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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

IV. ABSCHNITT.
Die Krankheiten der Tuben, Ovarien und benachbarten Gewebsabschnitte.

Kapitel XVIII.
Die Krankheiten der Ovarien. Neubildungen der Ovarien.
Von Bernhard Kroenig.

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Klinische Erscheinungen und Prognose der Eierstocksgeschwülste.


Entwickelt sich bei einer Frau eine Eierstocksgeschwulst, so können im Anfang subjektive Beschwerden vollständig fehlen; gewöhnlich beginnen Beschwerden erst dann, wenn infolge andauernden Wachstums zunächst die Nachbarorgane im kleinen Becken, wie Blase, Mastdarm usw., komprimiert werden; sie bestehen in einem dumpfen Schmerzgefühl im Kreuz und in einem Gefühl von Völle im Becken. Da die Organe im großen Becken ausweichen können, so müssen schon gewaltige Tumoren vorliegen, ehe hier durch Verdrängungserscheinungen des Zwerchfells, des Magens, des Herzens sich lebhaftere Beschwerden bei der Trägerin einstellen.

Der meist fehlende Schmerz bringt auch heute noch operationsscheue Frauen dahin, daß sie Geschwülste bis zu Mannskopfgröße, ja Geschwülste mit 80 Liter Inhalt anwachsen lassen, ehe sie sich zu einem operativen Eingriff entschließen. Gerade bei diesen riesigen Tumoren beobachten wir wahrscheinlich wohl infolge des Appetitmangels, infolge des mächtigen Eiweißverbrauchs zum Aufbau des Tumors auch bei gutartigen Tumoren den oben erwähnten kachektischen Habitus. Bei großen Geschwülsten im Abdomen entsteht mechanisch Druck auf die abführenden Venen und Lymphstränge der unteren Extremitäten; die Beine schwellen an, es tritt Anasarka der Schamlippen und der Haut der unteren Bauchgegend auf. Schließlich gehen bei gutartigen Tumoren die Individuen im Laufe vieler Jahre an Inanition und Herzschwäche zugrunde.

Im allgemeinen wachsen benigne Ovarialgeschwülste langsam: so können Jahre vergehen, bis ein Kystadenome pseudomucinosum aus dem kleinen Becken in das große heraufwächst; Dermoidcysten können jahrelang scheinbar im Wachstum stillstehen. Doch ist daran festzuhalten, daß ein völliger Stillstand im Wachstum oder gar eine Rückbildung bei allen proliferierenden Geschwülsten des Eierstocks nie beobachtet worden ist, und daß auch anatomisch gutartige Tumoren die Trägerin schließlich zugrunde richten. Das Ende wird sehr beschleunigt, wenn der Tumor von vornherein bösartigen Charakter hat, oder wenn ein zunächst gutartiges proliferierendes Kystadenom sekundär carcinomatös degeneriert. Leider sind wir, wie wir später sehen werden, nicht in der Lage, den malignen Charakter der Geschwulst früh genug zu erkennen, so daß sich aus dieser Tatsache allein schon die Folgerung ergibt, diagnostizierte Ovarialgeschwülste baldmöglichst operativ zu entfernen.

Stielverhältnisse der Eierstocksgeschwülste. Die klinischen Erscheinungen der Eierstocksgeschwülste sind von der Art ihrer Stielung wesentlich abhängig. Die Eierstocksgeschwülste können entweder gut gestielt oder intraligamentär entwickelt sein.

Entsprechend den anatomischen Verhältnissen besteht der Stiel der Eierstocksgeschwulst aus dem Mesovarium, dem Ligamentum Suspensorium ovarii und dem Ligamentum ovarii proprium; der Stiel kann entweder kurz oder bandartig ausgezogen sein; besonders bei den aus der kleinen in die große Beckenhöhle gewachsenen Tumoren ist der Stiel oft so lang, daß man die Eierstockstumoren bis in das Hypogastrium heraufdrängen kann. Man muß sich dies vergegenwärtigen, um nicht im gegebenen Falle einer Fehldiagnose zu verfallen. Je besser der Stiel entwickelt ist, um so leichter ist die operative Entfernung, um so günstiger ist bei malignen Geschwülsten die Prognose quoad Rezidiv. Bei der intraligamentären Entwicklung sind die Peritonealduplikaturen auseinander gedrängt, es wächst der Tumor zwischen den Blättern des Mesovarium, des Ligamentum latum, und gelangt so in das Beckenzellgewebe hinein. Als Folge der intraligamentären Entwickelung finden wir meist eine starke Dislokation und Kompression der Nachbarorgane; so ist der Uterus meist stark nach der Seite gedrängt und eleviert; die Tube zieht als ein langgezogenes Organ über die Kuppe der Geschwulst hinweg; die Blase ist eleviert, wodurch es zu Erschwerungen des Hamens, ja selbst zu den Erscheinungen der Ischuria paradoxa kommen kann. Während bei gutgestielten Tumoren der Ureter selbst bei Einkeilung der Geschwulst im Becken nur selten komprimiert ist, kommt es bei intraligamentärer Entwickelung des Tumors zu Hydrureter- und Hydronephrosenbildung. Manche Eierstocksgeschwülste haben mehr Neigung zu intraligamentärer Entwickelung, manche mehr zu freier Stielbildung; so sind die Pseudomucinkystome, die Fibrome, die Dermoidgeschwülste nur selten intraligamentär entwickelt, dagegen findet man intraligamentäre Entwickelung relativ häufig bei dem Kystadenome serosum papilläre.

Stieldrehung. Bei gutgestielten Tumoren kann es zu einer klinisch bedeutungsvollen Erscheinung kommen, der Stieldrehung. Beim Aufsteigen des Ovarialtumors aus dem kleinen in das große Becken findet meist schon eine gewisse Drehung im Geschwulststiel statt; der Tumor begibt sich aus dem hinteren Douglas nach vorn, vom Uterus nach der vorderen Bauchwand hin, wobei ein linksseitiger Ovarientumor seinen Stiel zu einer rechtsläufigen, ein rechtsseitiger zu einer linksläufigen Spirale nach Küstner dreht. Durch gewisse mechanische Bedingungen, deren Analyse uns meist unmöglich ist, kann die Drehung des Stiels eine so weitgehende sein, daß der Stiel 2-5mal um seine Achse rotiert ist; hierdurch werden die im Stiel verlaufenden Gefäße verschlossen, thrombosiert, und es kommt zu schweren Ernährungsstörungen in der Geschwulst, welche sich in Blutstauung mit hämorrhagischer Infiltration der Geschwulstwandung, bei soliden Tumoren in hämorrhagischer Infarzierung des Gewebes, bei cystischen Tumoren in starkem Blutaustritt in die Cyste ausspricht. Der perlmutterartige Glanz der Geschwulstoberfläche verwandelt sich in eine mehr dunkelschwarzbraune Färbung mit allen Nuancen bis ins Blutrote. Cystische Tumoren wachsen infolge des Blutaustritts plötzlich sehr stark. Am Geschwulststiel selbst ist eine deutliche Strangulationsnarbe bemerkbar, ja es kann vorkommen, daß der Stiel sich vollständig abschnürt, so daß der Tumor außer Ernährung gesetzt wird. Die Hoffnung, daß auf diese Weise vielleicht Eierstockstumoren resorbiert würden, trifft aber nicht zu, weil infolge der plastischen Eigenschaften des Peritoneums sich sofort Adhäsionen mit der Geschwulst bilden, mit sekundärer Gefäßversorgung von der Wand her.

Die klinischen Erscheinungen der Stieldrehung sind meist sehr stürmisch. Im Moment der Stieldrehung treten alle Erscheinungen der akuten Peritonitis auf. Das Abdomen wird auf Druck außerordentlich empfindlich, der Leib infolge der Darmparese aufgetrieben, Flatus und Stuhlgang sind verhalten, der Puls ist fadenförmig, ein stundenlang anhaltender Kollaps häufig. Tritt keine Verjauchung oder Vereiterung des Tumors ein. so gehen gewöhnlich die akuten peritonitischen Erscheinungen in wenigen Tagen wieder zurück, die Körpertemperatur ist einige Tage erhöht, wohl als Folge der Resorption von Toxinen, doch auch dies verschwindet wieder, und die Kranke kann sich in der Folgezeit zunächst wieder eines völligen Wohlbefindens erfreuen. Immerhin ist die Gefahr der Vereiterung eines mehr oder weniger außer Ernährung gesetzten Gewebes so groß, daß bei nachgewiesener Stieldrehung die sofortige Entfernung der Geschwulst indiziert ist.




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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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Rückblick
19. 5. 1813
Eröffnung der ersten Lupusheilstätte in Deutschland, das sog. Dietzhaus in Giessen. Der Freiluft-Sonnenbehandlung, die im Winter durch das Hallenlichtbad ersetzt wurde, verdankte die Lupusheilstätte ihren großen Zuzug aus dem In- und Ausland. So wurden von 1913 bis 1938 rund 7000 Patienten mit Hauttuberkulose erfolgreich behandelt.

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