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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

IV. ABSCHNITT.
Die Krankheiten der Tuben, Ovarien und benachbarten Gewebsabschnitte.

Kapitel XVII.
Mißbildungen, Lageveränderungen, Zirkulationsstörungen. Ernährungsanomalien, Entzündungen.
Von Bernhard Kroenig.

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Bildungsanomalien und Entwickelungsstörungen des Eierstocks.


Vollständiges Fehlen beider Ovarien hat meist auch ein Fehlen oder mangelhafte Entwickelung des übrigen Geschlechtsapparates zur Folge; fehlt ein Ovarium, so ist gewöhnlich das betreffende Uterushorn rudimentär entwickelt. Mangel der Ovarien bei sonst gut entwickeltem Uterus und der äußeren Geschlechtsteile ist so selten, daß man bei Nachweis dieser ein Fehlen der Ovarien klinisch ausschließen darf. Dagegen schließt ein Fehlen der Eierstöcke nicht eine kräftige Entwickelung der sekundären Geschlechtscharaktere, wie Ausbildung der Brüste, Entwickelung von Haaren an den Achselhöhlen und am Schamberg sowie die Bildung des charakteristischen weiblichen Beckens mit der großen Ausladung der Hüftschaufeln direkt aus, wenn auch zugegeben werden muß, daß oft beim Fehlen der Ovarien sich ein auffallend männlicher Habitus geltend macht.

Trotz Mangels der Ovarien können subjektive Beschwerden vollständig fehlen, was um so bemerkenswerter ist, als bei künstlicher Entfernung der Eierstöcke im geschlechtsreifen Alter die schwersten allgemeinen trophischen und nervösen Störungen, wie wir sehen werden, eintreten. Man erhält oft erst Kenntnis von der mangelhaften Entwickelung der Geschlechtsorgane, wenn das Individuum in das geschlechtsreife Alter eintritt, ohne daß gleichzeitig die physiologische Menstruationsblutung einsetzt.

Es liegt in der Natur der Sache, daß therapeutisch bei angeborenem Mangel der Ovarien nichts geschehen kann, denn eine Implantation gesunder Ovarien anderer Individuen hat nach den bisherigen Erfahrungen keine Aussicht auf Erfolg. Es würde auch die Einpflanzung fremder Ovarien dem Individuum wenig Nutzen bringen, da ja Ausfallserscheinungen, wie sie bei der operativen Entfernung der Ovarien bei einer geschlechtsreifen Frau auftreten, hier meist, wie wir sahen, von vornherein fehlen, andererseits der Uterus gewöhnlich so mangelhaft entwickelt ist, daß keine Menstruation oder Konzeption eintreten kann.

Mangelhafte Entwickelung beider Ovarien sehen wir nicht selten bei konstitutionellen Erkrankungen, so bei Chlorose, pathologischer Adipositas usw. Auch hier kann infolge der mangelhaften Punktion der unentwickelten Eierstöcke die Menstruation in der ersten Blute der Geschlechtsreife jahrelang zessieren; doch ist entsprechend der Heilungsmöglichkeit der oben erwähnten Erkrankungen die Prognose günstig zu stellen. Mit der Besserung des anämischen oder chlorotischen Zustandes tritt gleichzeitig eine Wachstumssteigerung des bis dahin mangelhaft entwickelten Ovariums ein.

Von diesen Entwicklungsstörungen ist klinisch und anatomisch zu trennen die vorzeitige Atrophie der Ovarien. Die Ovarien stellen schon physiologisch relativ früh im weiblichen Organismus ihre wesentliche Tätigkeit, die Ovulation, ein; mit dieser Funktionsaufhebung, welche bei Frauen der deutschen Rasse ungefähr im 45.-50. Lebensjahr erfolgt geht eine Atrophie des Ovarialparenchyms Hand in Hand; die Follikel verschwinden mehr und mehr, das Ovarium verkleinert sich unter narbiger Einziehung auf ein Drittel seines Volumens. Unter pathologischen Verhältnissen kann diese physiologische Atrophie des Ovariums, welche für uns das Zeichen der beginnenden Klimax ist, schon vorher eintreten; so sehen wir bei schwer kachektischen Personen, bei hochgradig tuberkulösen Individuen, auch bei pathologischer Fettsucht ein deutliches Schwinden der Ovarien oft schon in der Mitte der Geschlechtsreife zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr; besonders bekannt ist die Laktationsatrophie der Ovarien, bei welcher im Anschluß an ein Wochenbett meist nach sehr lange anhaltendem Stillgeschäft die Ovarien vorzeitig atrophieren. Die Folge ist entweder dauerndes vollständiges Sistieren der Menstruation oder Menstruation mit geringstem Blutabgang in großen Zeitintervallen. Der Uterus, welcher in seiner Ernährung und Funktionsausübung ganz wesentlich von dem dominierenden Organ des Eierstocks abhängig ist, fällt bald auch der sekundären Atrophie anheim, wodurch die Prognose der Wiederherstellung der normalen Geschlechtsfunktion fast absolut schlecht wird. Schließlich kann eine Atrophie der Ovarien auch eintreten durch Druck von Seiten anliegender Tumoren; so kann durch ein im Becken eingekeiltes Myom das Ovarium gegen die Beckenwand gepreßt werden und eine Reduktion seines Gewebes durch Druck erleiden; doch sind derartige Druckatrophien selten, weil der Eierstock infolge seiner großen Beweglichkeit nach Gegenden geringeren Druckes ausweichen kann.

Hypertrophien des Ovariums sind gegenüber den Atrophien sehr selten, vorausgesetzt, daß wir die durch Entzündungen oder durch Cystenbildungen des Ovariums bedingten vergrößerten Ovarien hiervon scheiden. Hypertrophien des Ovariums bei sonst normalem Stroma kommen bei manchen geschlechtsreifen Individuen vor, doch ist das Ovarium nur selten bedeutend vergrößert.




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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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