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Neue Heilwissenschaft

Louis Kuhne, Leipzig 1896

 

Rheumatismus und Gicht, Ischias, Schiefwerden, Verkrüppelungen, kalte Hände und Füsse, heisser Kopf, deren Entstehung, Wesen und Heilung.
Von Louis Kuhne.

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Rheumatismus und Gicht, Ischias, Schiefwerden, Verkrüppelungen, kalte Hände und Füsse, heisser Kopf, deren Entstehung und Heilung.



Vortrag von Louis Kuhne.

Geehrte Anwesende!

Rheumatismus, auch Gliederreissen genannt, ist eine so weit verbreitete Krankheit, dass es gewiss interessiert, die Fortschritte kennen zu lernen, welche ich in der Behandlung dieser Krankheit gemacht habe. In früheren Zeiten wurden nur ältere Leute, und meist Männer, von Rheumatismus geplagt, heutzutage verschont er kein Alter und kein Geschlecht, und besonders leiden auch schon viele Kinder daran. Wir können mit gutem Gewissen behaupten, dass trotz der mannigfachsten Mittel, die man dagegen anwendet, die Verbreitung des Leidens doch zugenommen hat. Jeder Körperteil kann davon betroffen werden. Wer hat nicht schon selbst einmal erlebt, wie qualvoll die Schmerzen in Beinen, Armen, Schultern, Kopf oder Zähnen auftreten können. Der gefürchtetste unter allen ist aber wohl der Gelenkrheumatismus.

Mit der Ursache dieser Krankheit macht man es sich sehr leicht. Erkältung und immer wieder Erkältung soll die Schuld tragen, und man muss sich eigentlich wundern, dass der Erfindungsgeist unseres Jahrhunderts nicht danach gestrebt hat, ein Wetter fertig zu bringen, welches die üble Eigenschaft nicht hat, dass jung und alt sich dabei erkältet. Mit der Erkältung hat es aber seine eigene Bewandtnis. Schicken wir z. B. bei kaltem, nassem Wetter ein Regiment Soldaten in das Freie, die doch ausgesucht und — nach gewöhnlicher Ansicht — von etwa gleich guter Gesundheit und annähernd gleichem Alter sind, so wird bei ihrer Rückkehr die Wirkung und das Resultat doch ein verschiedenes sein. Einige werden über Husten und Schnupfen klagen, dieser oder jener vielleicht über Zahnreissen oder sonstige rheumatische Schmerzen, die meisten werden sich des besten Wohlbefindens erfreuen oder vielleicht gar ein kleineres Leiden, z. B. Kopfweh, losgeworden sein. Alles dies soll nun das Wetter hervorrufen, und die das behaupten, haben auch scheinbar recht; denn die Veränderung in dem Körper der Leute wurde ja, wie sie selbst fühlten, durch die Witterung hervorgebracht, nur haben sie die Ursache an falscher Stelle gesucht, und es hat wohl noch niemals einen grösseren Trugschluss und einen unheilvolleren Irrtum auf der Welt gegeben als den, dass dasselbe Wetter gleichzeitig den einen krank und den anderen gesund machen könne.

Durch eine Krankheitstheorie, die solche Widersprüche nicht lösen kann, ist aber auch der kranken Menschheit thatsächlich seit Jahrhunderten wenig geholfen worden, wohl aber haben sich gerade die rheumatischen Erkrankungen bedeutend ausgebreitet.

Oft sehen wir den Rheumatismus nur eine Seite des Körpers treffen, oder auch nur ein Bein, einen Arm, eine Schulter, und ich glaube, diese Erscheinung dürfte schon beweisen, dass das Wetter nicht die eigentliche Schuld hat, weil es nicht gut denkbar ist, dass dann der Rheumatismus nur in das eine Bein oder in den einen Arm gefahren sei, denn es waren ja beide Beine und beide Arme denselben Einflüssen ausgesetzt. Ebenso geschieht es oft, dass jemand mit dem rechten Arm einem zugigen Fenster am nächsten sitzt, und gerade am linken Arm Rheumatismus davon bekommt, der doch weiter entfernt und geschützter vor der Zugluft war, als der rechte. Wollen wir also den Rheumatismus mit besserem Erfolge bekämpfen, müssen wir es mit dem Forschen nach der Ursache genauer nehmen.

Wir wollen einmal sehen, was diese Krankheit mit anderen Leiden gemein hat. Beobachten wir einen rheumatisch Kranken genau, so finden wir, dass derselbe ebenfalls fiebert und dass die schmerzhaften Teile eine Entzündung und Anschwellung zeigen, auch die Verdauung gestört ist. Wir finden ferner, dass die Entzündung, namentlich bei Gelenkrheumatismus, immer an bestimmten Stellen auftritt. Mit den genannten Erscheinungen sind wir nun der Ursache schon etwas näher gekommen, wir müssen uns zunächst streng an die drei Erscheinungen: Fieber, Entzündung und Verdauungsstörung halten und nachforschen, wie sie Zustandekommen. Ich sagte, bei Gelenkrheumatismus treten die Schmerzen immer an bestimmten Stellen auf. Es ist sonderbar, noch nicht ein einzigesmal ist es in meiner ausgedehnten Praxis vorgekommen, dass bei Gelenkrheumatismus der Hauptschmerz sich auf einer anderen Stelle als vor dem Gelenke, von den entferntesten Körperteilen gerechnet, gezeigt hätte, z. B. unterhalb des Knies, nicht oberhalb. Das kann kein Zufall sein, das muss einen Grund haben. Wir wollen sehen, wie es zugeht.

Wer meinem letzten Vortrage gefolgt ist, wird sich erinnern, dass Krankheit nichts anderes ist, als das Vorhandensein von Fremdstoffen im Körper, welche durch ungenügende Verdauung in demselben bleiben und sich zunächst im Uhterleibe ablagern, dann aber durch weitere Gärung durch den ganzen Körper bis in seine entferntesten Teile getragen werden. Jeder Witterungswechsel, jede Erregung, jeder Ärger, jeder Stoss ist im stande, fremde Stoffe, wenn man solche in sich trägt, weiter zu bewegen und in Gärung zu versetzen. Unser ganzes Leben ist ja nur eine fortwährende Bewegung aller Stoffe. Sind nun hinreichend Krankheitsstoffe im Körper vorhanden, so ist derselbe bis zu seinen äussersten Punkten vollgeladen. Nicht immer führt dies zu den heftigen Heilbestrebungen, d. h. akuten Krankheiten, die wir im letzten Vortrage kennen lernten, bei Erwachsenen sogar selten. Ich erinnere Sie nur an die Thatsache, welche ich Ihnen in meinem zweiten Vortrag (Seite 26) erwähnte, dass nämlich gerade die Tropengegenden mehr der Sitz der akuten Fieberkrankheiten sind, während in unserer kühleren Erdzone mehr die chronischen Leiden vorherrschen. Die Ursache liegt hier in dem grösseren und geringeren Temperaturwechsel. Ähnlich ist es bei jüngeren und älteren Personen. Erstere werden leichter von akuten Fieberkrankheiten ergriffen als letztere, weil die Lebenskraft bei ihnen eine noch energischere ist als bei letzteren. Derselbe Temperaturwechsel, welcher bei ersteren schon genügte, um ein akutes Fieber heraufzubeschwören, reicht bei letzteren nicht mehr aus, um ihre Lebenskraft derartig anzufachen, dass es zu einem Heilbestreben des Körpers kommt.

Tritt nun durch raschen Temperaturwechsel Abkühlung ein, so fangen die Stoffe an, sich nach ihrem Ausgangspunkte zurückzubewegen. Wir wissen, Hitze dehnt alle Körper aus, Kälte zieht sie zusammen. Dieses allgemeine Naturgesetz findet auch am menschlichen Körper seine volle Bestätigung. Ganz deutlich beobachten wir an ihm vermehrte Ausdehnung in der Fieberhitze, und umgekehrt können wir die Zusammenziehung der Glieder bei Kälte an Schuhwerk und Handschuhen deutlich merken. Die Zusammenziehung der Gliedmaassen übt auf die in ihnen lagernden Fremdstoffe einen Druck aus, der sie in Bewegung bringt und sie veranlasst, sich nach ihrem Ausgangspunkt, dem Unterleib, zurückzubewegen. An den Gelenken tritt nun eine Anstauung der Fremdstoffe ein, der Weg ist hier nicht frei, weil die Gelenke der Fortbewegung dieser Stoffe ein Hindernis entgegenstellen. Die Stoffe rufen durch ihr Drängen gegen das Hindernis eine Entzündung hervor, und so entsteht der heftige Schmerz. Weil es ein Rückweg ist, den die Stoffe antreten, deshalb treten die Entzündung und die Schmerzen immer vor den Gelenken auf, also unterhalb des Knies, des Schultergelenkes u. s. w.

Kehren wir nochmals zu meinem Beispiel von den Soldaten zurück, so wird sich uns die Überzeugung aufdrängen dass die eigentliche Ursache der Erkrankung im Körper selber ruhen musste, die Witterung dagegen nur den Körper zu Heilbestrebungen veranlasste, d. h. seinen latenten, chronischen Krankheitszustand in einen akuten, hitzigen verwandelte. Die Krankheitserscheinungen treten daher nur in denjenigen Körpern oder auch nur Körperteilen auf, in welchen genügende Fremdstoffe vorhanden sind.

Will man einem rheumatisch Kranken zu Hilfe kommen, so ist es falsch, die kranken Stellen ausschliesslich lokal zu behandeln. Nur um die Schmerzen zu lindern, um die Stoffe dünnflüssig, die Wege für die Krankheitsstoffe transportfähiger zu machen, kann man ein lokales Dampfbad geben. Die Fremdstoffe müssen nach und nach sämtlich nach den natürlichen Ausscheidungsorganen geschafft und dort ausgeschieden werden.



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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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