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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

III. ABSCHNITT.
Die Krankheiten des Uterus.

Kapitel VII.
Normale und pathologische Lagen und Bewegungen des Uterus.
Von Otto Küstner.

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Drehung


Verhältnismäßig selten sind höhergradige Torsionen des Uterus um 180o und mehr beobachtet worden. Einer so bedeutenden Drehung des Corpus kann naturgemäß die Cervix, als der geweblich am meisten fixierte Teil des Uterus, nur zum Teil folgen, sie wird zu einer Spirale gedreht; dem Uterus ist, wörtlich genommen, der Hals umgedreht.

Diese Drehungen des Uterus nenne ich im Gegensatz zu den Torsionen, bei welchen die, und zwar geringergradige Drehung des Organs in toto erfolgt, Achsendrehungen, eine Bezeichnung, welche von SCHULTZE u. a. akzeptiert worden ist. Für besser würde ich halten, für das, was wir hier Torsion nennen, den Ausdruck Rotation zu wählen und den Ausdruck Torsion für die Achsendrehungen zu reservieren.


Fig. 104. Achsendrehung des Uterus um 180° durch einen Ovarialtumor bedingt, halb schematisch dar­gestellt. Sie wurde bei Gelegenheit der Laparotomie erkannt, war in demselben Sinne erfolgt, wie die Torsion des Ovarialtumorstieles. Die Torsionsspirale ist ersichtlich, die rechten Adnexe stehen links, das rechte Ovarium vor der Tube, das linke Lig. rot. läuft vor dem Uterus, das rechte hinter ihm. Die Rückdrehung erfolgte so, daß das rechte Ovarium hinten herum an seine normale Stelle trat. Frau D., 35 Jahre alt, hat 4mal geboren, zuletzt vor 10 Jahren, bemerkt Anschwellung des Leibes seit einem Jahre. 28.Aug.1890 Ovariotomie. Glatte Heilung.


In der neueren Literatur häufen sich die Fälle, und sorgfältige Beobachtung bei Gelegenheit von abdominalen Operationen könnte in kurzer Zeit eine nicht unbeträchtliche Kasuistik zutage fördern. Ich habe unter meinen ersten 2000 Laparotomien etwa l Dutzend Achsendrehungen des Uterus gesehen, nicht in entsprechender Frequenz sah ich sie bei Gelegenheit meiner weiteren operativen Tätigkeit.

Die Achsendrehungen werden ausschließlich durch Tumoren des Uterus oder der Ovarien erzeugt (von 32 Fällen 15 Myome des Uterus, 17 Ovarientumoren nach SCHULTZE). Von den 17 Ovarientumoren fand sich bei 9 außerdem Stieldrehung, wogegen von den 15 Uterusmvomen kein Fall Stieldreliung aufwies.

Die Kräfte, welche den Uterus um seine Achse drehen, sind die gleichen, wie die, welche gelegentlich Ovarialtumoren drehen; ist bei einem solchen die Drehfähigkeit des Stieles erschöpft und wirken die drehenden Kräfte weiter in demselben Sinne, so setzt sich die Spirale vom Stiel auf den Halsteil des Uterus fort. Ist der Stiel sehr kurz und straff, wie gelegentlich bei Ovarialtumoren, wie stets bei subserösen Myomen, so wird bloß der Uterus gedreht. Die drehenden Kräfte sind Zufallskräfte: Verschiedene Schwere einzelner Tumorabschnitte, eigentümliche Gestalt und Wachstumsrichtung des Tumors. So konnte in einem von SCHULTZE beobachteten Falle ein subseröses großes Myom bei straffen Bauchdecken nur unter der Bedingung die intendierte Wachstumsrichtung einschagen, daß allmählich sich der Uterus spiralig um 180° drehte. Einen Faktor unter den drehenden Kräften stellen vielleicht die Bewegungen des Darmtraktus dar, wie ich früher nachwies.

Hieraus geht hervor, daß Drehungen um 90 ° recht häufig sein müssen. Diese werden jedoch kaum Symptome machen. Von 180° an kann das jedoch der Fall sein. Relativ häufig bestehen Blasenbeschwerden, auffallend häufiger Harndrang; in einem Falle vesikale Hämaturie. In einigen Fällen hatte die Drehung zu schweren Ernährungsstörungen des Uterustumors geführt: Hämorrhagien in Tumor und Adnexen, ödematöse Schwellung, besonders bei vielfachen Achsendrehungen, wo Ligamenta rotunda und lata spiralig urn den Uterus herumgewickelt waren und ihn strangulierten (MICHOLITSCH). In einigen Fällen war es zu Stauungshaematometra in dem abgeschnürten Corpus uteri gekommen.

Die Diagnose ist bisher vor der Laparotomie resp. Autopsie nur in einem Falle (SWITALSKY) gestellt worden. Als Avertissements mögen Anamnese, Blasensymptome und bei Ovarientumoren diejenigen Erscheinungen dienen, aus welchen wir auf eine Stieltorsion schließen (vgl. Kap. XVIII). Die objektive Untersuchung könnte gelegentlich die Spirale in der Höhe der Cervix vom Rectum aus tasten lassen, ferner bei Drehung um 180° (der häufigsten) den Nachweis erbringen, daß die Ovarien vorn, nach vorn von den Tuben liegen, resp. daß die Ligg. ovariorum propria nicht von der als hinteren getasteten Wand des Uterus entspringen.

Von den bekannten Fällen verliefen 2 ohne, einer nach Operation tödlich. In den übrigen Fällen war die Therapie, die Exstirpation der Tumoren, von Erfolg. Sollte einmal die Diagnose auf Torsion gestellt werden, so würde sie allein für die operative Therapie ausschlaggebend sein müssen.

Achsendrehungen des graviden Uterushornes werden nicht selten bei Kühen, Schafen und Ziegen, seltener bei Pferden beobachtet. Mitunter ist die Scheide in demselben Sinne torquiert; das erleichtert dann die Diagnose. Die Achsendrehung führt in diesen Fällen zur Gebärunmöglichkeit und, wenn nicht durch konsekutive Peritonitis zum Tode, zur dauernden Retention der Frucht, zur Lithopädionbildung.

In charakteristischer Weise beeinflussen gewisse chronisch entzündliche Prozesse, welche sich in den hinteren, unteren Teilen der Ligamenta lata, unter den DOUGLASschen Falten abspielen, die Lage des Uterus (Parametritis posterior). Das sind Entzündungen, welche keinen voluminösen Tumor, sondern nur eine narbige Verkürzung des Ligaments setzen; sie ziehen die cervikale Partie des Uterus nach der gleichnamigen Seite und nach hinten. Da das Corpus uteri dabei an seiner normalen Stelle belassen wird, so wird nur die Krümmung der Cervix verschärft. Bei Einseitigkeit des Prozesses handelt es sich dann also um Lateriposition der Cervixpartie mit schärferer Anteflexion und Torsion (Rotation) des Corpus nach der anderen Seite. Auch kann die Lage des Uterus durch derartige Prozesse völlig normal belassen werden; unter allen Umständen handelt es sich bei ihnen um Beeinträchtigung der Beweglichkeit des Uterus.

Ich habe nachgewiesen, daß auch perimetritische, perioophoritische und perisalpingitische Prozesse denselben mechanischen Effekt auf Lage und Beweglichkeit des Uterus ausüben, daß das sehr häufig ist und daß diese Entzündungsgruppen, sobald sie keine nennenswerte Tumorbildung veranlassen, der Parametritis posterior palpatorisch zum Verwechseln gleichen und mit ihnen verwechselt werden können.





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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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