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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

I. ABSCHNITT.
Anatomie, Entwickelung und Störungen der Entwickelung der weiblichen Genitalien.

Kapitel II.
Entwicklung, Reife und senile Involution der weiblichen Genitalien.
Von Otto Küstner.

Seite: 5/5Zurück (Diätetik)[ Fötale Entwicklung | Menstruation | Ovulation | Diätetik | Klimakterium ]


III. Die senile Involution, das Klimakterium.


Ende der vierziger Jahre fängt der monatliche Blutfluß an zu versiegen. Zunächst wird er unregelmäßiger, seltener, hält nicht mehr den Typus von 4 Wochen inne, schließlich tritt die vollständige Cessatio mensium ein. Von da ab atrophiert der Uterus allmählich, die Muskulatur wird dünner, das ganze Organ wird kürzer und schrumpft schließlich zu einem dünnen Muskelsäckchen von 3-4 cm Länge. Die Schleimhaut verliert ihr charakteristisches Verhalten. Das Flimmerepithel verschwindet, an seine Stelle tritt niedriges, kubisches Epithel. Das Gewebe der Interglandularsubstanz schrumpft, wird häufig durch spindeliges Bindegewebe ersetzt, die Dicke der Schleimhaut sinkt auf ein Minimum. Die Drüsen werden kürzer und verschwinden schließlich. Einige erleiden durch ungleichmäßige Schrumpfung des Interglandulargewebes Verengungen ihres Ausführungsganges und werden in Retentionscystchen verwandelt.

Auch der innere Muttermund verengt sich mehr und mehr und kann schließlich obliterieren.

Sezerniert hinter dem verengten oder bereits verschlossenen Orificium internum die Schleimhaut noch weiter, so staut sich das dünne, wässerige, schleimige Sekret in dem muskelarmen Corpus uteri und treibt letzteres ballonartig auf. Diese Form der „Hydrometra" ist geringgradig nicht selten, selten wird sie hochgradig und wohl nur dann, wenn von früher her endometritische Prozesse bestanden haben.

Kam es nicht zu einer völligen Obliteration der oberen Cervixpartie, sondern hatte es nur bei einer starken Verengung sein Bewenden, so können von der Vagina und Cervix aus in das im Corpus gestaute Sekret Mikroben einwandern (Pyometra). Das ist um so leichter möglich, als die senilen Genitalien desjenigen selbstschützenden Momentes, welches in der sauren Reaktion des Scheidensekretes besteht, meist entbehren. Das Scheidensekret der Greisinnen reagiert häufig alkalisch. Das zersetzte Uterussekret fließt dann zeitweise ab und kann wegen des üblen Geruches Carcinomverdacht erwecken.

Verhängnisvoll ist das in Laien- und Aerztekreisen weit verbreitete Vorurteil, daß Anomalien der blutigen Genitalausscheidungen, also häufigeres Wiederkehren oder stärkeres Auftreten der Genitalblutungen, zur Norm der „Wechseljahre" gehören.

Wenn derartigen Anomalien oft metritische, endometritische Prozesse, vernachlässigte Retroversionen zugrunde liegen, so müssen sie doch stets Carcinomverdacht wecken und entsprechender gynäkologischer Untersuchung anheimgeben, diesen zu beseitigen oder zu bestätigen.

Analoge Veränderungen vollziehen sich im Alter an den übrigen Teilen des Geschlechtsapparates. Die Portio verschwindet schließlich gänzlich, au den Stellen, wo früher Einrisse zu bemerken waren, rindet man nach völligem Schwund des Scheidenteiles in das Vaginalgewölbe hineinziehende radiäre Falten; ebenso verschwinden die Papillen, Erhebungen und Vertiefungen der Vagina; diese wird in einen glatten, nach oben spitz zulaufenden Kanal verwandelt, an dessen Ende der kleine äußere Muttermund liegt. Die Epitheldecke verdünnt sich wesentlich. Die äußeren Geschlechtsteile werden fettarm, Labia majora und minora flacher.

Die Ovarien schrumpfen ebenfalls erheblich, in den GRAAFschen Follikeln zerfallen Epithel und Eier; schließlich bleibt von dem Organ nur ein bindegewebiger, mit niedrigem Cylinderepithel bekleideter Körper übrig.

Eigentümliche Erscheinungen spielen sich auf dem vasomotorischen Gebiete zum Beginn des Klimakteriums ab. Von Zeit zu Zeit befällt die Frauen das Gefühl von „aufsteigender Hitze", oft auf der gesamten Körperoberfläche, mitunter nur oder hauptsächlich im Gesicht. Derartige Attacken können sich mehrere Male am Tage wiederholen.

Auch wenn die Klimax durch operative Entfernung der Keimdrüsen künstlich herbeigeführt ist, treten diese Erscheinungen, mitunter in unerträglicher Höhe, auf. Wir nehmen an, daß sie durch den Wegfall der „inneren Sekretion" der Keimdrüsen Zustandekommen und nennen sie deshalb Ausfallserscheinungen. Therapie : Ovarin, Lutein, Valyl (KIONKA).



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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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