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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

V. ABSCHNITT.
Die Krankheiten der Harnröhre und Blase.

Kapitel XXI.
Die Krankheiten der Harnröhre und Blase.
Von Otto Küstner.

Seite: 13/14Zurück (Steine, Fremdkörper)[ I.Urethra | Entzündung | Neubildung | Prolaps | II.Blase | Cystoskopie | Kelly's Verfahren | Palpation | Entzündung | Therapie | Colpocystotomie | Steine, Fremdkörper | Geschwülste | Neurosen ]Weiter (Neurosen)


Geschwülste der Blase


Von Tumoren sind an der Blase selten beobachtet Fibrome, Myome, Myxome, Sarkome, Dermoide, Adenome. Von relativ gutartigen Tumoren kommt am Blaseninnern das Papillom, Fibroma papilläre, der Zottenpolyp, vor, eine weit in das Blasenlumen hineinragende, dendritisch verzweigte, meist recht gefäßreiche Geschwulst. Die feinen, stark vaskularisierten Aestchen des Stroma bedeckt eine vielschichtige Epithelbekleidung (cf. Fig. 277).

Die Symptome sind: Hämaturie, Beimengung von Eiter- und Schleimmassen zum Urin, später recht bedeutende Tenesmen.

Meist sind die Tumoren schmal gestielt; sie können die Größe einer Kinderfaust erreichen, ehe sie zur Operation kommen. Sie haben mit den Krebsen nichts zu tun, weshalb auch der für sie seiner Zeit von Rokitansky gewählte Ausdruck "Zottenkrebs" nicht gerechtfertigt erscheint und besser vermieden wird.

Außer diesen kann man flache, papillomatöse Wucherungen der Schleimhaut sehen. Sie finden sich an zirkumskripten, wenn auch meist recht umfänglichen Bezirken der Blaseninnenfläche, das eine Mal mehr im Trigonum, das andere Mal mehr im Scheitel der Blase. Sie sind Ueberbleibsel alter Katarrhe.

Das Carcinom der Blase, an sich relativ selten, sitzt in den meisten Fällen an der unteren hinteren Blasenwand. Makroskopisch stellt es entweder eine breitbasige, dendritisch verzweigte Geschwulstmasse dar, den Zottenkrebs der Blase im eigentlichen histologischen Sinne des Wortes, oder es ist eine flache, weniger prominierende Geschwulst. Nicht selten lagern sich auf der Oberfläche des Tumors Urate ab, so daß er sich rauh anfühlt. Seltener sitzt das Carcinom am Blasenscheitel. In vorgeschrittenen Fällen kann der größte Teil der Blasenwand von der Geschwulstbildung befallen sein. Mikroskopisch findet man Uebergänge zum Papillom, in anderen Fällen handelt es sich um medulläre Infiltrationen.


Fig.276. Carcinoma vesicae. Frau M. K., 59 Jahre alt, seit einigen Monaten Blasenblutungen. 22. Mai 1895 Kolpocystotomie, Entfernung des flach polypösen Tumors samt seiner Basis. Operativer Schluß der Blasenscheidenfistel, am 21. Juni 1895. Geheilt entlassen.

Die Symptome, welche das Carcinom macht, bestehen in Blasenblutungen in der ersten Zeit. Wird die Geschwulst größer und treten bedeutendere Oberflächennekrosen ein, so gesellt sich ein mehr weniger intensiver Katarrh auch der nicht carcinomatös erkrankten Schleimhaut dazu; nach dem Aufhören der Azidität des Urins finden zufällig in die Blase gelangende Spaltpilze einen günstigen Nährboden. Der meist sehr früh auftretende Blasenkatarrh nebst der Infiltration der ßlasenwand, zusammen mit dem Reiz, welchen der in das Blasenlumen hineinragende Tumor erzeugt, führen oft zu einem Tenesmus, welcher, da die Zusammenziehungen in diesem Falle, wo es sich um ein entzündetes Organ handelt, schmerzhaft sind, das quälendste Symptom abgibt. Blasenlähmung, wie bei hochgradigem Katarrh mitunter zu sehen, kommt ebenfalls vor.

Die Prognose ist sehr schlecht. Da das Carcinom meist zwischen und sehr nahe den Einmündungen der Ureteren in die Blase seinen Sitz hat, so ist es selten rein zu exstirpieren. Die selteneren, am Scheitel der Blase sitzenden Krebse bieten, da sie für operative Eingriffe günstiger liegen, eine bessere Prognose.

Unoperiert führen die Krebse, wie alle, zum Tode. Gewöhnlich sind es weder die Blutungen noch die Metastasen und in ihrem Gefolge die Krebskachexie, denen die Kranken erliegen, sondern die Folgen des lange dauernden intensiven Blasenkatarrhs, die Pyelitis und die sich daran anschließende eiterige Nephritis.


Fig.277. Mikroskopischer Schnitt durch eine Papille des in Fig. 101 topisch dargestellten Fibroma papilläre vesicae. Dickes geschichtetes Epithellager auf dem bindegewebigen Grundstock.


Die Diagnose der Blasentumoren wird durch, die Cystoskopie in vollkommener Weise gestellt. Bilder von zottigen Geschwülsten, wie sie das Cystoskop mit seiner Vergrößerung liefert, sind recht charakteristisch. Da sich nun an diese Wahrnehmung die Notwendigkeit der Therapie knüpft, so hat die Diagnose noch des weiteren die Aufgabe, die Qualität der Geschwulst festzustellen. Zufällig mit dem Urin abgegangene Bröckel oder ad hoc mit der Kornzange abgekniffene Stückchen liefern das nötige Material. Steht dann die Notwendigkeit der Entfernung fest, so kann man erst noch die Blase austasten, um die Insertionsverhältnisse zu eruieren. Erst wenn so auf seine histologische und topische Beschaffenheit hin der Tumor völlig geklärt ist, soll man zur Exstirpation schreiten.

Ist gelegentlich der Abtastung ein schmalbasiger Tumor erkannt, so kann man ihn mit einer starken Kornzange von seiner Basis abreißen. Sicherer und viel besser sind Operationen nach Eröffnung der Blase von der Scheide oder besser vom Scheitel aus. Sie sind unter allen Umständen vorzuziehen, sobald der Tumor groß und seine Gutartigkeit nicht über allem Zweifel erhaben ist. Man beachte dabei, daß auch die Basis solcher Tumoren recht gefäßreich zu sein pflegt und, verwundet, stark blutet. Ist die Blutung nicht durch eiskalte Irrigation zu stillen, so tamponiert man die Blase mit Vioformgaze, Penghawar Yambi oder unter Anwendung von Adrenalin oder Suprarenin. Unter allen Umständen legt man nach der Exstirpation von Blasentumoren Dauerkatheter auf wenige Tage ein.

Illustrativ ist die Geschichte des Falles, welcher in Figg. 101 und 277 dargestellt ist.

Frl. B., 48 Jahre alt, hatte bereits die Menses verloren, als sie seit etwa einem Jahre über fortwährenden, wenn auch sehr geringen, blutigen Ausfluß klagt. Seit mehreren Monaten kann sie den Urin nicht gut halten und leidet an häufig auftretendem Harndrang.

An den Genitalien nichts Pathologisches. Obwohl bis jetzt nicht behandelt, ist die Urethra auffallend weit, so daß es mir unschwer gelingt, den Zeigefinger einzuführen und in der Blase einen weichen, ziemlich voluminösen Tumor zu tasten, welcher mit der Blasenwand des Fundus durch einen etwa zentimeterdicken Stiel zusammenhängt.

9. Okt. 92. In Narkose gelingt die Austastung der Blase völlig, es läßt sich feststellen, daß der Tumor etwa Gänseeigröße besitzt, der schon gefühlte Stiel etwas extramedian links liegt und etwa gegenüber dem inneren Muttermunde an die Blasenwand herangeht.

Spaltung der Blasenscheidenwand von der Portio bis an den Blasenhals heran; diese Blasenscheidenwunde wird in den Introitus vaginae eingestellt, um den Stiel des Blasentumors ein stumpfer Haken herumgeführt und angezogen. Wegen gemutmaßter Malignität des Tumors unterbinde ich den Stiel nicht, sondern brenne ihn mit dem Paquelin genau an seiner Basis ab. Darauf wird der Tumor gefaßt und aus der Blase herausgezogen.

Starke Nachblutung. Diese steht aber schließlich auf kalte Irrigationen, welche so gemacht werden, daß das Rohr in die Urethra eingeführt wird und das Spülwasser aus der Blasenscheidenwunde abläuft. Um eine Nachblutung zu vermeiden, wird die künstliche Fistel zunächst offen gelassen. Operativer Verschluß derselben am 27. Okt. Anfrischung durch Spaltung der Wundränder. Glatte Heilung. Entlassung am 13. Nov. Der Tumor ist ein Papillom.

Ich möchte für einen derartigen Fall lieber den hohen Blasenschnitt empfehlen.

Die operative Therapie des Blasencarcinoms hat die Aufgabe, die Geschwulst samt dem Bezirke der Blasenwand, auf welchem sie aufsitzt, zu exstirpieren. Sitzt der Tumor ausschließlich im Blasenscheitel, was selten ist, so ist die Resektion des entsprechenden Teiles der Blase von oben her, nachdem man diese über der Symphyse peritoneal freigelegt hat, vorzunehmen.

Auch den in der Nähe des Trigonum sitzenden Tumoren ist besser vom hohen suprasymphysären Blasenschnitt aus beizukommen, es sind von hier aus Resektionen beträchtlicher Teile der Blase, ja Totalexstirpationen des Organs vorgenommen worden.

In einem Falle, wo der größte Teil der Blaseninnenfläche Sitz des Carcinoms war, gelang Pawlik zuerst folgender Plan. Er schnitt die Ureteren von der Blase ab und heilte sie mit ihrer Mündung in die Scheide ein. Dann trennte er die Blase von einem Querschnitt über der Symphyse aus von ihrer Umgebung, darauf von der Scheide aus von der Urethra quer ab, zog sie aus diesem Schnitt heraus und exstirpierte sie ganz. Die von oben entstandene Höhlenwunde wurde mit Jodoformgaze ausgestopft, sie schloß sich durch Granulation. Darauf wurde die Colpocleisis gemacht, die Urethra wegsam gelassen. So diente die Scheide als Harnreservoir; der intakt gelassene Sphincter vesicae funktionierte. Die Kranke ist lange Jahre rezidivfrei geblieben.
Auch in das Rectum sind nach Exstirpation der Harnblase die Ureteren eingepflanzt worden, wie es in solchen Fällen beim Manne geschehen muß. Dann bedeutet die Möglichkeit der aszendierenden Ureteritis mit nachfolgender Pyelonephritis für die Kranken eine große, unvermeidliche Gefahr.




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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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