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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

VIII. ABSCHNITT.
Allgemeine Therapie.

Kapitel XXIX.
Algemeine gynäkologisch-therapeutische Methodik.
Von Otto Küstner.

Seite: 12/17Zurück (Drainage)[ I. Gynäkologische Akiurgie | Narkose | Lumbalänesthesie | Operation an Vulva und Vagina | Knieellenbogenlage | Laparotomie | Suprasymphysärer Kreuzschnitt | Fascienquerschnitt | Beckenhochlagerung | Blutstillung | Drainage | Verschluß der Bauchwand | Verband | Kolpotomie | Nachbehandlung | II. Gynäkologische Massage. | III. Gynäkologische Elektrotherapie. ]Weiter (Verband)


Verschluß der Bauchwand


Ehe man die Bauchnaht beginnt und nachdem man die Bauchhöhle von Blut und hineingelangten Flüssigkeiten gesäubert hat (Toilette der Bauchhöhle), überzeuge man sich, daß keine Tupfer und keine Instrumente darin zurückgeblieben sind. Derartige Versehen sind gelegentlich vorgekommen. Neugebauer stellt eine beträchtliche Anzahl Fälle aus der Literatur und aus privaten Mitteilungen zusammen. Handelt es sich um das Zurückbleiben eines Instruments — meist war es eine Arterienklemme, so zeigte sich dasselbe häufig nach Wochen an einer dann abscedierten Stelle der Bauchnarbe, es wurde entfernt und die definitive Heilung erfolgte. Weniger gut verträglich ist das Zurückbleiben von Tupfern und Servietten. Danach ist öfter Exitus an Peritonitis beobachtet worden. Natürlich. Die Tupfer hielten die gelegentlich eingebrachten Keime mit größerer Zähigkeit fest, als die glatten Instrumente. In anderen Fällen arrodierten die zurückgebliebenen Gazestücke Darm, Blase oder Douglas, und wurden dann entweder mit dem Stuhlgang entleert oder wurden aus Blase oder Vagina extrahiert.

Um derartige Unglücksfälle zu vermeiden, seilen einige Operateure Tupfer und Tücher, welche während der Operation in die Bauchhöhle gelegt werden, an Fäden an, welche am anderen Ende mit einer Perle oder mit einer Klemmpinzette armiert sind. Bei mir ist das zur Verwendung kommende Material alles vorher gezählt, und wird vor Schluß der Bauchhöhle wieder gezählt. Nie wird ein Tupfer während der Operation zerschnitten. Das bietet wohl die größte Sicherheit.


Der Verschluß der Bauchwunde wurde früher nur mit durchgreifenden Nähten gemacht. Das ist unzweckmäßig; es ist für eine exakte Verheilung und besonders für eine Vermeidung von Dehiscenzen und Hernien unbedingt notwendig, schichtenweise zu nähen. Zum mindesten müssen das Peritoneum, die Fascia superficialis und das darüber liegende Integument isoliert genäht werden. Die exakte Vereinigung der Fascie ist es. welche der Entstehung von Hernien vorbeugt.

Die Nahtmethode kann verschieden sein: man kann fortlaufend nähen, und zwar entweder einfach durchgreifend, dabei liegen die Wundränder nicht sehr gut aneinander, oder, wie Zweifel, die Naht der Nähmaschine nachahmen. Bei der letztgedachten Naht liegen die Wundränder ausgezeichnet aneinander, sie ist jedoch nur für das Peritoneum verwendbar.

Ich gebe wegen der größeren Exaktheit im allgemeinen den Knopfnähten den Vorzug.

Für die tiefen Schichten, in welchen man die Nähte versenkt, verwende man leicht resorbierbares Material, also aseptisches Catgut, am besten Kumolcatgut (Kroenig). Formalincatgut (Hofmeister), KAREWSKI-Catgut, Jod-Jodkalicatgut haben sich bei weitem nicht in dem Maße wie erstgenanntes bewährt. Für die Nähte, welche auf der Haut geknüpft werden, gebrauchen viele Operateure auch Catgut; ich empfehle mehr Bronzedraht oder Silkwormgut. Diese Materialien eignen sich deshalb für diese Nähte gerade besonders gut, weil sie wegen ihrer Glätte am besten keimfrei bleiben und so am wenigsten zu Fadeneiterungen Veranlassung geben. Solche Nähte kann man wochenlang liegen lassen, ohne daß eine Stichkanaleiterung vorkommt.

Seide empfiehlt sich für Oberflächennähte nicht.


Fig.360. Zweckmäßige Naht der Laparotomiewunde. Es werden das Peritoneum fortlaufend mit Catgut, die oberen Schichten mit der Knopfnaht aus Draht in der Weise vereinigt, daß die kleine Schlinge der 8 nur die Fascie, die große die Fettschicht und das Integument faßt.

Die Nahtmethode, welche ich jetzt seit mehr als 9 Jahren fast ausschließlich bei Laparotomien anwende, ist folgende:

Das Peritoneum wird isoliert mit fortlaufender Catgutnaht vereinigt. Fascie und Bauchdecken nähe ich mit Draht derart, daß jede einzelne Knopfnaht eine 8er-Tour beschreibt, von welcher der kleine Ring die Fascie allein, der große die subkutane Fettschicht, die Cutis und Epidermis faßt (vgl. Fig. 360). Diese Naht hat den großen Vorteil, daß durch sie die Fascie bis zur Nahtherausnahme fest vereinigt wird. Das ist also eine dreischichtige Naht. Sie schützt mit großer Sicherheit vor dem Entstehen von Bauchnarbenhernien, wie ich denn auch noch nicht 6 Proz. Bauchnarbenhernien verzeichne. Wird die Fascie durch verlorene Catgutnähte isoliert vereinigt, so kann sich besonders unter dem Einflüsse von Brech- und Hustenakten doch gelegentlich die eine oder andere Naht auftrödeln, oder das Catgut kann früher resorbiert werden, ehe die Fasciennarbe die erforderliche Erstarkung erfahren hat.


Fig.361. Hegarscher Nadelhalter. 1/3 nat.Gr. gebräuchlichster, von mir fast ausschließlich verwendeter Nadelhalter.


Fig.362. Nadelhalter nach Hagedorn. 2/3 nat. Gr.

Operation der Bauchnarbenhernien :

Die Bauchwand des Bruchsackes besteht nur aus Peritoneum und Integument nebst meist wenig dicker Fettschicht.

Längsspaltung des Bruchsackes und Eröffnung der Bauchhöhle im Bereiche desselben. Resektion von überflüssigem Wandmaterial. Abpräparieren des Peritoneums von dem Integument, bis in der Zirkumferenz des ganzen Bruchsackhalses die auseinandergewichene Fascie sichtbar und auf wenigstens 1 cm Breite freigelegt ist. Resektion des Bruchsack-Peritoneums. Sorgfältige Peritonealnaht, fortlaufend Catgut. Sorgfältiger Nahtverschluß des Fascienspaltes, am besten mit Drahtnähten, welche in Gestalt von Achtertouren zugleich durch das Integument geführt und auf der Oberfläche geknüpft werden, wie in Fig. 360 dargestellt ist.


Fig.363. Nadelhalter nach v. Kader, bester Nadelhalter zur Anlegung von Nähten in der Tiefe. 2/3 Nat. Gr.





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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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