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Atlas der Hautkrankheiten

E. Jacobi, 5. Auflage 1913

 

Hautkrankheiten
Von E. Jacobi.
Krankheiten T bis U.

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Urticaria.


Tafel 15, 16, 17.

Urticaria

Die Urticaria ist charakterisiert durch das Auftreten von Quaddeln, d. h. von stark juckenden flachen Papeln von weißer, hellroter (Fig. 22), seltener dunkelroter (Fig. 23) bis livider Farbe und sehr wechselnder Größe, die isoliert, gruppenweise oder konfluierend angeordnet sind. Ebenso rasch wie sie auftreten, können die Quaddeln wieder verschwinden, ohne normalerweise Pigmentierungen zu hinterlassen; durch Konfluieren benachbarter Effloreszenzen können serpiginöse Figuren entstehen. Die Ausdehnung der befallenen Hautpartie schwankt außerordentlich; nicht selten ist ein großer Teil der Körperoberfläche gleichzeitig oder durch einander folgende Nachschübe in den Krankheitsprozeß einbezogen. Bei manchen Personen findet sich teils angeboren, teils als Folge einer vorangegangenen Hauterkrankung eine hochgradige Neigung, mit Quaddelbildung auf jeden die Hautoberfläche treffenden Reiz zu reagieren; jeder Kratzstrich wandelt sich in eine quaddelartige Leiste um (Urticaria factitia, Dermographismus).

Urticaria rubra

Im Kindesalter finden sich in häufig wiederkehrenden Schüben auftretende kleine quaddelartige Papeln, untermischt mit echten Quaddeln, die an der Oberfläche öfter ein Bläschen oder Blutbörkchen zeigen (Lichen urticatus oder Strophulus, Fig. 25), eine Affektion, die deshalb besondere Beachtung verdient, weil sie in einer Anzahl von Fällen den Vorläufer einer schweren, meist unheilbaren Hauterkrankung, der Prurigo, darstellt.

Urticaria pigmentosa

Ebenfalls zur Urticaria gehören die akut zirkumskripten Ödeme, auch Riesen-Urticaria genannt, welche nicht nur die Haut, sondern auch tiefere Gewebsschichten befallen, plötzlich auftreten und rasch verschwinden, eine seltene, meist hereditäre Erkrankung.

Urticaria chronicum infantum (Strphulus)

Auch die im Kindesalter auftretende, sehr seltene Urticaria pigmentosa (Fig. 24) ist hier zu erwähnen. Bei dieser hinterlassen die sehr lange persistierenden Quaddeln intensive Pigmentierungen, welche ihrerseits die Erscheinungen der Urticaria factitia zeigen und in der Regel das ganze Leben hindurch bestehen bleiben.

Hervorgerufen wird die Urticaria einmal durch äußere Reize, welche die Haut treffen (Insektenstiche, Brennesseln, Raupenhärchen), wobei die Quaddeleruption durchaus nicht immer auf die betroffene Stelle beschränkt bleibt, andererseits aber, und zwar am häufigsten, vom Magen-Darmkanal aus bei einzelnen Personen durch gewisse Speisen (Fische, Krebse, Früchte, bes. Erdbeeren) oder Medikamente. In der Regel gehen damit einher Störungen der Verdauungstätigkeit, Erbrechen und Durchfälle; Urticaria ab ingestis. Auch innere Erkrankungen, besonders solche, welche Veränderungen der Blutbeschaffenheit bedingen (Leukämie, Diabetes), sind oft von Urticaria begleitet; ebenso können Genitalleiden bei Frauen und Störungen im Verdauungstraktus Urticaria hervorrufen und bei Männern tritt solche gelegentlich im Anschluß an Bougierungen u. ä. auf. Schwangere zeigen öfter während der Gravidität Urticaria factitia, die nach der Entbindung wieder schwindet. Abgesehen von den genannten Formen gibt es eine Anzahl Fälle von chronischer Urticaria, für welche eine Ursache nicht gefunden werden kann und welche ganz besonders hartnäckig zu sein pflegen.

Die Diagnose der Urticaria ergibt sich aus dem typischen Bilde der flüchtigen Quaddeln, sowie aus dem Jucken. Gewisse Arzneiexantheme lassen sich kaum von der Urticaria abtrennen.

Die Prognose ist bei der Urticaria chronica infantum (Prurigo!) mit Vorsicht zu stellen, sonst im allgemeinen günstig, abgesehen von den oben erwähnten Formen chronischer Nesselsucht, bei welchen durch Jucken und Schlaflosigkeit das Allgemeinbefinden in ungünstiger Weise beeinflußt werden kann.

Die Therapie ist nur in solchen Fällen von Erfolg begleitet, wo es gelingt, die Ursache der Urticaria zu ergründen, respektive zu beseitigen; ganz besonders ist auf Verdauungsstörungen und Allgemeinerkrankungen zu achten. Auch Beseitigung eines Leidens der weiblichen Genitalien wird nicht selten eine langdauernde Urticaria zur Heilung bringen. Ist keine Ursache nachzuweisen, so wären Kuren mit Atropin, Arsen, Pilocarpin, Ergotin und eventuell mit Calcium chloratum oder Menthol zu versuchen. Hauptaufgabe der Therapie in solchen Fällen wird die Linderung des oft enormen Juckreizes sein. Opiate sind nur mit großer Vorsicht zu verwenden, eher Hypnotica; auch Antipyrin coupiert gelegentlich die Juckanfälle. In neuerer Zeit werden bei Urticaria Blutwaschungen - Infusion von physiologischer Kochsalzlösung nach vorangegangenem Aderlaß - oder Injektionen von Blutserum gesunder Menschen mit gutem, oft überraschendem Erfolg angewendet, doch haben wir häufig Rezidive beobachtet.

Die äußere Behandlung hat damit zu rechnen, daß die einzelnen Kranken sehr verschieden auf Wärme, respektive Kälte reagieren; erstere wirkt manchmal günstig in Form warmer Bäder oder Duschen, während vielfach Kaltwasserapplikationen von besserem Erfolg begleitet sind. Abgesehen davon sind Waschungen mit reinem Alkohol oder Mentholspiritus, Liquor carbonis detergens-Spiritus oder Teertinktur zu versuchen, auch Tumenol, Ichthyol, Karbolsäure und Bromocoll oder Euguform werden in Salben oder Lösungen mit Erfolg gegen das Jucken angewendet. Jede mechanische Reizung der Haut durch Reiben oder durch das Tragen rauher Leibwäsche ist zu vermeiden.

Anm. 22. Moulage der Neisserschen Klinik in Breslau (Kröner). 30jähriger Mann, leidet seit einem Jahre an chronischer Urticaria.
Anm. 23 und 25. Moulagen der gleichen Klinik.
Anm. 24. Moulage der Neisserschen Klinik in Breslau (Kröner). 2jähriger Knabe, leidet gleichzeitig an Tetanie; Affektion ist über den ganzen Körper ausgebreitet, Hautreflexe übernormal; Urticaria factitia an der ganzen Haut.




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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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27. 5. 1910
Todestag von Robert Koch (1843-1910), bekannt für seine mikrobiologischen Forschungen. Unter anderem entdeckte er die Erreger des Milzbrandes (1876) und der Tuberkulose (1882). Für letzteres erhielt er 1905 den Nobelpreis für Medizin.

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