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Atlas der Hautkrankheiten

E. Jacobi, 5. Auflage 1913

 

Hautkrankheiten
Von E. Jacobi.
Krankheiten R bis S.

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Scabies.


Tafel 119, 120.

Scabies

Gelangt ein befruchtetes Weibchen der Krätzmilbe (Acarus scabiei, Sarcoptes hominis) auf die Haut, so gräbt es, um zur Nahrung zu gelangen und die Eier abzulegen, einen zwischen Hornschicht und Rete Malpighii verlaufenden Gang, der an der Eingangsstelle leicht aufgewühlt erscheint, während an seinem Ende die Milbe als weißliches, etwa 2/10 -3/10 mm großes Pünktchen sichtbar ist. Diese Gänge, welche sich am besten erkennbar an den zugekehrten Flächen der Finger und am Handgelenk, bei Kindern auch an Handtellern und Fußsohlen (Fig. 194), sowie am Penis vorfinden, erscheinen als zickzackförmige weißliche Linien, in denen häufig schwarze Pünktchen (Unreinigkeiten, respektive die Fäces der Milbe) durchschimmern. Nicht selten ist die Haut an der betreffenden Stelle in Form einer winzigen Papel, an deren Spitze sich ein Blutbörkchen befindet, infiltriert; in anderen Fällen bildet sich eine Pustel, in deren Decke dann der Gang verläuft. Die Männchen leben nur in oberflächlichen kurzen Höhlen der Epidermis. Alle weiteren Erscheinungen der Scabies sind sekundärer Natur, und zwar zumeist verursacht durch den enormen Juckreiz, welcher beim Graben der Milbe entsteht. Wir finden einmal Veränderungen, welche direkt auf das Kratzen zurückzuführen sind, in Gestalt von Exkoriationen, Kratzeffekten und Ekzemen, andererseits aber infektiöse Prozesse, die durch das Eindringen von Eitererregern in die Epithelläsionen entstehen: Pusteln, besonders häufig bei Kindern, acneartige Knötchen (Fig. 195), gelegentlich auch Furunkel. Bei langer Dauer des Prozesses entsteht, ähnlich wie bei der Pediculosis, infolge des häufigen Kratzens eine dunkle Pigmentation. Unter besonderen, noch nicht näher bekannten Umständen kommt es zu einer außergewöhnlich schweren Form der Scabies, bei der die Haut der meist sehr elenden Patienten starr infiltriert und mit dicken Borken bedeckt erscheint, in welch letzteren sich Milben in sehr großer Zahl vorfinden (Scabies Norwegica).

Scabies

Die genannten Veränderungen finden sich, mit Ausnahme des Gesichtes, am ganzen Körper, mit Vorliebe jedoch an den Achselfalten, den Brustwarzen, in der Gürtelgegend, ferner am Nabel, am Penis, an welchem sich sehr typische rundliche oder längliche Infiltrate bilden, die an ihrer Oberfläche mit einer Kratzborke bedeckt sind (Fig. 196) - sowie an allen denjenigen Stellen, an welchen die Kleidung anliegt, respektive welche durch die Beschäftigung der betreffenden Patienten einem regelmäßigen Druck ausgesetzt sind, z. B. in der Glutäalgegend bei Schneidern und Schuhmachern. Obwohl die Scabies das allgemeine Befinden direkt nicht beeinflußt, kann infolge des besonders abends in der Bettwärme höchst intensiven Juckens eine ungünstige Einwirkung auf den Ernährungszustand beobachtet werden. Weitere Komplikationen in Form von Erysipelen und Phlegmonen sind selten.

Scabies

Übertragen wird die Scabies fast stets unmittelbar durch das Überwandern eines befruchteten Weibchens oder eines Pärchens der Milbe, was in der Regel durch gemeinsame Benutzung eines Bettes geschieht; daher kommt Scabies am häufigsten bei Handwerksburschen, Lehrlingen und Gesellen, sowie schließlich bei Prostituierten vor.

Die Diagnose der Scabies wird am sichersten durch den Nachweis der Milbe - Abtragung eines Ganges mit nachfolgender mikroskopischer Untersuchung oder Herausgraben einer Milbe - erbracht. Nächstdem wird die Lokalisation der Kratzeffekte an den obenerwähnten Stellen, das Vorhandensein länglicher Infiltrate am Penis in vielen Fällen auch ohne direkten Nachweis der Milbe oder ihrer Gänge zur Diagnose genügen. Differentielldiagnostisch kommen andere juckende Erkrankungen, Ekzeme, Pediculosis, Prurigo oder Urticaria in Betracht, die aber alle durch andere Lokalisation, respektive andere primäre Effloreszenzen auszuscheiden sind.

Die Prognose ist absolut günstig, da die Scabies in Kürze mit Sicherheit zu heilen ist.

Die Therapie besteht in der Anwendung milbentötender Mittel, von denen zunächst die Balsamica (Perubalsam, Styrax), rein oder mit Spiritus verdünnt, zu nennen sind; ferner Peruol, Nicotianaseife und Ungt. Wilkinson., mehrere Tage hintereinander anzuwenden. Vielfach verwendet wird die Kaposische 10% ige ß-Naphtholsalbe mit Zusatz von Sapo viridis, von der wenige Einreibungen genügen, um die Scabies sicher zu beseitigen, jedoch ist wegen der toxischen Wirkung und Irritation der Nieren diese Behandlung mit einiger Vorsicht anzuwenden. Gefahrloser ist das Epicarin, ein ungiftiges Naphtholpräparat, welches ähnlich angewendet wird. Eine saubere, rasch und sicher wirkende Behandlung der Scabies ist diejenige mit Ristin, das auch keine Nierenreizung zu bewirken scheint; da das Mittel ganz färb- und geruchlos ist, empfiehlt es sich besonders für die Privatpraxis. Ferner ist zu erwähnen die Schnellbehandlung mit Einpinselung von Sol. Vlemingkx (irritiert heftig, bei stark entzündeter Haut nicht anzuwenden), Anwendung von Schwefelsalben bis zu 30 % u. a. m. Am besten werden die Patienten zunächst mit dem Mittel eingerieben und erst nach einigen Tagen wird ein Seifenbad genommen. Nicht selten bleibt nach geheilter Scabies ein heftiges Juckgefühl zurück, welches durch Anwendung von Teerspiritus oder Teerpasten zu bekämpfen ist. Ebenso ist ein zurückbleibendes Ekzem für sich zu behandeln.

Anm. 194. Moulage der Freiburger dermatologischen Klinik (Vogelbacher). Außergewöhnlich zahlreiche, sehr charakteristische Gänge bei fünfjährigem Kind; daneben die für kindliche Scabies typischen Pusteln.
Anm. 195. Moulage der Freiburger dermatologischen Klinik (Johnsen).
Anm. 196. Moulage der Freiburger dermatologischen Klinik (Johnsen).





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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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