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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

IV. ABSCHNITT.
Die Krankheiten der Tuben, Ovarien und benachbarten Gewebsabschnitte.

Kapitel XVII.
Mißbildungen, Lageveränderungen, Zirkulationsstörungen. Ernährungsanomalien, Entzündungen.
Von Bernhard Kroenig.

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Entzündung des Eierstocks.


Bei der Eierstocksentzündung unterscheiden wir am besten zwischen der akuten und der chronischen Entzündung. Unter akuter Oophoritis verstehen wir eine Schwellung des Eierstocks, verbunden mit mehr oder weniger starker Leukocyteninfiltration bis zur Bildung von größeren oder kleineren Abscessen im Organ; die akute Entzündung hat fast stets einen mehr oder weniger ausgesprochenen Zerfall der wichtigen parenchymatösen Bestandteile des Eierstocks, der Eifollikel, zur Folge; entsprechend der akuten Entzündung anderer Organe finden wir auch hier eine starke Hyperämie und seröse Durchtränkung des gesamten Ovarialgewebes. Jede stärkere akute Entzündung des Eierstocks ist außerdem mit einer Entzündung der

Eierstocksoberfläche sowie des angrenzenden Beckenbauchfells verbunden; die Oophoritis ist mit der Perioophoritis gepaart.

Aetiologie. Die akute Oophoritis ist fast in allen Fällen bakteriellen Ursprungs, und zwar spielen hier vornehmlich die Gonokokken, die Tuberkelbacillen, die septischen und saprischen Bakterien eine Rolle. Viel seltener entsteht die akute Oophoritis durch reine Intoxikation; so ist z. B. bei der Phosphorvergiftung auch eine entzündliche Veränderung des Ovariums ähnlich wie bei der bakteriellen Oophoritis beschrieben.

Die häufigste von allen akuten Entzündungen des Eierstocks ist die gonorrhoische. Wenn auch der Gonococcus Neisser im wesentlichen ein Parasit der Schleimhaut ist, so ist doch durch die Untersuchungen von Wertheim und Menge erwiesen, daß er sich auch auf dem Blut- und Lymphwege fortpflanzen und so in das bindegewebige Stroma des Organs eindringen kann. Bei der akuten Uterusgonorrhoe des Weibes kann der Gonococcus auf dem Wege durch die Tuben in einen eben geplatzten GRAAFSchen Follikel eindringen und so eine isolierte gonorrhoische Entzündung mit Bildung eines Abscesses, des sogenannten Corpusluteum-Abscesses, erzeugen; oder aber er kann auf dem Wege der Lymphbahnen vom Uterus oder der Tube durch die Wandungen dieser Organe hindurch in das Eierstocksgewebe gelangen und so eine mehr diffuse gonorrhoische Entzündung hervorrufen; schließlich kann der Gonococcus vom Tubenlumen aus zunächst eine Perioophoritis erzeugen, um von hier in das Parenchym des Organs zu gelangen.

Dementsprechend sehen wir die gonorrhoische Oophoritis meist kombiniert mit mehr oder weniger hochgradigen Veränderungen an den Tuben, am Uterus sowie am gesamten Pelviperitoneum; die Eileiter und die Eierstöcke sind in derbe peritoneale Schwielen gebettet und zu einem so dichten Konvolut vereinigt, daß es selbst am anatomischen Präparat nicht leicht ist, beide Organe voneinander zu trennen. Da eine gonorrhoische Entzündung des Eierstocks fast stets mit der gleichartigen Entzündung des Uterus und der Tuben kombiniert ist, so haben wir Kliniker kaum Gelegenheit, die isolierten Symptome einer gonorrhoischen Oophoritis zu beobachten; sie sind vielmehr verschleiert durch den kombinierten Symptomenkomplex der gonorrhoischen Salpingitis, Perisalpingitis und der gonorrhoischen Pyosalpinx. Wir können daher betreffs der Symptomatologie der gonorrhoischen Entzündung des Eierstocks auf das verweisen, was bei den gonorrhoischen Entzündungen der Adnexe gesagt ist.

Weit seltener als die gonorrhoische Oophoritis ist die akute tuberkulöse Entzündung des Eierstocks. Einmal ist die tuberkulöse Infektion der Genitalien weit seltener als die gonorrhoische, dann aber scheint es auch, als ob bei tuberkulöser Infektion des weiblichen Geschlechtsapparates das Ovarium keine besonders günstige Aufnahmestätte dem tuberkulösen Virus bietet, denn selbst bei anatomisch nachweisbarer tuberkulöser Infektion des Ovariums kommt es relativ selten zu schwereren anatomischen Veränderungen in diesem Organ. Während wir bei der Tuberkulose der Tuben mächtige Eiteransammlungen mit weitgehenden Zerstörungen und teilweisen Verkäsungen der Tubenwand beobachten, finden wir das tuberkulöse Ovarium wohl in starke peritoneale Adhäsionen gebettet, doch nur selten durch einen größeren tuberkulösen käsigen Absceß im Gewebe eingeschmolzen. Aehnlich wie bei der gonorrhoischen Oophoritis, können wir daher auch bei der tuberkulösen Oophoritis auf das Symptomenbild der Adnextuberkulose verweisen.

Die septischen und saprischen akuten Entzündungen des Eierstocks sind in der größten Anzahl der Fälle eine Teilerscheinung des Puerperalfiebers, sehr viel seltener die Folgezustände eines in den Douglas gesenkten akuten perityphlitischen Abscesses, welcher sekundär das Ovarium ergriffen hat. Bei der Puerperalinfektion steht auch wiederum die Infektion des übrigen Genitalapparats, des Uterus, der Parametrien, des Pelviperitoneums so im Vordergrunde des klinischen Interesses, daß es selten gelingt, einen akuten septischen Ovarialabsceß isoliert zu diagnostizieren. Da das Uebergreifen des puerperalseptischen Prozesses auf das Ovarium schon eine weitgehende Ausbreitung des septischen Prozesses vom primären Infektionsherd, dem Uterus aus, zur Voraussetzung hat, so ist die Wahrscheinlichkeit, daß das Individuum der allgemeinen septischen Infektion erliegt, groß und damit ist das klinische Interesse für die isolierte septische Oophoritis entsprechend gemindert. Immerhin kommen auch bei so weitgehender Ausbreitung der puerperalen Infektion Heilungen des primären Infektionsherdes vor, und es kann dann ein isolierter septischer oder putrider Ovarialabsceß noch Monate, ja jahrelang nach der Entbindung als einzige Lokalisation der erfolgten Infektion bestehen bleiben.

Besonders hartnäckig sind die sekundären Ovarialabscesse nach primärer Appendicitis. Die Appendicitis kann längst zur Heilung gelangt sein, auch der sekundäre Douglasabsceß kann spontan oder durch Entleerung des Eiters nach der Scheide oder dem Darm ausgeheilt sein, während der sekundäre Absceß im Ovarium noch monatelang hektisches Fieber erzeugt. Es scheint hier das Ovarium ein besonders günstiger Nährboden für die langdauernde Ansiedlung der saprischen Bakterien zu sein.

Gegenüber diesen Arten der Infektion spielen alle anderen Infektionskeime, welche gelegentlich bei der akuten Oophoritis beobachtet sind, wie Actinomyces, Pneumokokken, Typhusbacillen, eine so untergeordnete Rolle, daß wir sie als Kliniker an dieser Stelle übergehen können.

Die Behandlung der akuten bakteriellen Oophoritis wird sich nach dem Gesagten nach der Aetiologie der Entzündung richten müssen und meist zusammenfallen mit der Behandlung der Erkrankung des übrigen befallenen Genitalapparates. Besteht eine akute gonorrhoische Oophoritis, so wird entsprechend der Behandlung der akuten gonorrhoischen Adnexerkrankung die Therapie stets eine exspektative antiphlogistische oder resorptive sein; besteht eine tuberkulöse Oophoritis, so richtet sich die Behandlung auch dieser nach den allgemeinen therapeutischen Grundsätzen der gleichzeitig vorhandenen tuberkulösen Erkrankung der Eileiter und der Gebärmutter; auch bei den septischen und saprischen Entzündungen des Eierstocks sind, wenn sie eine Teilerscheinung des Puerperalfiebers darstellen, die allgemeinen Prinzipien in der Behandlung des Puerperalfiebers maßgebend. Es kommt hier eine spezielle Behandlung des septischen oder saprischen Ovarialabscesses nur dann in Frage, wenn alle sonst lokalisierten Infektionsherde ausgeheilt sin
d. Dann wird nach Abklingen der allgemeinen puerperalen Infektion bei stürmischen klinischen Erscheinungen die Eröffnung des Ovarialabscesses von der Vagina aus, vorausgesetzt, daß die topischen Bedingungen günstig sind, indiziert sein. Liegen die topischen Verhältnisse für die Eröffnung des Ovarialabscesses von der Scheide aus zu ungünstig, so wird man sich möglichst lange exspektativ verhalten und nur dann zur Exstirpation des vereiterten Ovariums von der Bauchhöhle aus sich entschließen, wenn durch langdauerndes hektisches Fieber der Allgemeinzustand der Kranken sich schnell verschlechtert.




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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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