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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

III. ABSCHNITT.
Die Krankheiten des Uterus.

Kapitel XII.
Endometritis, Metritis, Metropathia chronica, eigentümliche Formen und Folgezustände.
Von Otto Küstner.

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Uterusatrophie


Unter Atrophie des Uterus verstehen wir Ernährungsstörungen, deren Folge eine Verkleinerung des Organs ist. Man kann konzentrische und exzentrische Atrophie unterscheiden, bei der letzteren ist die Höhle des Organs nicht verjüngt, nur die Wandungen sind dünner als normal (Uterus membranaceus). Bei der konzentrischen Form kann die Höhlenlänge von der Norm von 7-8 cm auf die Hälfte sinken.

Unzweckmäßigerweise wird der Ausdruck Atrophie für diejenige Form der Kleinheit des Uterus gebraucht, welche ein Stehenbleiben des Organs auf fötaler oder infantiler Entwicklungsstufe bedeutet. Das nennt man besser Hypoplasie. Doch mehren sich die Erfahrungen zugunsten der Ansicht, daß nicht selten Krankheiten, besonders die akuten Infektionskrankheiten (Scharlach, Masern, Pocken, Diphtherie etc.). Zustände an den Genitalien hinterlassen, welche man früher bedingungslos als Stehenbleiben auf niederen Entwickelungsstufen auffaßte. Sie sind dann als Folge der bei diesen Erkrankungen vorkommenden Entzündungen der Genitalien anzusprechen. Mitunter sind diese Zustände gepaart mit Atresie des Uterus und der Vagina.

Außerdem kennen wir normale und pathologische Formen der Atrophie.

Normal ist die senile und Laktationsatrophie. Die senile Atrophie (cf. Kap.II) kann gelegentlich vorzeitig schon in den 30er Jahren auftreten.

Die Laktationsatrophie ist physiologisch bei jeder stillenden Frau. Meist beschränkt sie sich nur auf das Corpus uteri, meist ist sie exzentrisch, es handelt sich um mehr oder weniger hochgradige Wandverdünnung. Seit wir durch SAENGER wissen, daß die physiologische Rückbildung des Uterus im Wochenbett nicht durch Zerfall und Neuersatz der Muskulatur, sondern im wesentlichen nur durch Verkleinerung der einzelnen Muskelfasern zustande kommt, dürfen wir auch in der Laktationsatrophie nur einen analogen Prozeß erblicken. Mit dem Aufhören der Laktation gewinnt der Uterus ohne therapeutische Intervention seine normalen Größenverhältnisse wieder.


Fig.180. Pyometra senilis der 60-jährigen Frau A.P., welche seit 3 Monaten an penetrant stinkendem Ausfluß leidet. Totalexstirpation von der Scheide aus 24.April 1896. Heilung. Ballonartig aufgetriebenes Corpus; obere Cervixpartie vor der Operation selbst für dünnste Sonde nur unter Anwendung von etwas Kraft durchgängig (KÜSTNER-NEISSERs Stereoskop. Atlas.)

Nur wenn die Laktation übermäßig lange fortgesetzt wurde, wenn dabei die allgemeine Ernährung des Körpers litt, überdauert die Laktationsatrophie die sekretorische Periode der Mammae und kann dann einen persistenten pathologischen Zustand bedeuten. Am häufigsten ist das bei ohnehin elenden, an konsumierenden Krankheiten leidenden Frauen, besonders bei Phthisischen, der Fall. Der allzulangen Fortsetzung des Stillgeschäftes, im allgemeinen über 9 Monate hinaus, ist zu widerraten. Auch soll es in allen Fällen aufgegeben werden, wo die Laktationsatrophie sich auf Cervix und Ovarien miterstreckt (THORN, FRÄNKEL).

Pathologischer Atrophie begegnen wir bei allgemeinen schweren Ernährungsstörungen, auch ohne daß Laktation dieselben einleitete, also bei Phthise, chronischer Nephritis, Diabetes; vereinzelt ist sie bei Gelenkrheumatismus, Rückenmarkserkrankungen, Morphinismus, Cachexia strumipriva, ja auch nach heftigen psychischen Erregungen beobachtet worden.

Eine zweite Form pathologischer Atrophie kommt nach schweren entzündlichen Erkrankungen des Uterus, besonders im Wochenbette, zustande. Hierbei handelt es sich um wirklichen Gewebsdefekt. Größere Abschnitte des Uterus sind durch den septischen Prozeß nekrotisch verloren gegangen. Der den Uterus konstituierenden Muskelzellen sind weniger geworden.

Die dritte Form pathologischer Atrophie ist diejenige, welche nach Verlust der Ovarien eintritt. Diese Form stellt den konstanten Heileffekt der Kastration dar, ist Erfolg und Zweck der Operation (antizipierte Klimax).

Von den Symptomen ist die Amenorrhoe fast konstant. Die Klage über dieselbe involviert erst die gynäkologische Untersuchung; die bimanuelle Untersuchung läßt den kleinen, dünnen, äußerst flexiblen Uterus erkennen; die Sondenmessung, welche wegen der gesteigerten Verletzbarkeit mit besonderer Vorsicht vorgenommen werden muß. konstatiert, ob es sich um konzentrische oder exzentrische Atrophie handelt.

Die Amenorrhoe läßt auf Ausfall der Ovarienfunktion schließen. Wenn nun auch die Ovarien im Puerperium eine nachweisbare Veränderung nicht erfahren (THOMSON), so ruht während desselben doch meist die Ovulation. Trotzdem kann man bei hochgradiger Laktationsatrophie des Uterus die Keimdrüsen normal groß tasten. Dagegen verjüngen sich die Maßverhältnisse derselben bei der Altersatrophie und den durch konsumierende Krankheiten erzeugten Formen erheblich. Hatte schwere septische Entzündung der inneren Genitalien die Uterusatrophie zur Folge, so liegt die Annahme nahe; daß durch sie auch das corticale Ovarialgewebe schwere bleibende Veränderungen erlitt und so Funktionstod der Keimdrüsen bedingt war.

Die Behandlung ist noch am dankbarsten bei den durch lange fortgesetzte Laktation erzeugten Atrophien. Diätetische Kuren, zweckmäßige Ernährung verbunden mit zweckmäßiger körperlicher Bewegung, Aufenthalt in Höhenklima oder an der See bei Vermeidung jeder eingreifenden lokalen Behandlung sind nützlich.

Eine Atrophie der Genitalien nach lokalen eiterigen Prozessen eröffnet durchschnittlich schlechte Aussichten. Hier sind örtliche Sol-und Moorbadekuren, verbunden mit Massage und mit Kuren, welche den Organismus als Ganzes kräftigen, am Platze und nicht ganz aussichtslos. Auch die örtliche Anwendung des galvanischen Stromes (Kathode intrauterin) ist zweckmäßig.

Gegen die allgemeinen Symptome kann man Erfolg von Ovarin, Lutein, bei Cachexia strumipriva von Thyreoidin sehen.

Bei den Formen von Atrophie, welche Folge von konsumierenden Erkrankungen sind, hat sich das Hauptaugenmerk auf diese zu richten.

Wenn eingangs des vorigen Kapitels gesagt wurde, daß wir nach DÖDERLEINs Vorgang bei der heutigen Auffassung der entzündlichen Prozesse Endometritis von Metritis nicht mehr trennen können, so bedarf es nur noch über unsere Stellungnahme zu dem althergebrachten Begriffe Metritis eines kurzen kritischen Wortes.

Am reinsten treffen wir wohl den Zustand der akuten Entzündung des Uterus mit ihren klassischen Kardinalsymptomen kurz vor Eintritt der Menstruation an: stärkere blutige Kongestion, Rubor, Tumor, mit gesteigerter Wärmeproduktion und auch mit etwas Dolor, welcher allerdings, um noch für normal gelten zu können, einen hohen Grad nicht erreichen, ein gewisses Schweregefühl im Becken nicht übersteigen darf. Das ist also eine physiologische Entzündung. Dieser Zustand kann durch ungünstige Einflüsse seinen passageren Charakter verlieren; eine stärkere Abkühlung des Körpers, des Abdomens, der Füße kurz vor oder zur Zeit der Regel, eine heiße oder kalte Ausspülung der Vagina um diese Zeit können zur Unterbrechung der Menses (Suppressio mensium) und zum Fortbestehen der prämenstruellen Kongestion führen.




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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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14. 11. 1891
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