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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

V. ABSCHNITT.
Die Krankheiten der Harnröhre und Blase.

Kapitel XXI.
Die Krankheiten der Harnröhre und Blase.
Von Otto Küstner.

Seite: 6/14Zurück (II.Blase)[ I.Urethra | Entzündung | Neubildung | Prolaps | II.Blase | Cystoskopie | Kelly's Verfahren | Palpation | Entzündung | Therapie | Colpocystotomie | Steine, Fremdkörper | Geschwülste | Neurosen ]Weiter (Kelly's Verfahren)


Die Cystoskopie


Die NITZEschen Cystoskope stellen geschlossene Katheter mit MERCIERscher Krümmung und einer am Ende befindlichen kleinen EDISON-Lampe dar. An der konkaven Knieausbiegung ist ein Fenster, hinter ihm ein Prisma so angebracht, daß es im Fenster aufgenommene Bilder in die Achse des langen Katheterstückes wirft. In das lange Katheterstück ist weiter ein Linsenkomplex (optischer Apparat) eingefügt, welcher das rezipierte Bild vergrößert. Dieses wird vom freien Ende des "Katheters" aus betrachtet. Bei Nitzes Cystoskop II befinden sich Fenster und Prismen nicht am Knie, sondern am kurzen Schenkel des Cystoskops, dafür an der konvexen Seite des Knies ein Planspiegel, welcher das Bild in die Achse des langen Schenkels wirft. Winter hat für die weibliche Blase von der MERCIERschen Krümmung abgesehen, welche ja doch nur den Zweck der leichteren Einführbarkeit des Cystoskops in die männliche Blase ins Auge faßt, und den Winkel am Knie stumpfer gestaltet, eine durchaus zweckmäßige Einrichtung. Von der EDISON-Lampe aus geht eine Doppelleitung zum Handgriff des Cystoskops, woselbst sie mit einer elektrischen Beleuchtungszentrale, einem Akkumulator oder einer Batterie in Verbindung gesetzt wird. Außerdem befindet sich noch am Handgriff ein Kontaktschieber, durch welchen man den Strom öffnen und schließen kann.


Fig.265. Cystoskop nach Nitze. A stellt das Cystoskop I dar, mit dem Fenster und dem Prisma an der Konkavität des Winkels, B das Cystoskop II, mit Fenster und Prisma an der konvexen Seite des kurzen Schenkels.

Nachdem man sich von der ausreichenden Funktionierung des Lichtkabels durch Verschiebung des Schlußschiebers überzeugt hat, verfinstert man das Zimmer, bringt die Kranke in die gynäkologische Untersuchungslage und füllt die Blase mit 100-150 ccm 1-proz. Borsäurelösung. Ist der Inhalt der Blase trübe, so macht man zuvor eine Ausspülung, bis der Inhalt klar abfließt. Füllt sich während des Cystoskopierens die Blase immer wieder mit trübem Inhalt, so ist Kitzes Irrigationscystoskop anzuwenden, vermittelst dessen man während der Betrachtung spülen kann. Will man die Urethra vor dem Cystoskopieren unempfindlich machen, so injiziert man mit einer kleinen Spritze 1-2 ccm 2-proz. Cocainlösung in dieselbe. Darauf führt man das Cystoskop nach Abstellung der Lichtquelle in die Blase ein, überzeugt sich durch Vorwärts- und Rückwärtsschieben des Instrumentes, daß die warme EDISON-Lampe die Blasenwand nicht berührt, sondern inmitten der Borsäurelösung sich befindet, schließt den Kontakt, bringt so die Lampe zum Glühen und betrachtet das Bild von dem freien Ende des langen Schenkels aus.

Naturgemäß kann das kleine Fenster nicht die ganze Blaseninnenfläche, auch nicht den größten Teil derselben als Bild dem Beschauer zur Perzeption bringen. Es ist daher notwendig, will man sich von der gesamten Blaseninnenfläche eine Anschauung verschaffen, das Cystoskop zu bewegen. Die Bewegungen müssen methodisch so ausgeführt werden, daß man einzelne Teile der Blase nicht übersehen kann, also am besten folgendermaßen: Nachdem man das Cystoskop tief hinein, aber nicht bis zur Berührung der oberen Blasenwand geschoben hat, zieht man es allmählich zurück und bringt dabei nicht nur die medianen Partien der vorderen Blasenwand, sondern durch Drehung des Schaftes nach rechts und links auch die seitlichen Teile derselben zur Betrachtung. Dann senkt man den Schaft tief, dreht ihn um 180° und betrachtet so die hintere und untere Blasenwand und das Trigonum Lieutaudii.

Für die richtige Deutung der cystoskopischen Bilder ist folgendes zu bedenken:

1) Cystoskop I dreht die Bilder um, Cystoskop II gibt die Bilder aufrecht, d.h. in ihrer wirklichen Lage.

Während nun die Deutung der Bilder und der Lage der Gegenstände zueinander unter der Voraussetzung der Kenntnis dieser Tatsache dann unschwer ist, wenn die Objekte einfacheren Charakters sind, so entstehen die kompliziertesten Zerrbilder, Verdrehungen dann, wenn umfänglichere Bilder durch Drehbewegungen des Cystoskops aufgenommen werden, derartige Bilder also Kompositionsbilder darstellen.

2) Die Gegenstände werden in ihrer natürlichen Größe nur dann gesehen, wenn sie sich in einem Abstande von etwa 25 mm vom Fenster des Cystoskops befinden. Nähere Gegenstände erscheinen riesig vergrößert, fernere verkleinert.


Fig.266. Weißer Papierstreifen (in schwarzem Felde) mit fünf schwarzen runden Marken beklebt. Das untere schraffierte Ende wird abgeschnitten.

Fig.267. Dieser Papierstreifen mit dem Cystoskop betrachtet (Viertel).

Unter normalen Verhältnissen ist der Lichteindruck, welchen man vom Blaseninneren gewinnt, ein gelblich-rötlicher, bei Blutarmen ein blasser bis weißer. Im Scheitel der Blase schwimmt zitternd eine Luftblase, oft von hantelförmiger( Viertel) Gestalt. Am Blasenboden erkennt man die Ureterenöffnungen (d.h. man kann nur eine auf einmal cystoskopieren), für den Ungeübten am besten kenntlich durch ihre Funktion, d.h. dadurch, daß sie sich alle paar Minuten öffnen und dann eine Flüssigkeitsbewegung von der Oeffnung ausgeht. Die Entfernung beider voneinander schwankt nach Viertel zwischen 13 und 35 mm. Zwischen beiden Ureterenöffnungen konstatiert man nicht selten plötzlich auftretende, faltenartige Erhebungen der Schleimhaut, hervorgerufen durch Kontraktion der Blasenmuskulatur. Endlich besetzen den Boden des Trigonum Lieutaudii bis in die Harnröhrenöffnung hinein oft zahlreiche bis hirsekorngroße Cystchen.


Fig.268. Ostereikarton als einfaches Blasenphantom montiert. Der Ring R stellt das Orificium internum urethrae dar. Die ..... Pfeile sind im Original rot, die _____ Pfeile blau gefärbt. Rechts neben dem Karton Stellung der Pfeile, wie man sie im Cystoskop erblickt (nach Viertel).

Ist die Cystoskopie beendet, so ist sofort die Urethroskopie daran zu schließen.


Fig.269. Cystoskopisches Bild: Normaler Ureterwulst mit Uretermündung.


Fig.270. Cystoskopisches Bild: unten normaler Rand des Sphincter vesicae.


Fig.271. Cystoskopisches Bild: Unten Rand des Sphincter mit 2 hohen und 2 flachen papillenartigen Erhebungen. Die hell beleuchtete Blasenschleimhaut zeigt eine flache Welle, erzeugt durch die Prominenz der Symphyse.


Fig.272. Cystoskopisches Bild: Balkenblase; Wulstungen der Blasenschleimhaut.





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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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