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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

VIII. ABSCHNITT.
Allgemeine Therapie.

Kapitel XXIX.
Algemeine gynäkologisch-therapeutische Methodik.
Von Otto Küstner.

Seite: 17/17Zurück (II. Gynäkologische Massage.)[ I. Gynäkologische Akiurgie | Narkose | Lumbalänesthesie | Operation an Vulva und Vagina | Knieellenbogenlage | Laparotomie | Suprasymphysärer Kreuzschnitt | Fascienquerschnitt | Beckenhochlagerung | Blutstillung | Drainage | Verschluß der Bauchwand | Verband | Kolpotomie | Nachbehandlung | II. Gynäkologische Massage. | III. Gynäkologische Elektrotherapie. ]


III. Gynäkologische Elektrotherapie.


Die Anwendung der Elektrizität in der Gynäkologie erfordert einige Spezialkenntnisse, welche in der allgemeinen Elektrotherapie nicht gelehrt werden.

Wie auf anderen Gebieten, so kommt auch hier der konstante wie der induzierte Strom in Anwendung. Der letztere, welcher im wesentlichen Kontraktion der Muskelelemente in den faradisierten Organen erzeugt, wirkt mehr mechanisch. Sein Anwendungsgebiet in der Gynäkologie ist relativ beschränkt.

Der konstante Strom kommt in der Gynäkologie in einer Stärke zur Anwendung wie sonst nirgends. Stromstärken von 200 M.A. und mehr sind nicht selten erforderlich. Will man von der Elektrotherapie in der Gynäkologie in ihrem ganzen Umfange Gebrauch machen, so erfordert das schon einen sehr guten Apparat, der außer der notwendigen großen Anzahl von Elementen, außer den verschiedensten Elektroden einen Stromwähler, einen Rheostaten und ein zuverlässiges Galvanometer besitzt.

Für den konstanten Strom kommt bei der gynäkologischen Elektrotherapie ebenso wie wo anders die polare, die interpolare und die extrapolare Wirkung in Betracht; die letztere meist nur störend, insofern sie unliebsame Nebeneffekte, Kopfschmerzen, Gastralgien, Dysenterien erzeugt. Die interpolare Wirkung ist wohl nicht scharf von der polaren zu trennen. Auch käme ja solche Trennung nur theoretisch in Betracht.

Wichtig für die praktische Anwendung ist, daß der negative Pol, die Kathode, die intensivere Wirkung entfaltet; er wirkt, mehr irritierend, ruft Hyperämie, eventuell Blutungen hervor. Er besitzt zugleich resorbierende Kraft, er i s t d er wirksame Pol, wo es sich um Rückbildung von Exsudaten, Eiteransammlung, Tumoren handelt.

Der positive Pol wirkt vorwiegend hämostatisch, beseitigt Kongestionen, wirkt schmerzstillend.

Genaueres Studium der von den Polen berührten Gewebe von Prochownik, Späth und Bröse hat ergeben, daß bei starken Strömen beide Elektroden eine Aetzwirkung entfalten, eine stärkere die Anode (der positive Pol), eine schwächere die Kathode. Bei der Anode tun es die Säuren, welche sich durch die Elektrolyse in dem dem Pole benachbarten Gewebe bilden, hauptsächlich chlorige (aus dem Salz der Gewebe) und schwefelige (aus dem Schwefel des Eiweißes). Der Aetzschorf gleicht völlig dem durch Mineralsäuren erzeugten. "So wird die intrauterine Anode, Apostolis positive chemische Galvanokaustik', ein Hämostatikum ersten Ranges"' (Bröse). Bei der Kathode sind es dagegen die Alkalien, welche die Aetzung bedingen. Der Aetzschorf gleicht dem durch Kali causticum erzeugten Schorf, zugleich tritt starke Quellung des umliegenden Gewebes und Gasbildung in demselben auf.

Da wir in der Gynäkologie vorwiegend nur einen Pol wirken lassen, so nennen wir diesen den aktiven. So sprechen wir von einem aktiven positiven oder negativen Pol. Der andere ist der indifferente.

Meist setzen wir den aktiven Pol möglichst nahe an oder mitunter in den Krankheitsherd selbst hinein. Also entweder in die Vagina oder in den Uterus. Der indifferente Pol kommt dann auf den Bauch zu liegen; dann sprechen wir von einer vagini-, resp. utero-abdominalen Galvanisierung.

Die Elektroden, welche für den aktiven Pol verwendet werden, sind aus verschiedenem Materiale. Zur vaginalen Galvanisation benutzen wir eine kugelige Kohlenelektrode, zur uterinen, wie die meisten, solche aus Aluminium von Uterussondengestalt und 3—6 mm Dicke; Bröse empfiehlt, da diese an der Oberfläche leicht angegriffen werden, Platinsonden; zur Galvanopunktur eine Stilett- oder nadeiförmige Elektrode.

Der indifferente Pol wird, falls er auf das Abdomen appliziert wird, um seine Wirkung denkbarst abzusehwachen, möglichst umfänglich gestaltet. Er besteht aus einer Bleiplatte; zwischen diese und die Haut wird ein feuchtes Kissen, oder ein feuchtes Stück Filz, oder ein mit Modellierton gefüllter Sack gelegt.

Je nach der Indikation oder den Bedingungen, unter welchen die Elektrizität angewandt wird, dient der positive oder negative Pol als der aktive.

Die Stromstärken, welche zur Verwendung kommen, sind sehr verschieden. Während zur Beseitigung perimetritischer Schmerzen Ströme von 10—20 M.A. die besten sind, verwendete man zur galvanischen Behandlung eines Myoms oder einer tubaren Retentionscyste, zur Beseitigung intrauteriner Blutungen Ströme bis 250 M.A. Diese wurden ohne Narkose häufig nicht vertragen. Die Empfindlichkeit gegen starke Ströme war individuell verschieden; manche Frauen vertrugen noch Ströme von etwa 150 M.A.; für andere war bei einer Stromstärke von 100 M.A. bereits Narkose nötig. Meine Erfahrung stimmte mit der Zweifels vollkommen überein, daß die Anwendung hoher Stromstärken von 100 M.A. und mehr stets sehr schmerzhaft war.

Die Anzahl, Dauer und Häufigkeit der Sitzungen hängt vom Leiden und der Empfindlichkeit der Kranken ab. Die Dauer beträgt im Mittel 5—10 Minuten; schwache Ströme kann man täglich, stärkere je nachdem nur seltener anwenden. Bei Anwendung von sehr starken Strömen und bei der Galvanopunktur ist es nötig, daß die Kranken das Bett hüten.

Daß alle elektrischen "Operationen" nur unter Wahrung strengster Aseptik vorgenommen werden dürfen, ist selbstverständlich. Jedoch muß das besonders betont werden, da ein Verstoß gegen die Regeln der Aseptik bei der intrauterinen Galvanisation, wie bei der so wie so schon gefährlichen Galvanopunktur, sich sehr schwer rächen kann.

Während der Dauer einer galvanischen Kur sind den Kranken, da sie meist davon, auch bei Anwendung schwacher Ströme, etwas Ausfluß bekommen, adstringierende oder desinfizierende Vaginalirrigationen zu verordnen.

Im Laufe der Jahre hat die gynäkologische Elektrotherapie sehr viel von ihrem einstigen Anwendungsgebiet verloren, die operationsbedürftigen Affektionen, Adnexentzündungen, "Uterusblutungen", besonders aber die Myome in den Händen leistungsfähiger Operateure an die Akiurgie, nicht operationsbedürftige chronische Prozesse an harmlosere aber wirkungsvollere Methoden.

Doch muß man letzteren gegenüber gelegentlich mit den Behandlungsmethoden wechseln, und so mag die von Kalabin ausgehende warme Empfehlung der Vagina-abdominalen Anwendung der Elektrizität gegen chronische Oophoritis, resp. Adnexitis (kugelförmige Kohlenelektrode in die Vagina, mit feuchter Watte umwickelt, alle 2—3 Tage eine Sitzung) Erwähnung finden.




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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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