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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

I. ABSCHNITT.
Anatomie, Entwickelung und Störungen der Entwickelung der weiblichen Genitalien.

Kapitel I.
Anatomie.
Von Bernhard Kroenig.

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Eierstock.


Die Eierstöcke der geschlechtsreifen Frau haben eine mandelförmige Gestalt; ihre Größe wechselt unter physiologischen Verhältnissen mit dem Lebensalter; den größten Umfang haben sie zur Zeit der Geschlechtsreife des Weibes, um im Klimakterium wieder zu unscheinbaren Organen zusammenzuschrumpfen. Ihre Länge beträgt im Mittel 2,5-5 cm, ihre Breite 1,5-3 cm, ihre Dicke 0,6-1,5 cm.
Der Eierstock liegt an der seitlichen Beckenwand, nahe der Kreuzungsstelle des Uterus mit den großen Beckengefäßen, etwas unterhalb der Linea terminalis. In dieser Lage wird der Eierstock gehalten einmal durch das Mesovarium, einer Duplikatur des Ligamentum latum, dann durch das Ligamentum Suspensorium ovarii und schließlich durch das Ligamentum ovarii proprium. Mit seiner proximalen Fläche ist der Eierstock an das Mesovarium geheftet. Der laterale Pol wird durch das Ligamentum Suspensorium ovarii mit der Beckenwand in Verbindung gebracht und schließlich fixiert das Ligamentum ovarii proprium den medialen Pol des Ovariums an die Seitenkante des Uterus. Durch diese Haltebänder ist das Ovarium in seiner Beweglichkeit so weit beschränkt, daß es auch bei verschiedenen Körperhaltungen fast genau in seiner Lage verharrt. Während der Schwangerschaft tritt zwar eine Lageänderung des Eierstocks ein, doch auch hier nur innerhalb enger Grenzen, denn das Ligamentum Suspensorium ovarii hält den Eierstock auch bei wachsender Gebärmutter an der seitlichen Beckenwand fest, so daß das Ovarium selbst in dem letzten Monat der Schwangerschaft sich nur wenig oberhalb des Beckeneingangsrings befindet.

Das Ovarium hat bei jugendlichen Individuen bis zur Zeit der beginnenden Geschlechtsreife eine fast völlig glatte und ebene, nur an einzelnen Stellen von darunterliegenden Follikeln leicht buckelig vorgetriebene Oberfläche. Später wird die Oberfläche durch Vorgänge der Eireifung und Eiberstung infolge zahlreicher narbiger Einziehungen höckerig.

Entsprechend der Anheftung des Ovariums au die beiden Blätter des Ligamentum latum ist der Hilus des Eierstocks von einem serösen Bauchfelliiberzug überzogen. Dieser Peritonealüberzug schneidet aber mit einer nahe am Hilus parallel dem Läugsdurchmesser auf der vorderen und hinteren Fläche verlaufenden, etwas zackigen Linie ab. Der größte Teil des Eierstocks entbehrt demnach des serösen Peritonealüberzuges und ragt frei, nur von Keimepithel bedeckt, in die Bauchhöhle hinein. Es ist dies für das Verständnis der Topographie der Eierstocksgeschwülste, wie wir sehen werden, von besonderer Bedeutung.



Fig. 4. Ovarium mit Corpus luteum im geschlechtsreifen Alter.
Fig. 5. Schnitt durch den Eierstock einer Frau im geschlechtsreifen Alter mit Binden- und Markschicht, mit GKAAFschem Follikel und Corpus luteum.

Durchschneiden wir den Eierstock, so läßt sich schon makroskopisch deutlich die breitere Rindenschicht und die schmälere Markschicht differenzieren. Die Markschicht enthält mehr die zuführenden Gefäße und Nerven, während die Rindenschicht (Zona parenchymatosa) in einem derben bindegewebigen Stroma die für die Funktionen des Eierstocks wesentlichen Elemente, die sogenannten Follikel, enthält.


Fig. 6. Durchschnitt durch das Ovarium eines neugeborenen Mädchens. Keimepithel, Primordialfollikel und -Eier.

Auch in bezug auf die Follikel verhält sich das Parenchym des Eierstocks verschieden bei einem Neugeborenen, bei einer Erwachsenen und bei der Frau im senilen Alter. Beim Neugeborenen findet man eine breite Zone des Parenchyms von sogenannten Primordialfollikeln ausgefüllt, welche nach der Schätzung von Henle sich in einer Menge von ungefähr 40000 im Eierstock des neugeborenen Mädchens finden. Der Primordialfollikel besteht aus einer großen Zelle, dem Primordialei, welches von einer einfachen Lage niedrigen Epithels unmittelbar umschlossen ist. Der Primordialfollikel ist in eine kleine runde Lücke im Stroma eingelassen. In dieser Schicht der sogenannten ruhenden Follikel findet sich außerdem beim Neugeborenen, unter dem Keimepithel, noch eine Menge von epithelialen Gebilden, sogenannten Eiballen oder Eischläuchen.

Während der Geschlechtsreife verbreitert sich die Rindenschicht des Eierstocks vornehmlich durch gewisse Veränderungen am Primärfollikel, welche wir Reifung nennen, während die epithelialen Eisprossenbildungen verschwinden. Diese Reifung der Follikel geht in der Weise vor sich, daß die Epithellage, welche im Primärfollikel hüllenförmig das Ei umschließt, mehrfach geschichtet wird; dann tritt an einer mehr oder weniger zentral gelegenen Stelle in dem vielfach geschichteten Epithellager eine Vakuolenbildung ein, die sich durch Flüssigkeitsansammlung (Liquor folliculi) vergrößert. Durch diese Flüssigkeitsaufnahme wird der wachsende Follikel zum sogenannten GRAAFschen Follikel. Im GRAAFschen Follikel bleibt das Ei selbst noch von einer mehrfachen Lage von kubischem Epithel umgeben, dem Cumulus proligerus. Dieser letztere nimmt beim Menschen stets den nach dem Hilus des Ovariums gelegenen Teil der Follikelperipherie ein. Während der Primärfollikel ohne besondere bindegewebige Hülle in das Stroma des Eierstocks eingelagert ist, hat sich bei der Eireifung allmählich eine konzentrische Schichtung der Bindegewebszüge um den GRAAFschen Follikel gebildet, so daß wir eine äußere gefäßarme Schicht, die sogenannte Tunica externa, und eine innere von zahlreichen Kapillargefäßen durchzogene Schicht, die Tunica interna unterscheiden können.

Mit der Umbildung des Primärfollikels zum GRAAFschen Follikel ist der Prozeß noch nicht vollendet, sondern es folgt dieser Reifung des Follikels die Berstung, welche in der Weise vor sich geht, daß meist an der Stelle, wo der GRAAFsche Follikel die Oberfläche des Ovariums buckelartig vorwölbt, sich die bindegewebige Umhüllung unter dem Druck der wachsenden Liquormenge mehr und mehr verdünnt, bei gleichzeitig fettiger Degeneration der Follikelepithelien und der Epithelien des Keimhügels, bis schließlich unter Berstung des Follikels an der verdünnten Stelle sich der Follikelinhalt entleert mit gleichzeitiger Ausstoßung des Eies, welches zunächst von der mehrfach geschichteten Lage kubischer Epithelzellen des Keimhügels noch umgeben bleibt.

Das nunmehr befruchtungsfähige Ei wird mit dem hervorstürzenden Liquor folliculi fortgeschwemmt, in die Bauchhöhle befördert, um durch den Fimbrienstrom der Tubenepithelien meist in die Tubenampulle zu gelangen. Der GRAAFSche Follikel selbst zieht sich nach Entleerung des Eies nach Blutaustritt in sein Lumen faltenartig zusammen; das Follikelepithel geht zugrunde. Die fixen Bindegewebszellen der Theca folliculi nehmen epitheloiden Charakter an bei gleichzeitiger Aufnahme eines gelben Farbstoffes. Diese sogenannten Luteinzellen lagern sich in mehrfacher Schicht um den blutgefüllten Hohlraum. Der geborstene GRAAFSche Follikel wird durch diese makroskopisch schon kenntliche Färbung der Zellen zum Corpus luteum. Schon nach zirka einem Monat gehen auch diese Luteinzellen wieder zugrunde und werden in schollenähnliche hyaline Massen verwandelt, welche von den nach Resorption des Blutes sich narbenähnlich zusammenziehenden Bindegewebszügen umgeben werden, um so den so charakteristisch gewellten Körper, das Corpus albicans, zu bilden. Dieses Corpus albicans hat lange Bestand. Da in der Zeit der Geschlechtsreife die größte Zahl der Primärfollikel ohne zur Reife zu gelangen, einfach atretisch zugrunde geht, der kleinere Teil der Primärfollikel nach Reifung und Berstung in Corpora albicantia verwandelt wird, so sehen wir in dem geschrumpften Ovarium der klimakterischen Frau kaum noch Follikel, sondern nur diese Corpora albicantia, welche einem solchen Ovarium das so differente Aussehen verleihen gegenüber dem Ovarium in der Blüte der Geschlechsreife.

Wird das aus dem geborstenen GRAAFSchen Follikel ausgetretene Ei befruchtet durch Kopulation mit dem männlichen Samenfaden, so findet einmal eine viel intensivere Bildung von Luteinzellen statt, andererseits haben diese Zellen längeren Bestand. Es wird hierdurch das Corpus luteum graviditatis nicht nur voluminöser als das Corpus luteum menstruationis, sondern es hält sich auch mehr oder weniger auf demselben Volumen während des Ablaufs der Schwangerschaft.

Versorgt wird das menschliche Ovarium von Gefäßen, welche hauptsächlich aus der Art. ovarica stammen, dann von Aesten der Art. uterina. Die Arteria ovarica, von der Aorta oder Arteria renalis entstammend , tritt von der seitlichen Beckenwand zwischen den beiden Blättern des Ligamentum latum verlaufend an das Ovarium heran. Die Arteria uterina sendet entlang dem Ligamentum ovarii proprium einen Ast an den medialen Pol des Eierstocks heran. Beide Gefäße treffen sich am Hilus des Ovariums und vereinigen sich durch zahlreiche Anastomosen.

Die abführenden Venen des Eierstocks vereinigen sich zunächst zum Plexus pampiniformis und schaffen ihr Blut teils in die Venae ovaricae, teils in die Venae uterinae.

Die Lymphbahnen verlaufen längs den Gefäßen und sammeln die Lymphe in den retroperitoneal gelegenen mesenterialen und renalen Lymphdrüsen.

Die Nerven des Eierstocks sind rein sy m p a this eher Natur und stammen aus dem Plexus renalis und aorticus abdominalis. Von diesen großen Gangliengeflechten gehen dicke Nervenstämme in Begleitung der Spermatikalgefäße durch das Lig. Suspensorium ovarii zum Eierstock und bilden daselbst mit einem von den uterinen Nerven herrührenden Ast, das Ganglion ovaricum. Die Nerven verzweigen sich in der Marksub­stanz des Eierstocks und lösen sich in feinste Gebilde auf, welche nach den Untersuchungen v. HERFFS und seiner Schüler in feinsten Faserbündeln bis an die einzelnen Primärfollikel herantreten können.





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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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24. 1. 1847
In Leipzig führten die beiden Ärzte Heinrich Eduard Weickert und Carl Friedrich Eduard Obenaus die erste Äthernarkose in Deutschland durch. Sie entfernten einem Patienten eines Backenzahn.

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