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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

III. ABSCHNITT.
Die Krankheiten des Uterus.

Kapitel XII.
Endometritis, Metritis, Metropathia chronica, eigentümliche Formen und Folgezustände.
Von Otto Küstner.

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Atresie


Einem eigentümlichen Resultate von tiefgreifenden, entzündlichen Prozessen am Uterus begegnen wir in der Atresie.

Manche der angeborenen, unter Mißbildungen erwähnten Atresien sind mit größter Wahrscheinlichkeit ebenfalls auf entzündliche Prozesse während des Embryonallebens zurückzuführen. Diejenige Form der Atresie im Bereiche des Cervixkanales, welche wir als nicht allzu seltenen Involutionszustand kennen und welche dann zur Hydrometra senilis führt, entwickelt sich auch mit Vorliebe auf der Basis alter, in der Jugend überstandener Cervicitis.

Auch puerperale Prozesse können zu Atresien im Bereiche der Cervix führen: Druckgangrän, akquiriert während eines langwierigen Geburtsverlaufes, oder septische Entzündung mit Gangrän während des Wochenbettes. Die Druckgangrän führt vorwiegend häutig zur Fistelbildung oder zur narbigen Stenose der Vagina (vgl. Kap. VI), pyogener Wochenbettprozeß eher einmal zur Atresie der Cervix.

Beispiel:

Frau M.B., 26 Jahre alt, menstruiert seit ihrem 12. Lebensjahre, hat einmal geboren am 12. März 1889. Die Geburt dauerte 3 Tage lang, das Kind wurde schließlich mit Forceps tot extrahiert. Das Wochenbett sei fieberfrei gewesen, doch sei Pat. erst nach 4 Wochen aufgestanden.

Seit der Geburt hat sich die Menstruation noch nicht wieder eingestellt. Jedoch empfindet Pat. außer einem permanenten Schmerz in der linken Seite heftige, krampfartige Schmerzen im Unterleibe, welche seit einiger Zeit alle 4 Wochen wiederkehren und etwa 3 Tage lang anhalten.

Uterus nicht vergrößert, normal gelagert, druckempfindlich. Portio vaginalis breiter Zapfen, an Stelle des Orificium externum findet sich nur eine seichte Delle, Cervix, selbst für eine Haarsonde nicht zu betreten.

27.Sept. 1889. Eröffnung des verwachsenen unteren Cervixabschnittes mit dem Messer; die Dicke der Verwachsung mochte etwa 1cm betragen. Abfließen von

30-35 ccm eingedickten, teerartigen, träge fließenden Blutes. Bestreichen der Wunde mit dem Paquelin. 7.Okt. Pat. mit weitklaffender Cervix entlassen.
Wiederholt beobachtete ich (zum Teil mitgeteilt von v. CHRZANOWSKI) partielle Obliteration des Cavums bei submukösen Myomen. Der Druck der Geschwulst hatte Schwund nicht nur des Oberflächenepithels, sondern der ganzen Schleimhaut an gegenüberliegenden Wandpartien und deren Verlötung erzeugt (cf. Fig.179). In einem Falle (Verf.) war ein mannskopf großes submuköses Myom des Cavums mit der enorm ausgedehnten Cervix, und zwar in ganzer Ausdehnung verwachsen und hatte Stauungshaematometra veranlaßt. Totalexstirpation vom Abdomen aus. Heilung (Vgl. Fig.99.)


Fig.179. Vollständiger Schwund der Schleimhaut des Uterus durch Druck eines intramuralen Myoms bedingt.
a b stellt einen Teil des der einstigen Ilteruscavums dar. Im Bereiche dieser Linie fehlt die Schleimhaut völlig, und sind die gegenüberliegenden Wände, welche bis auf die Muskulatur entblößt sind, miteinander lose verwachsen. Die sichtbaren Oeffnungen sind Gefäßlumina. Frau O., 49 Jahre alt, hat 4mal geboren, seit 8 Jahren sehr starke Menstruationsblu­tungen. Großes, bis über den Nabel reichendes Myom. 28. Nov. 1894 abdominale Totalexstirpation. Heilung. (Zeitschrift f. Geb.u.Gyn., Bd.33.)

Tiefgreifende Anätzungen mit starken chemischen Agentien können Cervix und Corpushöhle zum Verlöten bringen. Die Chlorzinktherapie der Endometritis konnte sich besonders oft dieses problematischen Resultates rühmen.

Auch nach Ausschabungen sind partielle (VEIT, ich) und totale (FRITSCH) Obliterationen des Uterus beobachtet worden. Immer handelte es sich um puerperale Uteri. Fraglich bleibt, ob in diesen Fällen die Ausschabung allein oder vielleicht das nachher angewandte Aetzmittel die Hauptschuld traf.

Ebenso hat die Vaporisation häufig die Obliteration des Uteruscavums zur Folge. Gelegentlich ist das Zweck und Ziel des Verfahrens besonders bei sonst nicht zu bekämpfenden Uterusblutungen. Gelang es, die ganze Uterushöhle zum Verlöten zu bringen, so konnte das als Vollerfolg gelten. Erstreckte sich aber die Obliteration nur auf einen Teil der Uterushöhle, und secernierte und blutete dahinter die Uterusschleimhaut weiter, so erwuchsen schwere Störungen.

Das prägnanteste Symptom, mit welchem alle diese Atresien in Erscheinung treten, besteht in der Retention der Uterussekrete, falls die Frau noch menstruiert, des Menstrualblutes. Betrifft die Atresie zugleich einen größeren Teil der Vagina, so kommen konjugale Unbequemlichkeiten dazu.

Die Therapie ist die gleiche wie bei kongenitalen Verschlüssen. Eine kurze Strecke Unwegsamkeit ist präparatorisch leicht wieder wegsam zu machen und durch Verschorfung oder durch zweckmäßige Näherung der Epithelgrenzen vermittelst Naht wegsam zu erhalten. In anderen Fällen waren kompliziertere plastische Operationen (Verf.) nötig. (Vgl. Kap.VI.)

So konnte ich bei einer Cervixobliteration der Kommunikation des operativ eröffneten Uteruscavums mit der Scheide nur durch Anlegung einer Art Uterusscheidenfistel Garantie auf Bestand verschaffen.

Hieran sei die Erwähnung angeschlossen, daß es bei intrauteriner Inangriffnahme entzündlicher Prozesse gelegentlich zur Perforation des Uterus gekommen ist, seltener mit der Sonde, häufiger mit der Curette. Manchmal mag Unachtsamkeit vorgelegen haben, manchmal handelte es sich um höchstgradige Mazereszenz, Wandverdünnung des Organs, oder um Corpuscarcinom. Mitunter trat der Tod an Verblutung ein, in anderen Fällen rettete die sofort vorgenommene Totalexstirpation, in anderen wieder erfolgte ohne sonderlichen Zwischenfall Heilung.

Ich beobachtete zwei Fälle, in welchen anderer Hand die Perforation des Uterus mit der Curette passiert und zugleich ein Stückchen Netz in den Uterus hineingezogen war; dieses fand ich dann mit dem Uterusinneren verwachsen. Die Totalexstirpation beseitigte die andauernden Blutungen und Schmerzen.

Einigemale war durch die perforierende Curette zugleich Darm verletzt worden (ORTHMANN, ich). In einem von mir beobachteten Falle war durch die Curette Dünndarm vom Mesenterium abgerissen und in die Scheide gezogen worden. Mutmaßlich lag krimineller Abort vor. Die Laparotomie und Darmresektion konnte den funesten Ausgang der bereits bestehenden septischen Peritonitis nicht mehr aufhalten.

Für die Vermeidung der instmmentellen Uterusperforation sei zu beherzigen, daß man mit weicher, d.h. mit sorgfältig tastender Hand auch so unbedeutende Eingriffe wie Sondierung und Curettement vornehme, daß man die Ausschabung nie eher mache, ehe man sich nicht mit der mit Maßstab versehenen Sonde eine präzise Vorstellung von der Länge des Uteruscavums gebildet hat, daß man seine Curetten mit Maßeinteilung versehe und daß man sie nicht vor genügender Erweiterung des Uterus und nicht über das gekannte Maß der Uteruslänge gewaltsam in das Cavum hineindrücke.

Ist das Unglück geschehen, so hängt das Weitere von der Stärke der Blutung ab. Ist sie nicht stark, Bettruhe, Eisblase; dann heilt die kleine Wunde ohne Zwischenfall, ausreichende Aseptik vorausgesetzt. Ist die Blutung stark - Eröffnung des Abdomens, am besten vom vorderen Scheidengewölbe aus (vordere Kolpocöliotomie) und Naht der meist sehr kleinen Wunde oder, besonders wenn der Verdacht auf Corpuscarcinom durch die Ausschabung weitere Stützen erfahren hat, Totalexstirpation.




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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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