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Atlas der Hautkrankheiten

E. Jacobi, 5. Auflage 1913

 

Hautkrankheiten
Von E. Jacobi.
Krankheiten T bis U.

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Trichophytie.


Tafel 41-45.

Trychophotia annularis (iris).

Unter dem Namen Trichophytie wird eine Anzahl Erkrankungen zusammengefaßt, die durch die Ansiedlung von Hyphomyceten in den hornigen Gebilden der Haut (Haare, Nägel und Hornschicht), bisweilen auch in den tieferen Schichten hervorgerufen werden. Die früher allgemein angenommene Einheit dieser Pilze läßt sich heute wohl nicht mehr aufrecht erhalten, zum mindesten ist ein Pilz, der Erreger der Grubyschen Krankheit (Mikrosporie), die auch klinisch gut charakterisiert ist, nach den Untersuchungen Sabourauds von den anderen Trichophytieerregern streng zu trennen. In Deutschland kommt diese Erkrankung erst seit wenigen Jahren an verschiedenen Orten epidemisch vor und scheint in weiterer Ausbreitung begriffen, bildet dagegen in England und Frankreich den größten Prozentsatz aller Trichophytieen. Die davon befallenen Individuen sind ausschließlich Kinder unter 15 Jahren; der Sitz ist fast allein die Kopfhaut, auf welcher sich mehr oder minder zahlreiche, rundliche bis ovale Herde vorfinden, an denen die Haare wie abgebrochen erscheinen, während die Kopfhaut selbst mit weißen bis grauen, fest anhaftenden Schuppen bedeckt ist, die stellenweise noch von einzelnen Haaren durchbohrt werden (Fig. 73). Dabei sind die entzündlichen Erscheinungen ganz minimal und können sogar scheinbar ganz fehlen; dagegen zeigen die selten auf der Haut des Körpers, besonders am Halse vorkommenden kleineren Plaques regelmäßig einen entzündlichen Rand. Das sehr hartnäckige Leiden pflegt nach Erreichung des 15. Lebensjahres spontan abzuheilen.

Trychophotia profunda.

Bei den Trichophytieen im engeren Sinne ist der Hauptsitz die äußere Haut; hier entstehen unter ziemlich starken Entzündungserscheinungen und meist heftigem Jucken runde Herde, die am Rande entweder einen Bläschenkranz (was die Anwendung des Namens Herpes hervorgerufen haben dürfte) oder aber zentrifugal aufblätternde Schuppen zeigen (Trichophytia annularis, Fig. 67). Während der Prozeß im Zentrum zurückgeht, schreitet er peripher weiter fort und bildet durch Konfluieren benachbarter Kreise serpiginöse Figuren. Im Verlaufe der Erkrankung können im

Trychophotia unguinum.

Zentrum Nachschübe auftreten, so daß ein zierliches Bild konzentrischer Ringe zu stande kommt (Trichophytia iris, Fig. 67). Am häufigsten sind Gesicht, Hals und Hände befallen, doch kann die Affektion sich gelegentlich an jeder Stelle des Körpers lokalisieren. Auf dem behaarten Kopfe und im Barte sind die Erscheinungen die gleichen, nur entstehen hier durch Abbrechen der Haare nahe der Wurzel tonsurähnliche kahle Flecken. Durch ekzematöse Reizung entwickelt sich das als Ekzema marginatum beschriebene Krankheitsbild.

Trychophotia profundae barbae (Sysosis parasitaria).

Während die genannten Erscheinungen durch oberflächliche Ansiedelung der Pilze zu stande kommen, werden bei Einwanderung derselben in die Kopf-, beziehungsweise Barthaarfollikel weit hochgradigere Veränderungen die Folge sein. Bei diesen als Trichophytia profunda (Fig. 68), Sycosis parasitaria (Fig. 70) oder Kerion Celsi (Fig. 71) beschriebenen Erkrankungen, die fast ausschließlich an den stark behaarten Körperstellen vorkommen, bilden sich harte, derbe unregelmäßige Höcker und Knoten, oder auch scheibenförmige Infiltrate (Fig. 72), die von den erweiterten Haarfollikeln und kleinen Abscessen durchbohrt sind und ein eigentümliches wabenartiges Aussehen aufweisen und beträchtliche Ausdehnung gewinnen können. Schließlich gehen die Haare durch Verödung der Follikel dauernd zu grunde und die Affektion heilt sehr langsam, meist unter Narbenbildung.

Trychophotia profunda capillitii (Kerion celsi).

Die Erkrankung der Nägel bei Trichophytie kann unter verschiedenen Bildern auftreten; die Substanz des Nagels ist dabei getrübt, bröckelig, bräunlich verfärbt und in ihrer Form verändert; wir finden Grübchen, Furchen etc. Am Rande lättern die Nägel leicht auf (Fig. 69).

Trychophotia profunda nuchae.

Die Diagnose der Trichophytieen wird in Fällen, wo der Pilznachweis durch Färbung oder durch Mazeration in Kalilauge gelingt, keine größeren Schwierigkeiten machen; die Pilzfäden erscheinen unter dem Mikroskop als doppelt konturierte, glänzende, segmentierte und verzweigte Gebilde. Auch der Kultur-versüch kann zur Sicherung der Diagnose benutzt werden. Da jedoch nicht in allen Stadien der Nachweis der Pilze gelingt, wird das Jucken, die Lokalisation, die Kreisform, der oberflächliche Sitz, sowie das zentrifugale Aufblättern am Rande zu beachten sein. Am behaarten Kopfe und im Barte sind die tonsurartigen Flecke, an denen die Haare wie abgebrochen erscheinen, das matte, oft wie bestäubte Aussehen der erkrankten Haare, besonders bei Behandlung mit Chloroform, diagnostisch zu verwerten.

Trychophotia capillitii (Mikrosporia)

Differentielldiagnostisch käme an erster Stelle Psoriasis in Betracht; bei dieser sind die Schuppen größer, glänzen stärker, nach ihrem Abkratzen tritt in der

Regel punktförmige Blutung ein, auch juckt Psoriasis meist weniger als Tricho-phytie. Gewisse Formen des Ekzems können ähnliche Abgrenzung zeigen, doch wird dieselbe wohl nie so scharf sein; abgesehen davon dürfte das Nässen des Ekzems die Unterscheidung ermöglichen. Syphilide zeigen eine dunklere Farbe und stärkeres Infiltrat; Lupus erythematosus discoides unterscheidet sich von Trichophytie durch die Beteiligung der Follikel sowie durch die narbige Atrophie im Zentrum. Die parasitäre Sycosis des Bartes ist von der nicht parasitären Form hauptsächlich durch die Mächtigkeit der Infiltrate und den tiefen Sitz zu trennen. Favus im Eruptionsstadium macht gelegentlich die gleichen Erscheinungen wie Trichophytie, doch werden bei längerem Bestände sich stets Scutula entwickeln; auf dem behaarten Kopfe können manchmal die beiden Affektionen sehr schwer zu trennen sein, besonders wenn der Favus vorher behandelt wurde, doch ist dies von keiner allzu großen praktischen Bedeutung; zu beachten ist immerhin, daß bei Favus die Pilze gewöhnlich in bedeutend größeren Mengen vorkommen.

Die Prognose der Trichophytieen ist günstig; besonders hartnäckig ist die Erkrankung des Bartes sowie diejenige des behaarten Kopfes.

Therapie: Auf der äußeren Haut gelingt es ohne Schwierigkeiten durch antibakterielle Mittel oder solche, die eine energische Abstoßung der Epidermis herbeiführen, Heilung zu bewirken: Blaulichtbestrahlungen, Jodtinktur, Einreibungen mit Schmierseife oder mit der Kaposischen Naphthol-Krätzsalbe führen bei den vesi-kulösen und squamösen Formen sicher zum Ziel. Von antimykotischen Mitteln werden am meisten gebraucht Chrysarobin, Pyrogallussäure, sowie Sublimat, letzteres 1 % in Benzoetinktur gelöst. Auch der Teer, rein oder in Form des Unguentum Wilkinsonii wirkt sehr nützlich. Schwieriger ist die Therapie der tieferen Trichophytieen: Hier empfehlen sich am meisten zunächst Kataplasmen mit darunter angebrachtem Verband einer 1 % Lösung von essigsaurer Tonerde oder Resorzin; später leisten Chrysarobin, Brookesche Paste oder Kataphorese mit Sublimat gute Dienste.

Stets ist dabei die Epilation vorzunehmen, die bei Trichophytie des behaarten Kopfes die Behandlung einzuleiten hat; danach werden Einreiben mit Chrysarobin-salben, Einpinseln mit Teer oder Teertinktur, Sublimatlösungen oder -salben, Jodtinktur, Schwefelpräparate, Krotonölsalben sowie schließlich Radiotherapie, wenn auch oft erst nach längerer Zeit, die Heilung bewirken; bei der Mikrosporie ist die Röntgenbehandlung die sicherste und rascheste Methode.

Anm. 67. Moulage der Neisserschen Klinik in Breslau (Kröner).
Anm. 68, 70, 71. Moulagen der Neisserschen Klinik in Breslau (Kröner). Anm. 72. Moulage des Hopital St. Louis in Paris. No. 1051. Vidal. Anm. 69. Moulage der Lassarschen Klinik in Berlin (Kasten).
Anm. 73. Moulage der Freiburger dermatologischen Klinik {Vogelbacher). - Seit 3-4 Jahren kommt Mikrosporie in Freiburg sehr häufig vor.






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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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