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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

VI. ABSCHNITT.
Mikrobiotische Erkrankungen des weiblichen Urogenitaltraktes.

Kapitel XXIII.
Die gonorrhoischen Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane.
Von Albert Döderlein.

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IV. Gonorrhoe der Tuben und des Peritoneums.


Die ganze Schwere der weiblichen Gonorrhoe kommt dann zum Ausbruch, wenn Tripperbakterien zu den Tuben und durch sie hindurch zu den Ovarien und der Bauchhöhle vordringen, womit die durch Wertheims unermüdliche und gründliche Arbeit klargelegte und von ihm sogenannte aszendierende Form gegeben ist und in der Regel die Gesundheit der Genitalien dauernd vernichtet wird. Um Wiederholungen zu vermeiden, verweise ich bezüglich der hierbei auftretenden Veränderungen auf das Kapitel der Tubenentzündungen.

Die Beziehungen der Gonorrhoe zu den Genitalfunktionen, namentlich der Fortpflanzungstätigkeit, hängen ganz von der Art und der Ausbreitung der Infektion innerhalb der einzelnen Genitalabschnitte ab.

Daß absolute Sterilität durch Behinderung der Konzeption die Folge einer Gonorrhoe beim Manne sowohl wie bei der Frau werden kann, ist unzweifelhaft, ebenso daß die meisten der sterilen Ehen der Gonorrhoe ihre Kinderlosigkeit zu danken haben. Angesichts der großen Verbreitung der Gonorrhoe unter den Männern - ca. 80 Proz.! - bedarf es aber kaum der weiteren Betonung, daß selbstverständlich weder beim Manne noch bei der Frau durch die Gonorrhoe eine derartige Erkrankung der Genitalien ausgelöst werden muß, daß Sterilität die unausbleibliche Folge wird. Daß gonorrhoische Frauen anstandslos konzipieren, austragen und gebären können, zum Beweis dafür genügt der Hinweis auf die Ophthalmoblenorrhoea neonatorum. Das Kind hat die Gonokokken im Geburtsschlauch an oder in die Augen bekommen, die Frau ist also genorrhoisch, ohne in ihrer Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt zu sein.

Der Anteil oder richtiger "die Schuld der Männer" an der Sterilität der Ehe wird jetzt außerordentlich viel höher als früher taxiert, so zwar, daß es Grundsatz bei den Gynäkologen geworden ist, keine Krau wegen Sterilität in Behandlung zu nehmen, wenn nicht vorher die Zeugungsfähigkeit des Mannes erwiesen ist. Lier. und Ascher fanden in 70 Proz. die primäre Ursache der Sterilität beim Manne. Die verschiedensten Formen der Unfruchtbarkeit des Mannes können als Folge gonorrhoischer Veränderungen auftreten, Azoospermie wegen Verlegung der Samenleiter bei doppelseitiger Epididymitis und Funiculitis, Nekrospermie durch pathologische Veränderung der Samenblasen- und Prostatasekrete (Pyospermie), Aspermatismus durch Striktur. Siehe Finger, Die Pathologie und Therapie der Sterilität beim Manne, Leipzig, Arthur Georgi, 1898.)

Wie beim Manne, so hängt auch bei der Frau die Beeinflussung der Zeugungsfähigkeit ganz von der Schwere der Erkrankung und Verbreitung der Gonokokken ab. Die schwerste Form, die aszendierende Infektion, charakterisiert die ungünstigen Fälle; mit dem Ueberschreiten des inneren Muttermundes ist oftmals das Schicksal besiegelt; sind vollends die Tuben ergriffen, verschlossen und mit Eiter erfüllt, so vermag keine Kunst die Zeugungsfähigkeit der Genitalien zu reparieren.

Mit dieser durch Konzeptionsbehinderung bedingten Sterilität sind aber die Beziehungen zwischen Gonorrhoe und Fortpflanzungstätigkeit keineswegs erschöpft. Es ist allerdings noch nicht einwandfrei bewiesen, aber doch aus manchen Beobachtungen naheliegend, daß eine gonorrhoische Endometritis corporis wohl noch die Einbettung und Entwickelung des Eies bis zu einer gewissen Zeit zuläßt, daß aber die fortschreitende Endometritis decidua den Abortus bedingt und so die Gonorrhoe eine nicht seltene Ursache zu Fehlgeburten wird.

Nachdem Kroenig unter 296 fiebernden Wöchnerinnen 31mal, Winternitz bei 121 ebensolchen 6mal eine Endometritis gonococcica fanden und den Beweis erbrachten, daß die Gonokokken in den Lochien des Uterus einen ihnen zusagenden, sie belebenden Nährboden finden, muß das Wochenbett ähnlich wie auch die Menstruation als eine der Gonorrhoe der Frau gefährliche Periode angesehen werden, in welcher eine bis dahin vielleicht harmlose Gonorrhoe zu einer schwereren Form gravitieren kann. So ist auch erklärlich, daß gonorrhoische Wochenbettsveränderungen infolge der dadurch angeregten Aszendenz der Gonokokken und der daraus resultierenden, bleibenden Veränderungen zu der "Einkindsterilität" führen können.

Außerhalb der Fortpflanzungstätigkeit wird die Funktion der Genitalien dann gestört, wenn die Endometritis gonorrhoica die Menstruation alteriert derart, daß die Blutungen häufiger werden, also in kürzeren Intervallen wiederkehren, länger dauern und profuser und schmerzhaft sind. Auch die Kohabitation wird bei Ergriffensein des Corpus uteri und namentlich der Tuben und des Beckenperitoneums schmerzhaft bis unerträglich.

Wodurch die außerordentlich großen Verschiedenheiten in dem Krankheitsbilde und Verlaufe und damit auch in der Prognose der gonorrhoischen Infektion der weiblichen Genitalien bedingt sind, ist noch eine offene Frage. Ich kann mich, trotz der vielfachen entgegenstehenden Meinungen, immer noch nicht von der Annahme frei machen, daß der Virulenzgrad der infizierenden Keime einen wesentlichen Anteil an der Art der von ihnen bewirkten Krankheit ausübe.

Auch hinsichtlich der Diagnose unterscheidet sich der weibliche Tripper ganz wesentlich von dem männlichen. Während letzterer nur in seinen Spätformen, namentlich in dem Nachweis der Infektiosität der letzten Residuen Schwierigkeiten, hier allerdings oft recht erhebliche bietet, treten bei der Frau schon in sehr viel früheren Stadien Unsicherheiten in der Diagnostik auf, und der oft schwerwiegende Entscheid, welche Teile des weiblichen Genitaltraktus ergriffen sind, ob es sich um eine lokalisierte oder aszendierende Gonorrhoe handelt, kann oft genug nur durch längere Beobachtung und wiederholte Untersuchung getroffen werden.

Wie bei anderen Infektionskrankheiten, so ruht auch hier die Diagnose auf dem bakteriologischen Nachweis der Gonokokken, ganz besonders wichtig aber erscheint die Betonung, daß andererseits mit einem negativen Resultat der bakteriologischen Untersuchung die Diagnose keineswegs fällt. In den ersten, akuten Stadien sind sowohl in dem Sekret der Urethra wie in dem Eiter bei Vulvovaginitis, Cervicitis, Endometritis, Salpingitis und Peritonitis die Gonokokken so zahlreich und charakteristisch, daß der bakteriologische Befund so leicht und sicher erhoben werden kann, wie bei der Urethritis gonorrhoica des Mannes oder der Ophthalmoblenorrhoea neonatorum, beides sehr dankbare Objekte für den mikroskopischen Nachweis der Gonokokken. Unterstützend für die Untersuchung wird hier der Umstand, daß die Tripperkeime im Stadium der heftigen Entzündung keine anderen Bakterien neben sich dulden. In abgesackten Eiterhöhlen, z.B. der Sactosalpinx purulenta, bleiben sie auch weiterhin allein, Befunde von Mischinfektionen werden mit Recht angezweifelt, ausgenommen vielleicht die Symbiose mit dem Tuberkelbacillus (Menge). Allmählich sterben aber die Gonokokken in den abgeschlossenen Abscessen ab, sie werden immer spärlicher, so erklärt es sich, daß der Pyosalpinxeiter in der Mehrzahl keimfrei gefunden wird. Menge fand in 122 von ihm untersuchten Fällen den Tubeneiter 75mal keimfrei; unter den 47 positiven Befunden waren 28mal Gonokokken vorhanden.

Bei den fließenden Sekreten der Harnröhre oder der Cervix macht man die Wahrnehmung, daß mit der Abnahme der Gonokokken die übrigen Bakterien an Zahl und Arten zunehmen, so daß das Sekretbild immer unreiner und schwieriger in der Deutung wird.



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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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