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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

I. ABSCHNITT.
Anatomie, Entwickelung und Störungen der Entwickelung der weiblichen Genitalien.

Kapitel II.
Entwicklung, Reife und senile Involution der weiblichen Genitalien.
Von Otto Küstner.

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II. Die periodischen Vorgänge in den geschlechtsreifen Genitalien (Menstruation, Ovulation).


Der Eintritt der Geschlechtsreife wird durch den Beginn der Menstruation (Menarche) charakterisiert.

Während früher von der Menstruation nur die sinnfälligste Erscheinung, die periodische Blutung, bekannt war, hat BISCHOFF durch die Entdeckung der periodischen Eilösung das Verständnis des Prozesses wesentlich gefördert; dann lehrte PFLÜGER in der Ovulation und Menstruation die Folgen ein und desselben Vorganges erblicken, welcher mit einer periodisch wiederkehrenden Hyperämie der gesamten inneren Genitalien einhergeht.

HALBAN exstirpierte Pavianen die Ovarien und heilte sie subkutan wieder ein. 2 von den operierten Tieren menstruierten weiter. Daraus schließt halban, daß der Einfluß der Ovulation auf die Entstehung der menstruellen Uterusblutung nicht mechanisch, wie PFLÜGER annahm, sondern chemisch ist.

L. FRAENKEL sieht mit BORN in dem Corpus luteum (cf. unten) ein bedeutungsvolles Organ. Er spricht ihm Drüsenfunktion mit der Leistung einer „inneren Sekretion" zu. Es ist die Ovarialdrüse, welche sich periodisch regeneriert, welche der Uterusernährung von der Pubertät an bis zum Klimakterium vorsteht, deren sekretorische Tätigkeit die cyklisch-vierwöchentliche Hyperämie des Uterus hervorruft, welche zur Menstruation führt.

Die Menstruation tritt beim geschlcchtsreifen Weibe etwa alle 4 Wochen ungefähr zwischen dem 13. und dem 45.-50. Jahre auf; das Blut ist dunkelrot, ist in normalen Fällen nicht geronnen, ist vermischt mit etwas Cervikalschleim, seine Reaktion ist sauer. Seine Menge beträgt im Mittel etwa 100 ccm. Die Blutung dauert einige Tage an, beginnt gering, wird stärker, um dann allmählich aufzuhören. Daß das Blut aus dem Uterus stamme, ist längst bekannt, es tritt in Pausen aus dem äußeren Muttermunde schubweise hervor. Nennenswerte Beschwerden haben die Frauen bei der Menstruation unter normalen Verhältnissen nicht. Jedoch besteht häufig schon vor Eintritt oder auch während der Blutung das Gefühl von Druck und Schwere im Unterleibe und Kreuze, von Druck auf die Blase, häufigerer Drang zum Urinlassen, leise Schmerzen, welche vom Kreuze nach den Schenkeln ausstrahlen, welche periodisch auftreten, eine Akme erreichen, dann wieder zum schmerzlosen Zustande abklingen. In diesen Symptomen finden unmerkliche Uebergänge des Physiologischen in das Pathologische statt. Während der Schwangerschaft und Laktation zessiert die Menstruation.

Die feineren Vorgänge, welche diesem Prozeß in den Genitalien entsprechen, sind zuerst von LEOPOLD genauer studiert worden.


Fig. 17. Uterusschleimhaut kurz vor Eintritt der Menstruation (halb-schematisch). Man sieht die Uterusdrüsen in stark geschlängeltem Zustande, jede wiederholt vom Schnitt getroffen. Unter der Schleimhautoberfläche beträchtliche Hämorrhagien. Das Oberflächenepithel ist intakt.


Fig. 18. Uterusschleimhaut nach Eintritt der Menstruation (halb-schematisch). Die Drüsen sind ebenfalls noch stark geschlängelt. Die Hämorrhagien unter der Oberfläche haben an manchen Stellen das Oberflächenepithel zum Auseinanderweichen gebracht, durchbrochen.

Nach ihm schwillt von einer Menstrualepoche zur anderen die Uterusschleimhaut etwa um das Doppelte bis mehr an, die Zellen rücken mehr auseinander, die Gefäße werden blutreicher, schlängeln sich. Die ganze Schleimhaut ist feuchter, succulenter. Kurz vor Beginn der Blutung finden besonders nahe der Oberfläche ziemlich zahlreiche Blutaustritte aus den Kapillaren statt, welche die oberflächlichste Schicht der Schleimhaut, das Epithel und wenige Zellenlagen darunter entweder abheben oder so außer Ernährung setzen, daß sie schließlich sequestriert werden. Ist das geschehen, so hindert nichts mehr, daß die innerhalb der Schleimhaut erfolgende Blutung zu Tage tritt, dann beginnt die menstruelle Blutung. Dasjenige also, was regulär bei der Menstrualblutung von der Uterusschleimhaut verloren geht, ist nur die alleroberflächlichste Lage; das ist so wenig, daß unter normalen Verhältnissen Gewebsfetzen in dem Menstrualblut mit bloßem Auge nicht aufgefunden werden können. Nach dem Aufhören der Blutung ist die gesamte Schleimhaut wieder zur Durchschnittsdicke abgeschwollen; das verlorene Oberflächenepithel ersetzt sich, und zwar von den Drüsenepithelien aus, in wahrscheinlich wenigen Tagen.

LEOPLDS Anschauungen sind später durch MOERIKE und WESTPHALEN dahin korrigiert worden, daß auch eine unbedeutende Abstoßung von Schleimhaut während der Menstruation nicht stattfindet. Beide fanden sogar die Epitheldecke erhalten. Da diese Untersuchungen an ganz frischer, durch Ausschabung gewonnener Schleimhaut vorgenommen sind, so sind sie als maßgebend zu betrachten, auch gegenüber v. KAHLDEN, welcher wieder Leichenuteri untersuchte und ausgiebigere Schleimhautabstoßung fand. Schleimhautabstoßung bis zu beträchtlicher Tiefe kommt nur unter pathologischen Verhältnissen vor.

Auch GEBHARDS Untersuchungen stimmen zu denen von MOERIKE und WESTPHALEN. Nach ihm handelt es sich bei der Menstruation um Apoplexien in die oberflächliche Schleimhautschicht, welche diese abheben, durchbrechen, aber die Oberflächenschicht in toto intakt lassen. Nach dem Aufhören der Menstruation finden in den Epithelien der Oberfläche und Drüsen lebhalte Regenerationsprozesse statt, „welche die Mucosa uteri zur Aufnahme des befruchteten Eies in lebensfrischem Zustande erhalten".

Neuere Untersuchungen von ADLER und HITSCHMANN bestätigen, daß in der intermenstruellen Zeit die Drüsen der Uterusschleimhaut durch Zellneubildung von Epithel weiter und länger werden und sich korkzieherartig schlängeln, bringen aber weiter den Nachweis, daß gegen die Menstruation hin das Epithel zu sezernieren beginnt und die gesamte Schleimhaut auf dem Durchschnitt einer jungen Decidua mit gut kenntlicher kompakter und ampullärer Schicht außerordentlich ähnlich wird. Noch während der Menstruation kollabieren Schleimhaut und Drüsen.

Die Tubenschleimhaut beteiligt sich unter normalen Verhältnissen nicht an der Menstruationsblutung, nach meinen Beobachtungen wohl aber gelegentlich derjenige Teil der Schleimhaut der oberen Cervixpartie, welcher der des Corpus in Gestalt und Anordnung der Drüsen ähnlicher sieht, als der der unteren Cervixzonen.




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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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