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Atlas der Hautkrankheiten

E. Jacobi, 5. Auflage 1913

 

Hautkrankheiten
Von E. Jacobi.
Krankheiten P.

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Psoriasis vulgaris.


Tafel 49-53.

Psoriasis vulgaris guttata et ostracea.

Unter Psoriasis verstehen wir eine vielfach hereditäre unheilbare chronische Hauterkrankung, deren Erreger unbekannt sind, aber höchstwahrscheinlich Mycelpilze sein dürften, und bei welcher meist schubweise auftretende Eruptionen mit mehr oder minder freien Intervallen abwechseln. Das relativ häufige Vorkommen von Psoriasis bei Arthritis scheint uns nicht genügend, um einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen beiden Erkrankungen anzunehmen. Charakteristisch für die Psoriasis sind zunächst die primären Effloreszenzen, kleine stecknadelkopfgroße rote Stippchen, welche sich bald mit einer fest anhaftenden Schuppe bedecken und bei weiterer Entwicklung und Ausbreitung alle die verschiedenen Formen der Psoriasis guttata(Fig.79), nummularis, bei zentraler Ausheilung annularis und beim Konfluieren benachbarter kreisförmiger Herde Psoriasis gyrata oder figurata (Fig. 81) entstehen lassen; ferner ist typisch für Psoriasis die Lokalisation meist an den Streckseiten der Extremitäten und auf dem behaarten Kopfe (Fig. 82); sodann das sogenannte Kratzphänomen, das Auftreten kleiner punktförmiger Blutungen in dem durch Abkratzen der Schuppen freigelegten feuchtglänzenden roten Rete Malpighi, sowie schließlich der Mangel eines festeren Infiltrates, im Gegensatz zu anderen ähnlichen Erkrankungen, besonders dem schuppenden Syphilid. Abweichungen kommen in bezug auf Lokalisation nicht selten vor und es gibt überhaupt keine Stelle der äußeren Haut, die nicht gelegentlich den Sitz psoriatischer Effloreszenzen bilden könnte (Fig. 86). Selbst an der Vola manus und Planta pedis finden wir nicht nur bei allgemeiner, sondern auch bei zirkumskripter Erkrankung der Haut Psoriasis (Fig. 87), so daß es sich empfehlen dürfte, die früher allgemein angewandte Bezeichnung des papulo-squamösen Syphilids der Vola manus und Planta pedis als Psoriasis palmaris, respektive plantaris specifica ganz auszumerzen. Die Schleimhäute erkranken fast nie an Psoriasis; die sogenannte Psoriasis mucosae oris hat nichts mit unserem Leiden zu tun und wird besser als Leukoplakie bezeichnet.

Psoriasis vulgaris.

In dem ungemein chronischen Verlauf der Psoriasis können wir auch ohne Therapie sehr intensive Schwankungen beobachten, ein Umstand, der die Beurteilung des Wertes therapeutischer Maßnahmen außerordentlich erschwert. Einzelne Fälle neigen sehr zu akuten Exacerbationen, während andere lange Zeit stationär bleiben oder nur hin und wieder einige frische Effloreszenzen aufweisen. Läsionen der Epidermis, die bis zu den Kutispapillen reichen, wie Kratzeffekte, Tättowierungen u. dgl. geben oft Veranlassung zur Entwicklung neuer psoriatischer Herde. Gelegentlich, finden wir Komplikation mit Ekzem.

Psoriasis gyrata et serpiginosa.

Nicht nur in bezug auf Form und Größe, sondern auch in anderer Beziehung sind an den psoriatischen Herden oft beträchtliche Unterschiede zu konstatieren; so wechselt die Beschaffenheit und Dichte der Schuppen in weiten Grenzen, neben verhältnismäßig dünnen Schuppen finden wir dicke mörtel- oder austern-schalenartige Auflagerungen, die alle Farbenunterschiede vom reinen perlmutterglänzenden Weiß bis zum dunkleren Graugelb oder Grau aufweisen können (Fig. 79, 80, 85). Ebenso wechselt die Intensität und Breite der die Schuppen umrahmenden entzündlichen Rötung der Haut; gelegentlich zeigt sich an Stelle der Rötung eine mehr gelbliche Färbung, während an abhängigen Körperstellen eine mehr livide Verfärbung vorherrscht.

Psoriasis vulgaris capitis.

Lokalisiert ist, wie erwähnt, der Prozeß mit Vorliebe an den Ellenbogen Knieen und am behaarten Kopf, in anderen Fällen dagegen finden wir eine ausgedehntere und einen größeren Teil der Körperoberfläche einnehmende Erkrankung. Bei ganz akuten Eruptionen kommt es vor, daß kaum eine Stelle des Körpers frei bleibt; dabei können auch schwere Allgemeinerscheinungen auftreten, während sonst bei zirkumskripter Erkrankung das Allgemeinbefinden gar nicht alteriert wird; bekannt ist, daß die Psoriatiker, unter denen das männliche Geschlecht überwiegt, meist kräftige, wohlgenährte Individuen sind. Von subjektiven Erscheinungen ist bei chronischen Formen meist nur unbedeutendes Jucken vorhanden, während bei sehr akuten und ausgedehnten Ausbrüchen vielfach über ein quälendes Durstgefühl geklagt wird. Erwähnenswert ist die Erkrankung der Nägel (Fig. 83, 84), bei der wir Verdickung der Nagelsubstanz, Trübung derselben, Aufblättern, Rissigkeit sowie Ablösung vom Nagelbett beobachten. Bei schweren Eruptionen können die Nägel vollständig abgestoßen werden.

Psoriasis vulgaris unguium.

Die Prognose der Psoriasis ist insofern günstig, als nur in Ausnahmefällen das Allgemeinbefinden alteriert wird und es in der Regel gelingt, die einzelnen Eruptionen zur Abheilung zu bringen. Eine definitive Heilung der Psoriasis ist unmöglich.

Psoriasis vulgaris unguium.

Differentielldiagnostisch kämen in erster Reihe in Betracht Syphilis, Eczema seborrhoicum, Lupus erythematosus, Ekzem und Trichophytie. Letztere ist auszuschließen durch das sehr unbedeutende Jucken, das Fehlen der Pilze und den chronischen Verlauf der Erkrankung. Gegenüber dem Lupus erythematosus ist zu bemerken, daß die Psoriasis nie Narben bildet, auch fehlt bei letzterer Affektion die Beteiligung der Follikel. Das Eczema seborrhoicum sterni (Lichen circumscriptus Villan) zeigt meist fettigere und kleinere Schuppen, eine hellere gelbrote Färbung und die typische Lokalisation auf Brust und Rücken. Schwieriger ist die Abgrenzung gegenüber dem Ekzem, besonders deshalb, weil Kombinationen beider Krankheiten vorkommen. Hier dürfte meist entscheiden die Lokalisation, der Umstand, daß reine Psoriasis niemals näßt, sowie der Nachweis der Primäreffloreszenzen der einen oder anderen Erkrankung. Gegenüber der Syphilis ist zu erwähnen, daß letztere sich mit Vorliebe an den Beugeseiten lokalisiert und im papulösen Stadium, das hier allein in Betracht kommt, ein derbes Infiltrat aufweist. Das Kratzphänomen fehlt bei Syphilis. In zweifelhaften Fällen entscheidet der Erfolg, respektive Nichterfolg einer antiluetischen Allgemeinbehandlung.

Psoriasis vulgaris rupioides.

Die Therapie ist entweder eine innere (beziehungsweise subkutane) oder besteht in einer äußerlichen Behandlung der erkrankten Stellen. Von inneren Mitteln ist das zuverlässigste das Arsen, welches bei richtiger Anwendung (Pillul. asiaticae oder Injektionen von Sol. Natr. arsenicos.) fast stets zur Abheilung unter dunkler Verfärbung der psoriatischen Stellen führt. Im allgemeinen empfiehlt es sich, die Arsentherapie für schwerere Fälle der Psoriasis zu reservieren. Weniger sicher, aber doch in einer Reihe von Fällen wirksam ist das Jod, das hauptsächlich in Form von Jodalkalien in großen Dosen Erfolg verspricht. Alle anderen Mittel (Schilddrüsenpräparate etc.) haben sich als höchst unsicher oder ganz unwirksam erwiesen.

Psoriasis vulgaris.

Bei der äußerlichen Behandlung der Psoriasis ist streng zu individualisieren: akute Eruptionen, die auf irritierende Mittel leicht mit einer Steigerung der entzündlichen Erscheinungen reagieren, werden am besten mit Bädern und indifferenten Salben oder Pasten, denen man 2-5% Hydrarg, präc. alb. oder milde Teerpräparate wie Liq. carbon. deterg. zusetzt, behandelt. Auch »ruhende Fälle" erfordern einige Vorsicht, da eine zu energische Therapie zuweilen eine Ausbreitung der auf wenige Herde beschränkten Erkrankung hervorruft.

Psoriasis vulgaris.

Die allgemein übliche Anwendung irritierender Mittel, wie Chrysarobin, Pyro-gallussäure u. a. ist hauptsächlich in denjenigen Fällen indiziert, die bei mäßiger Entzündung Neigung zu weiterer Ausbreitung zeigen. Dabei hat die Behandlung zunächst in Entfernung der Schuppenmassen durch mazerierende Mittel zu bestehen; Bäder, Seifeneinreibungen und -Waschungen, Salizylsäuresalben und überfettete Seifen, Alkoholdunstverbände sowie einfache Einfettungen nebst häufigen Waschungen führen hier bald zum Ziel. Nach Ablösung der Schuppen werden reduzierende und die Haut leicht irritierende Mittel anzuwenden sein. An erster Stelle steht das Chrysarobin, welches in schwach prozentuierten, 1/2 - 5% igen Salben täglich ein- bis zweimal einzureiben ist, bis leichte Irritation der Haut eintritt.1) Im Gesichte sowie auf dem behaarten Kopfe ist dieses Mittel wegen der häßlichen Verfärbung der Haut und der Haare und wegen der irritierenden Wirkung auf die Konjunktiva zu vermeiden. Tritt Chrysarobindermatitis ein oder droht dieselbe, so ist das Mittel sofort auszusetzen und unter indifferenten Salben, Pasten oder Teeranwendung das Ablaufen der Reizung abzuwarten. Dabei nimmt die normale Haut eine dunkel blaurote bis rotbraune Verfärbung an; die kranken Partien erscheinen zunächst rein weiß und nehmen erst bei vollendeter Heilung die Chrysarobinfärbung an. An zirkumskripten Stellen wendet man das Chrysarobin in Chloroform gelöst, 10%, an und pinselt Traumaticin darüber.

Ähnlich, aber nicht ganz so gut wirkt die Pyrogallussäure, die in Form einer 5% Salbe angewendet wird (Giftwirkung! nicht mehr als höchstens 1/s der ganzen Körperoberfläche auf einmal zu behandeln; Urin auf Eiweiß untersuchen).

Der Teer ist hauptsächlich in Form von Teerbädern, Teeröl oder Teertinktur in Gebrauch, besonders beliebt bei Psoriasis des Kopfes. Milder wirkt Liq. carbon. deterg., der wegen seines schwachen Geruches und der fast vollkommenen Farblosigkeit auch an unbedeckten Stellen anwendbar ist. Als mildestes Mittel wird das Hydrarg, praeeip. alb. in 5 - 10% Salbe, eventuell mit 10 - 20% Liq. carbon. kombiniert, hauptsächlich für Behandlung des Gesichtes und der Hände verwendet; auch Hydracetinsalbe 10% kann im Gesicht mit Vorteil angewendet werden (Vorsicht! Sehr giftig!).

Besonders hartnäckige psoriatische Stellen schwinden häufig unter Eugallol, einem Pyrogallusderivat, welches mit 2 Teilen Azeton gemischt aufgetragen und mit Zinkpaste oder Zinkpuder bedeckt wird. Das Mittel ist jedoch nur an einzelnen, nicht zu großen Stellen zu verwenden. Auch die Röntgenbestrahlung, die aber unterhalb der Erythemdosis bleiben soll, bringt alte hartnäckige psoriatische Plaques rasch zur Heilung; ähnlich wirkt Radium. Oberflächliche ausgebreitete Eruptionen werden vorteilhaft mit Quecksilberlicht (Uviol) behandelt. Regelmäßig angewandte Thermal-(Schwefel-) Bäder, einfache Warmwasser- oder Dampfbäder unterstützen die Behandlung; Seebäder wirken häufig ungünstig. Bei gleichzeitig vorhandenem Ekzem ist erst dieses zu beseitigen und dann die Psoriasistherapie vorsichtig einzuleiten. Die von mancher Seite warm empfohlene (vegetarische) Diät hat nach unserer Erfahrung keine sicheren Erfolge ergeben.

Anm. Die Wirkung des Chrysarobins hängt ausschließlich ab von der sehr wechselnden Beschaffenheit der Droge: nur solche Präparate,! die bei längerer Anwendung eine Dermatitis erzeugen, die nach unserer Ansicht von größter Wichtigkeit bei der Heilung der Psoriasis ist, sind für die Behandlung brauchbar.
Anm. 79, 82. Moulagen der Neisserschen Klinik in Breslau (Kröner).
Anm. 81. Moulage der Lesserschen Klinik in Berlin (Kolbow).
Anm. 86. Moulage der Freiburger dermatologischen Klinik (Vogelbacher).
Anm. 87. Moulage der Neisserschen Klinik in Breslau (Kröner). 34jähriger Mann, der im Anschluß an eine ziemlich ausgebreitete Eruption die Affektion auch an Handflächen und Fußsohlen aufweist.
Anm. 80, 83, 84, 85. Moulagen der Neisserschen Klinik in Breslau (Kröner).







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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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27. 5. 1910
Todestag von Robert Koch (1843-1910), bekannt für seine mikrobiologischen Forschungen. Unter anderem entdeckte er die Erreger des Milzbrandes (1876) und der Tuberkulose (1882). Für letzteres erhielt er 1905 den Nobelpreis für Medizin.

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