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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

VI. ABSCHNITT.
Mikrobiotische Erkrankungen des weiblichen Urogenitaltraktes.

Kapitel XXIV.
Tuberkulose der weiblichen Geschlechtsorgane und des Bauchfells.
Von Alfons v. Rosthorn.

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Häufigkeit der Genitaltuberkulose


Was die Häufigkeit des Vorkommens der Genitaltuberkulose betrifft, so liegt eine ganz beträchtliche Zahl statistischer Zusammenstellungen auch aus der deutschen Literatur vor, welche einerseits im allgemeinen die Häufigkeit des Vorkommens bei Mann und Weib gegenüberstellen, ferner die einzelnen Abschnitte des Genitaltraktes nach der Häufigkeit des ßetroffenseins ordnen, endlich die Frage des Verhältnisses von primärer zu sekundärer Genitaltuberkulose klarzustellen anstreben.

a) Verhältnis bei Mann und Weib:

Die Zahlen für die Häufigkeit der Urogenitaltuberkulose bei an Phthise zu Grunde gegangenen männlichen Individuen schwanken bei großen Reihen zwischen 2 und 3 Proz. (Reclus, Sommelier). Während nach der Mehrzahl der älteren Autoren, (besonders v. Winckel) die Häufigkeit der Genitaltuberkulose bei Autopsien von Phthisikerinnen 1 Proz. beträgt und z.B. Schramm bei 3366 Autopsien nur 34 Fälle von Urogenitaltuberkulose fand, steigt diese Prozentzahl bei den Autoren der neueren Zeit um ein ganz Beträchtliches. Indes Williams die Zahl auf Grund genauerer Untersuchungen auf 8,5 Proz. erhöht wissen will, berechnet STOLPES auf Grund von 34 Autopsien tuberkulöser Individuen dieselbe mit 20,5 Proz., Turner mit 18 Proz., Posner sogar mit 30 Proz. Die bei den operativen Eingriffen gemachten Erfahrungen stimmen insofern mit dem Gesagten überein, als die Frequenzzahlen hier auch schwankend erscheinen (1,5-4 Proz.) und in letzterer Zeit auch erhöht wurden (bei Williams auf 7,7 Proz.).

Zwischen den tuberkulösen Affektionen der Genitalien beim Manne und Weibe erscheint insofern eine besondere Differenz gegeben, als die isolierte Genitaltuberkulose beim Weibe, die kombinierte Urogenitaltuberkulose hingegen beim Manne vorwiegt. So berechnet Oppenheim die Häufigkeit des Vorkommens der ersteren beim Manne mit 13,5 Proz., beim Weibe mit 69,5 Proz., der letzteren beim Manne mit 59,5 Proz., beim Weibe mit 21,7 Proz. Die Sektionsergebnisse Klienenbergers lassen einen Zusammenhang der pathologischen Veränderungen im uropoetischen und Genitalsystem besonders bei Kindern ausschließen. Der Ausdruck „Urogenitaltuberkulose" ist für das Weib besser ganz zu streichen und die Erkrankung beider Organsysteme als selbständige anzusehen (Amann). Die Tuberkulose der Harnwege entsteht in solchen Fällen wie auch jene der Geschlechtsorgane fast regelmäßig auf dem Wege der Blutbahn, ist also auch zumeist sekundär. Sie tritt häufig im Endstadium bei Lungentuberkulose auf (Posner, Senator). Ein Aszendieren des Prozesses von der Harnröhre aus ist im höchsten Grade unwahrscheinlich. Die Fortleitung geschieht fast immer von der zuerst erkrankten Niere aus (Ziegler). Eine Ansteckung der Vulva durch den abfließenden Harn wird heute nicht mehr so sicher angenommen.
b) Nach der Häufigkeit des Sitzes im Genitale selbst prävalieren weitaus die Eileiter, welche fast immer beide gleichzeitig erkranken. Wir begegnen einer bei den meisten Untersuchern übereinstimmenden Häufigkeitsskala der betroffenen Abschnitte.
In einer Reihe der beschriebenen Fälle waren alle Abschnitte des Genitalapparates gleichzeitig ergriffen (Scanzoni, Geil, Frerichs, Gusserow, Haidenthaler, Kretz, Mackenrodt, Voigt u. a.). In einzelnen Fällen (Heiberg, Kretz, Lehnerdt, Thompson) hatten sich die tuberkulösen Veränderungen in gleicher Ausdehnung bei gleichzeitig bestehender Gynatresie entwickelt.

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c) In bezug auf das Verhältnis von sog. primärer und sekundärer Genitaltuberkulose gewinnt man durch die Statistik den Eindruck, daß mit dem Steigen der Zahl der beobachteten Fälle die primäre Tuberkulose immer mehr in den Vordergrund trete. So berechnet Frerichs die Prozentzahl der primären Tuberkulose bei 15 Fällen mit 6 Proz., Mosler bei 46 Fällen mit 19.5 Proz., Späth bei 119 Fällen mit 24,5 Proz. Heiberg, welcher 84 Fälle obduzierte, von welchen 35 auf weibliche Individuen entfielen, fand bei diesen 29mal primäre und 55mal sekundäre Tuberkulose. Von den primären Erkrankungen betrafen 16 Männerr 13 Weiber und von letzteren hatten 5 isolierte, 5 kombinierte Urogenitaltuberkulose und 3 isolierte Harnblasentuberkulose. Orthmann berechnet bei 155 Fällen die Prozentzahl primärer Tuberkulose mit 18 Proz.

Wie bereits oben ausgeführt wurde, können diese Verhältniszahlen nicht mehr als den Tatsachen entsprechend angesehen werden (Amann). Es wären zunächst alle jene Fälle auszuschalten, bei denen die Diagnose nur an der Lebenden gestellt wurde, ferner jene, bei welchen ein sorgfältiger Obduktionsbericht fehlt. Die Erfahrungen der letzten Zeit (besonders Nägelis) lehren, daß nur zu leicht auch hierbei alte tuberkulöse Herde übersehen werden können. Danach sind selbst die Ergebnisse der Autopsien mit Vorsicht aufzunehmen.

Nicht stimmen die obigen Verhältniszahlen für das Kinde salter, indem trotz der Häufigkeit der tuberkulösen Affektionen anderer Organe und der hohen Sterblichkeit im Kindesalter das Genitale verhältnismäßig selten ergriffen zu sein pflegt, und zwar sind, wenn das letztere erkrankt ist, meist Vagina und Vulva betroffen. Eine analoge Seltenheit ist auch für das hohe Alter gegeben. Immerhin ist die Genitaltuberkulose in den frühesten Stadien (10 Wochen, Brouardel) und im höchsten Alter (83 Jahre, v. Krzywicki) zur Beobachtung gekommen.

Im allgemeinen ist die Peritonealtuberkulose keine seltene Affektion (PHILIPPS-Göttingen bei 2236 Sektionen 4 Proz., MÜNSTERMANN-München bei 2837 1,6 Proz., Murphy bei 13 422 284 Fälle). Ueber den Ausgangspunkt gibt Ebstein eine übersichtliche Tabelle; hierbei entfallen auf eine autochthone, primäre Peritonealtuberkulose nur 4,3 Proz. (Borschke unter 226 Fällen nur 2); in 81,8 Proz. ist diese Affektion kombiniert mit Lungentuberkulose. Nach den Erfahrungen der Chirurgen, welche sich allerdings hauptsächlich auf Beobachtungen an weiblichen Individuen aufbauen, spielt die Genitaltuberkulose als ätiologischer Faktor die Hauptrolle (Döderlein, Sippels beweisender Fall). Auch die genannten Zahlen können übrigens als den heutigen Erfahrungen entsprechende nicht mehr hingestellt werden. Das Ueberwiegen des männlichen oder weiblichen Geschlechtes stellt sich statistisch sehr verschieden, indem die Chirurgen die Zahlen 36:350, die pathologischen Anatomen 122: 31 einander gegenüberstellen, was sich wohl daraus erklärt, daß eben die kranken Frauen hauptsächlich chirurgische Hilfe aufsuchen. Am häufigsten worden Kinder und jugendliche Individuen befallen (4.-7. und 13.-15. Jahr). Das Frequenzverhältnis der Peritonealtuberkulose bei an Tuberkulose verstorbenen Kindern berechnet Faludi auf Grund seiner Sektionsergebnisse mit 20 Proz.





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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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14. 4. 1917
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