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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

I. ABSCHNITT.
Anatomie, Entwickelung und Störungen der Entwickelung der weiblichen Genitalien.

Kapitel II.
Entwicklung, Reife und senile Involution der weiblichen Genitalien.
Von Otto Küstner.

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Ovulation


Die periodischen Vorgänge, welche sich im Eierstock abspielen, sind die Umbildung der Follikel, die Reifung und Abstoßung der Eier, die Bildung des Corpus luteum. Sie vollziehen sich folgendermaßen:

Die Primärfollikel, kleine, mit bloßem Auge nicht erkennbare, mit einschichtigem Cylinderepithel ausgekleidete, das Ei enthaltende Bläschen, wachsen allmählich. Das Epithel wird mehrschichtig (Stratum granulosum), der Oberfläche nahe gelegene Zellen stoßen sich ab und mischen sich dem Liquor folliculi bei; die Zellen, welche das Ei beherbergen, bleiben von dem Abstoßungsprozeß unberührt (Cumulus oophorus). Zugleich entwickelt sich die bindegewebige Schicht um den Follikel herum kräftiger (Theca folliculi). Zwischen Theca und Follikelepithel bildet sich die Glashaut, zwischen Follikelepithel und Ei die Zona pellucida. So wird aus dem Primärfollikel der GRAAFsche Follikel.

Bei weiterer Entwicklung wachsen die Zellen der inneren Schicht, der Theca folliculi, in ihnen treten glänzende Körper auf (Luteinzellen), sie bilden bald eine dicke, vielreihige Schicht mit papillenartigen Vorsprüngen und drängen den Follikelinhalt nach der Stelle des geringsten Widerstandes, nach der Oberfläche des Eierstockes. Schließlich berstet der Follikel, das Ei mit dem Epithel wird aus dem Cumulus oophorus gelöst und der leere Follikel füllt sich mit Blut. Das Gebilde, welches dann vom GiiAAFschen Follikel übrig bleibt, ist das Corpus luteum, ein runder, im wesentlichen aus einem Gerinnsel bestehender Körper, umgrenzt von einer wellenförmigen, gelben Haut; letztere ist die aus der dicken Schicht von Luteinzellen bestehende Theca folliculi. Ueber die funktioneile Bedeutung des Corpus luteum vgl. oben zu Anfang dieses Abschnittes. Allmählich durchwachsen die Papillen der Theca das Gerinnsel, das Blut wird resorbiert, die gelbe Farbe der Lutemzellen verschwindet, und schließlich bleibt nur noch eine bindegewebige Narbe zurück (Corpus albicans). Man findet in jedem Eierstock der geschlechtsreifen Frau deren mehrere (NAGEL).



Fig. 19 und 20. Zwei Entwickelungsstadien des GRAFFschen Follikels.
Fig. 19 mit beginnender Entwickelung von Follikelflüssigkeit; Fig. 20 mit beträchtlicher Ansammlung solcher, ei Ei, fz Follikelzellen, welche um das Ei herum den Discus proligerus darstellen, ff Follikelflüssigkeit, fk Follikelkapsel (Theca folliculi), zp Zona pellucida. (0. HERTWIG, Entwicklungsgeschichte.)

Während die Umbildung der Primärfollikel in GRAAFsche in jedem Eierstock der geschlechtsreifen Frau an mehreren Exemplaren erfolgt, derart, daß in jedem Eierstock GRAAFsche Follikel in allen Umbildungsstadien angetroffen werden, so findet eine Eiabstoßung (Ovulation) regelmäßig nur in einem, ausnahmsweise in 2 Follikeln, und zwar nur um die Zeit der Menstruation statt.

Bei einigen Säugern, besonders bei niedriger entwickelten (Sciurus, Hystrix), enthält der Eierstock außer den keimbereitenden Organen noch ein drüsenartiges Gewebe, die interstitielle Eierstocksdrüse (LIMON), eine Drüse mit innerer Sekretionsfunktion, wogegen diese bei anderen Tieren fehlt (Rhinoceros, Hund, Katze), ebenso wie beim Menschen (L.FRAENKEL, A.SCHAEFFER).

BISCHOFFs Entdeckung und PFLÜGERs Hypothese waren der Frage nicht näher getreten, ob die Prozesse in der Uterusschleimhaut und im Ovarium völlig kontemporär seien; man glaubte allgemein, daß die Ausstoßung des Eies aus dem Follikel und der Beginn der Uterusblutungen zusammenfielen. LEOPOLDS sorgfältige Untersuchungen haben jedoch bereits festgestellt, daß zwar gewöhnlich eine Menstruationsblutung von einer Ovulation begleitet sei. daß aber beide Prozesse zeitlich einander folgen, derart, daß erst die Ovulation erfolgt, und daß wenige Tage nach der Abstoßung des Eies die Uterusschleimhaut zu bluten beginnt.

Wenn im allgemeinen jeder Menstruation eine Ovulation entspricht und umgekehrt, so haben neuere Untersuchungen ergeben, daß die Eireifungs- und Abstoßungsprozesse auch unabhängig von der menstrualen Epoche stattfinden können; so z. B. während der Laktation. Auch zwischen zwei Menstruationen kann, wenn es auch selten ist, eine Ovulation stattfinden. Bei unentwickelten Ovarien oder nach vollständiger Entfernung dieser Organe hört die Menstruation auf.

Bei zahlreichen Säugern wird die Ovulation nur durch den Coitus hervorgerufen (Kaninchen, Meerschweinchen, Maus, Katze), bei anderen (Hund, Pferd, Schwein, Rind) erfolgt sie spontan, ebenso wie beim Menschen.

Die Menstruation mit der Ovulation zusammen entspricht der Brunst bei den Tieren. Bei allen Tieren tritt die Brunst seltener auf als der analoge Prozeß beim Menschen. Nur bei einigen Affenarten ist die Brunst von einer der Menstruation des Menschen gleichwertigen Uterusblutung begleitet.


Fig. 21. Schnitt durch, die Wand eines Corpus luteum. Unten Ovarialstroma mit Gefäßen, in der Mitte die Schicht der großen Luteinzellen, oben Blutgerinnsel in Organisation begriffen.





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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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