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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

VI. ABSCHNITT.
Mikrobiotische Erkrankungen des weiblichen Urogenitaltraktes.

Kapitel XXIV.
Tuberkulose der weiblichen Geschlechtsorgane und des Bauchfells.
Von Alfons v. Rosthorn.

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Pathologische Anatomie: I. Tube.


Fast in jedem Falle von weiblicher Genitaltuberkulose sind die Eileiter erkrankt, in 16 Proz. der Fälle überhaupt allein affiziert. (Unter 172 genauer untersuchten Fällen 157mal, Merletti.) Es scheint danach die Tubenwand einen ganz besonders günstigen Boden für die Ansiedlung der Tuberkelbacillen darzubieten, und es besteht damit eine Analogie für das Verhalten der Tuben anderen Infektionserregern gegenüber. Die gewundene Form, die günstigen Verhältnisse für Sekretstauung und die Neigung zur Verklebung des Fimbrienendes sowie vielleicht auch die Art der Blutversorgung werden als prädisponierende Momente angegeben.

Bei strenger Kritik gelangt man heute immer mehr zu der Anschauung, welche seinerzeit von Klebs, Scanzoni vertreten wurde, daß die Eileiter nie oder höchst selten die einzig oder zuerst von der Tuberkulose befallenen Organe des Körpers sind. Auch die von Orthmann aus der Literatur zusammengestellten Fälle können nach unseren heutigen Kenntnissen nicht mehr als vollkommen einwandfrei hingestellt werden, wie dies eingangs erwähnt wurde. Bei sorgfältiger Durchsicht aller entzündlich veränderten Eileiter vermehrt sich die Zahl der tuberkulös affizierten. Fast regelmäßig sind beide Tuben erkrankt (unter 33 Fällen 29mal). Auf Grund der anatomischen Veränderungen werden verschiedene Formen unterschieden; so trennt Williams a) miliare, b) chronisch-diffuse, c) chronisch-fibroide Tuberkulose. Kleinhans, Martin und Werth empfehlen folgende Einteilung.


Fig.291. Endo - Mesosalpingitis tuberculosa. (Eig. Präp.) Vorwiegend Schleimhauterkrankung. Miliare und Konglomerattuberkel, letztere z. T. mit beginnender Verkäsung. Wenig Riesenzellen. Uebersichtsbild eines Querschnittes durch den medialen Teil der Tubenampulle. Vergr. 9: 1. 23-jähriges Mädchen. Keine erbliche Belastung. Vor 16 Jahren angeblich Lungenentzündung. Seit l,5 Jahren Dysmenorrhoe, Menorrhagien. Hysterische Erscheinungen. Lungen ohne positiven Befund. Retroflexio Uteri mobilis. Adnextumoren. Salpingectomia duplex abdominalis (Pyosalpinx duplex). Resectio ovarii dextr. (keine Tbc).

  1. akute Form: hauptsächlich Rundzelleninfiltration, keine oder spärliche Riesenzellen, rasche Nekrose der Schleimhaut, reichlich Bacillen;
  2. chronische Tuberkulose: Schleimhaut lange erhalten, mächtige Schwellung und Vegetation der Falten, typische Tuberkel, viele Riesenzellen, wenig oder keine Bacillen. Die Muskulatur hypertrophisch, die Lichtung angefüllt mit käsigen Massen.



Fig.292 (vgl. a in Fig. 291). Typischer Epithelioidtuberkel des Schleimhautstromas mit Riesenzelle. Vergr. 200: 1.


Fig.293 (vgl. b in Fig. 291). Rundzellentuberkel mit vereinzelten Epithelioidzellen und großer tuberkulöser Riesenzelle mit stark gefärbten Keinen. Rechts von letzterer allem Anschein nach beginnende Riesenzellenbildung aus abgeschnürtem, in die Muskelwand eingewuchertem Schleimhautepithel. Vergr. 200:1.

Keine dieser Einteilungen hält streng an einem Einteilungsprinzipe fest; auch entsprechen dieselben unseren heutigen Vorstellungen und Kenntnissen nicht mehr ganz. Wir gruppieren besser:
  1. nach dem histologischen Bilde:
    1. miliare - Anfangsstadium;
    2. Konglomerattuberkulose - fortgeschrittenes Stadium. (Eiterung, Verkäsung, sehr selten fibröse Form.)
  2. nach dem Verlaufe:
    1. akute;
    2. chronische; da die Tuberkulose eine zu Anfang exquisit chronische Erkrankung darstellt, - eine Tatsache, an der auch die akuten Stadien nichts ändern - so ist bei dieser Gelegenheit auch gegen die noch vielfach übliche Einteilung der Entzündung (z.B. auch des Endometriums) in akute mikroparasitäre und chronische nicht mikroparasitäre Stellung zu nehmen.



Fig.294. Endo-Meso-Perisalpingitis purulenta caseosa. Perioophoritis tuberculosa. (Eig.Präp.) Längsschnitt durch den rechtsseitigen Adnextumor. Uebersichtsbild. Vergr. 10:3. 32-jährige Frau. Lokale Schmerzen. Dysmenorrhoe. Allmähliche Leibeszunahme. Uterus in Retroflexion fixiert. Bilaterale Adnextumoren. Abdominale Radikaloperation: Ascites. Disseminierte Peritonealtuberkulose. Hochgradige Verwachsung der Beckenorgane miteinander.

Will man die genaue Lokalisation der tuberkulösen Affektion in der Eileiterwand bezeichnen, so unterscheidet man a) Endosalpingitis, b) parenchymatöse Salpingitis, Mesosalpingitis, c) Perisalpingitis. Hierbei versteht man analog den Verhältnissen bei Affektionen entzündlicher bezw. infektiöser Art anderer Aetiologie unter Endosalpingitis die Beschränkung des Krankheitsprozesses auf die Schleimhaut, unter parenchymatöser oder interstitieller Salpingitis das Ergriffensein der bindegewebig muskulären Wandschicht, unter Perisalpingitis die Beteiligung des serösen Ueberzuges der Tube. Die tuberkulösen Veränderungen der Schleimhaut und des Bauchfellüberzuges stellen das Hauptkontingent. Letztere sind dann zumeist Teilerscheinung einer allgemeinen Peritonitis tuberculosa.


Fig.295. Die Stelle a (in Fig. 294) 75mal vergrößert. Eiterig infiltrierte und verkäste Schleimhautpartien mit Kiesenzellen, umgeben von erhaltenen mit abgeschnürten Epithelschläuchen.

Die von Williams beschriebene fibröse Form ist wohl nur als eine in Ausheilung begriffene anzusehen, wie überhaupt die einzelnen Formen nur als verschiedene Stadien desselben Prozesses oder als die Folgen der Infektion mit verschiedenen Stämmen des Bacillus hingestellt werden können.

In den Anfangsstadien der Tuberkulose findet sich nur eine katarrhalische Schwellung und die Veränderung soll, je nachdem es sich um einen aszendierenden oder deszendierenden Prozeß handelt, mehr am uterinen oder abdominalen Ende der Tube ausgeprägt sein; die schweren Formen bieten das Bild einer mächtig entwickelten Pyosalpinx; dieselbe kann Kindskopfgröße erreichen (Aran, Werth) und 2 Liter Eiter enthalten (Stehmann). Menge konnte bei 70 Fällen von Pyosalpinx 7mal (10 Proz.) Tuberkulose nachweisen. Im Zwischenstadium liegen zuweilen auch bereits anatomische Veränderungen vor, welche die Tuberkulose erkennen lassen. Aber weder die Rosenkranzform, noch die isthmischen Auftreibungen (Hegar), noch die Torpedogestalt (Werth) sind in irgendeiner Weise sicher für die Diagnose zu verwerten. Vielmehr zeigt die tuberkulös erkrankte Tube alle die verschiedenen Formen, welchen man bei entzündlichen Prozessen an diesem Organe zu begegnen pflegt.


Fig.296. Typus der tuberkulösen Tube (nach Kleinhans in J.Veits Handbuch der Gynäkologie). Sekundäre Infektion, tuberkulöser Ascites, Lungentuberkulose. Der Eileiter stark geschlängelt, die Serosa mit tuberkulösen Knötchen übersät, die Fimbrien geschwollen, die Wandung verdickt. (Präparat der Prager Klinik.) Siehe auch Fig. 291.


Was die knotigen Auftreibungen am isthmischen Abschnitte, an der Pars keratina der Tuben betrifft, welche in letzter Zeit das allgemeine Interesse erregt haben, so dürften hier verschiedene Dinge miteinander vermengt und deren Beziehungen zur Aetiologie der Prozesse (Gonorrhoe, Tuberkulose) falsch gedeutet worden sein. Wenn auch des öfteren die knotigen Auftreibungen bei dieser sogenannten Salpingitis isthmica nodosa (Chiari, Schauta) dem histologischen Bilde gemäß auf eingestreute Tuberkel zurückgeführt werden mußten (Alterthum, Stolper, Kundrat, Kehrer jun. Polano u. a.), so darf heute an der Konstanz dieser Veränderung als einer für Tuberkulose allein charakteristischen nicht mehr festgehalten werden. Aehnlichen Auftreibungen begegnet man auch bei den dem sog. Adenomyom entsprechenden Veränderungen dieses Tubenabschnittes. Allerdings wurde auch das nicht so seltene gleichzeitige Vorkommen beider Affektionen betont (von v. Franque, Wolff u. a.).

Wie bei allen intensiveren entzündlichen Affektionen ist die Lage der geschwellten Eileiter derart, daß dieselben nach hinten und unten geschlagen und im Douglas fixiert sind. Meist bestehen ausgebreitete Verwachsungen mit der Nachbarschaft. Auffallend ist, daß die retro-peritonealen Lymphdrüsen in diesen Fällen verhältnismäßig selten befallen erscheinen (Hegar, v. Rosthorn, v. Franque).

Vortreffliche Abbildungen der verschiedensten Formen von Tubentuberkulose finden sich in den speziellen Arbeiten von Martin, Kleinhans und in den Atlanten von Cullingworth und Sellheim.



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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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