmte Haare herunterhängen. Nichts entehrt ein Haus mehr als Unreinlichkeit; merke wohl: nach zwei Dingen hauptsächlich beurtheilt man - und zwar mit vollem Rechte und meistens sehr wahr - das ganze Haus. Sind diese in Ordnung. so ist, schließt man, Alles in Ordnung. Sind sie unordentlich, so heißt's: in diesem Haufe, in dieser Wohnung müssen die Einwohner recht unordentliche Leute sein. Willst du die zwei Dinge wissen? Sie heißen: Hausapotheke und Abort.

Am besten wird es mit der Ordnung der Hausapotheke bestellt sein, wenn die Hausmutter oder ein fleißiger Sohn oder die reinlichste und ordnungsliebendste Tochter die Sorge und Verantwortung übernimmt. Sie wird die pünktlichste, gewissenhafteste Reinlichkeitspflege als Ehrensache betrachten und den Staublumpen stets in einer Ecke bereit liegen haben. Wenn sie ihr Amt gut verwaltet, das ja für's ganze Haus, für alle Glieder desselben von Segen ist, darf sie mit Freude an jenes Wort des göttlichen Heilandes denken: "Was ihr dem geringsten meiner Brüder gethan habt, das habt ihr mir gethan."

Was so eine kleine Hausapotheke annähernd enthalten soll, habe ich am Ende dieses zweiten Theiles angegeben. Ich rathe ab von allem nicht Notwendigen. Man kann gelegenlich das eine oder andere Mittel beifügen.

Hier soll nur noch ein Wort stehen über die Bereitung der Tinkturen, des Thees, der Pulver.



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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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23. 3. 1888
Erich Stange wurde geboren. Als evangelischer Pfarrer gilt er als Mitbegründer der Telefonseelsorge.

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