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Neue Heilwissenschaft

Louis Kuhne, Leipzig 1896

 

Geschlechts-Krankheiten, deren Entstehung, Wesen und Heilung.
Von Louis Kuhne.

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Geschlechtskrankheiten.


Hinweg mit der Prüderie, hinweg mit der falschen Scham, die nur der Schleier unheilvoller Verblendung ist und Übel im Geheimen wuchern und verderbenbringend aufschiessen lässt, die im Lichte der Erkenntnis, im Strahl der reinen natürlichen Vernunft nicht bestehen könnten! Offen und ohne Scheu muss von dem verborgenen Übel der Menschheit, von ihren heimlich gehaltenen Leiden gesprochen werden. Ist doch das Unheil, das gerade die Geschlechtskrankheiten den Menschen beifügen, so verbreitet und so gewaltig, dass es eine Sünde wäre, wenn ich meine Erfahrungen über dieselben verschweigen wollte, zumal ich durch mein neues Heilverfahren in bis jetzt unübertroffener Weise Herr über diese Krankheiten geworden bin. Gerade durch die allgemeine Unkenntnis über das Wesen der Geschlechtskrankheiten und besonders durch deren Behandlung mit Medikamenten wird ein so grosses Elend unter die Menschheit gebracht, dass es schon aus diesem Grunde notwendig erscheint, durch ein offenes Wort aufklärend zu wirken. Dass gerade heute die Geschlechtskrankheiten mehr denn je in so erschreckender Weise um sich greifen, kann füglich nicht bestritten werden, und so ist es namentlich die Syphilis , welche, jährlich hunderttausende von Opfern fordernd, eine Unzahl Leidender in unsagbares Elend stürzt. Die Begründung dafür ist eine sehr einfache.

Die bisherigen Heilmethoden, ausgenommen die Naturheilkunde, stehen der Syphilis machtlos gegenüber. Ihnen gelingt es höchstens, durch Schmierkuren mit Quecksilber u. a. diese Krankheit zeitweilig in einen Latenzzustand zu versetzen und somit einfach nur einen Stillstand der Krankheit hervorzurufen, der leider als eine Heilung ausgegeben und vom Patienten auch als solche geglaubt wird. Aber gerade durch diese Unwissenheit ist entsetzliches Unheil angestiftet worden. Viele solcher angeblich Geheilter haben auf den Ausspruch ihres Arztes hin geheiratet und hinterher es sehr bald an den traurigen Folgen dieser Ehe erfahren, wie falsch sie beraten waren. Im höchsten Grade ist Gesundheit und Leben der Frau gefährdet, sobald sie mit einem Manne zusammenlebt, in dessen Körper Syphilis latent schlummert» Der Geschlechtsverkehr ist ein Verkehr, durch den sich die gegenseitigen Körper-Spannungen in gewissem Grade ausgleichen. So geht auch die latente Syphilis sehr bald in die Frau über und lässt sie an diesem oder jenem Leiden erkranken oder zu Grunde gehen. Die aus solcher Ehe hervorgehenden Kinder sind stets lebensunfähig, weil sie niemals normal entwickelt sein können. Ich wage deshalb zu behaupten, dass das latente oder chronische Stadium der Syphilis weit gefährlicher ist als das akute, denn bei letzterem trägt wenigstens der damit Behaftete ein Aushängeschild, das einem deutlich sagt, woran man ist.

Die Schulmedizin erkennt das latente Stadium der Syphilis bereits an, obgleich sie dasselbe nur dann festzustellen vermag, wenn der damit Behaftete nach jahrelanger Latenzperiode wieder akute Syphilis bekommt; da gesteht die Schulmedizin, weil sie nicht anders kann, ein, die Krankheit habe solange latent in jenem Körper geschlummert. Sprächen die Thatsachen hier nicht in so eklatanter Weise, die moderne Wissenschaft würde auch in diesem Falle nichts von einem chronisch latenten Krankheitszustande wissen.

Durch die Gesichtsausdruckskunde bleibt das latente Stadium der Syphilis auch dann nicht verborgen, wenn solche akute Rückfälle noch nicht eingetreten sind. Aber wir sind dadurch gleichzeitig auch im stande, die Disposition zu allen Geschlechtskrankheiten lange vorher herauszuerkennen, so dass sich in jeder Weise dem gefährlichen Übel vorbeugen lässt. Es sei mir erspart, auf die einzelnen Geschlechtskrankheiten, weisser Fluss, Tripper, Schanker, Bubonen, Feigwarzen, Syphilis, Pollutionen u. dergl., besonders einzugehen. Ich bemerke nur, dass der Name der einzelnen Geschlechtskrankheiten schon deshalb für uns völlig gleichgiltig ist, weil wir genau wissen, dass alle eine gemeinsame Entstehungsursache haben und die Verschiedenheit ihrer Form nur von der Verschiedenheit der Disposition, der Belastung des betreffenden Körpers mit Fremdstoffen abhängt.

Kein Zufall ist es, dass die Natur die Geschlechtsorgane mit den Ausscheidungs-Organen teilweise zusammengelegt hat. Der Organismus ist bestrebt, seine Ausscheidungsprodukte nach diesen Ausgängen hinzuleiten, weshalb dieselben ganz besonders der Sitz und Ablagerungsort der Krankheitsstoffe werden. Ganz besonders bei den Frauen ist das deutlich zu beobachten, und so fällt auch diese Thatsache bei dem Geschlechtsverkehr erheblich ins Gewicht. Es ist nicht zu vermeiden, dass diese scharfen Ausscheidungsstoffe gleichwie eine Salbe vermöge der Aufsaugungsfähigkeit der Haut in den anderen Körper übergehen. Auf diese Weise werden die schlechtesten beim Weibe vorhandenen Stoffe auf den Mann übertragen und umgekehrt. Wenn derselbe also schwerer belastet ist als das Weib, so werden, da sein Zeugungsprodukt aus seinen Säften besteht, dieselben sich dem Weibe einverleiben und auf das Weib wirkend, dasselbe kränker machen.

Noch ein anderer Umstand kommt freilich dazu, zu dessen Klarstellung ich etwas weiter ausholen muss. Der Geschlechtstrieb selber ist zwar eine allgemein bekannte, aber bis jetzt noch ziemlich dunkle, wenig klar gestellte Thatsache. Worin derselbe besteht, darüber äussert sich die moderne Schule wenig, wie derselbe normal ist, noch weniger, und welche Ursachen denselben unnormal machen, am allerwenigsten. Trotzdem findet man aber in ihren Lehrbüchern die Behauptung, dass neben dem Triebe zur Erhaltung des Lebens der Fortpflanzungstrieb gerade der stärkste im Körper ist. Es ist daher geradezu unbegreiflich, weshalb man den zweitwichtigsten Faktor unseres Lebens heute so missachtet, dass man ihn gewissermaassen als etwas unnatürliches, im höchsten Grade unästhetisches und unanständiges ansieht. Gleich allen anderen Trieben, hat auch der Geschlechtstrieb entweder ein normales Stadium oder ein durch Belastung des Körpers mit Fremdstoffen verursachtes krankhaftes, unnormales Gepräge. Gerade an dem Verhalten des Geschlechtstriebes hat man ein sehr genaues Thermometer für den eigenen Gesundheitszustand, besonders für das etwaige latente, chronische Stadium der Krankheiten und für die Wirkung der Lebensweise auf den Organismus. Aus seinem normalen Stadium wird der letztere nur durch den vermehrten Druck und Andrang der Fremdstoffe nach ihren natürlichen Ausscheidungswegen und eine dadurch erhöhte Reizung der Nerven gebracht. Derselbe Druck teilt sich auch dem Geschlechtsapparat mit, erzeugt zunächst einen gesteigerten Geschlechtstrieb, verbunden mit ganz allmählich abnehmender Potenz. Ein normaler Geschlechtstrieb lässt den Menschen völlig frei von jeder störenden Sinnen- und Gedankenlust. Normal ist dieser Trieb also nur bei gesunden Individuen, und normal zu erhalten ist derselbe nur durch völlig reizlose Diät und naturgemässe Lebensweise; unnormal endlich wird er, sobald eine Belastung des Körpers mit Fremdstoffen oder ein chronischer, latenter Krankheitszustand
eintritt.

Geschlechtskrank kann also nur derjenige werden, dessen Körper an und für sich schon mit Krankheitsstoffen belastet ist. So ist es auch erklärlich, warum der eine durch Übertragung des Tripper-, Schanker-und Syphilisgiftes diese Krankheiten bekommt, der andere davon verschont bleibt. Mir sind Fälle bekannt, wo von' zwei derselben Ansteckungsgefahr ausgesetzten Männern der eine völlig frei blieb, der andere dagegen angesteckt wurde.

Auch umgekehrte Fälle kamen mir nicht selten vor.

Ich erinnere mich eines solchen, bei dem ein Weib längere Zeit und nur mit einem Manne und auch dieser wieder nur mit diesem einen Weib geschlechtlich verkehrte. Als der Mann in einen anderen Ort versetzt wurde, übernahm sein Nachfolger auch dieses Weib. Obgleich nun weder der eine noch der andere Mann krank war, auch keiner von beiden nebenbei anderen Verkehr unterhielt, so zog sich der letztere doch nach kurzer Zeit Syphilis zu, während das Weib völlig davon verschont blieb.

Ähnlich wie die Hefe im Brotteig, wirken auch die in den Geschlechtsteilen des einen abgelagerten Krankheitsstoffe Gärung erzeugend auf die Fremdstoffe des anderen, insonderheit wenn die beruhigende, stärkende Wirkung, welchen der Ausgleich des gegenseitigen Magnetismus dabei auf den Körper ausübt, mit in Betracht gezogen wird. Durch diese Wirkung gewinnt der Körper soviel an Lebenskraft, dass er die in ihm befindlichen Fremdstoffe durch eine Heilkrisis, wie sie ein Tripper, Schanker oder Syphilis darstellt, herauszubefördern bestrebt ist. Es werfen diese Erscheinungen auch Licht auf jene häufig vorkommenden Fälle, wo z. B. ein Ehemann, der schon Jahre lang in regelmässigem Geschlechtsverkehr mit seiner Frau lebte, durch einen gelegentlichen Umgang mit einem anderen, angeblich gesunden Weibe, syphilitisch wurde. Der Verkehr der Eheleute hatte nicht diese Wirkung, weil sich die Körper bereits ausgeglichen hatten, dagegen bot die neue Befriedigung einen ganz anderen, nämlich krankheiterzeugenden Ausgleich.

Nur um zu zeigen, auf welche Weise Geschlechtskrankheiten entstehen und inwieweit eine direkte Übertragung des Ansteckungsstoffes möglich ist, habe ich vorstehende Thatsachen hier zum Besten gegeben. Auch nicht im geringsten beabsichtige ich, das Moralische oder Unmoralische des ausserehelichen Geschlechtsverkehrs in irgendeiner Weise zu berühren. Habe ich es doch nur mit der Krankheit, ihrem Wesen, ihrer Entstehung und Heilung zu thun und musste ich jenes Gebiet nur streifen, soweit es zum Beweise erforderlich war.

So kommen wir endlich zu dem schwerwiegenden Schlusse, dass die Geschlechtskrankheiten nichts weiter sind, als Heilkrisen des Körpers, durch welche derselbe die in ihm befindlichen Fremdstoffe herauszubefördern bestrebt ist. Will man hier also heilen, so muss man die Krankheitsursache, die Belastung des Körpers mit Fremdstoffen, beseitigen, wodurch nach und nach alle Folge-Erscheinungen ganz von selbst verschwinden werden. Geradezu unheilvoll ist es, welchen Schaden jener Irrtum der modernen Schulmedizin bringt, wonach durch Einspritzungen, durch Medikamente (unerhörte Gifte, wie Quecksilber in seinen verschiedenen Formen, Jod, Jodkali, Jodoform u. s. w.) gerade dieser Heilungsversuch des Körpers mit aller Macht zurückgedrängt wird. Nur auf Kosten der Lebenskraft des Körpers geschieht dies natürlich, die doch vorher soweit gestärkt war, diese Heilkrisis selbst zuwege zu bringen. Jetzt nach der Einverleibung der Giftmittel wird sie, um den Organismus zu erhalten, zu deren Unschädlichmachung herangezogen und dadurch von ihrem Heilungsbestreben vollständig abgelenkt.

Was die moderne Schule eine Heilung nennt, entpuppt sich also hier als eine das eigentliche Krankheitsstadium weit übertreffende schwere Schädigung des Körpers. Freilich trägt sie das verführerische und seinen wahren Zustand verdeckende Kleid einer schmerzlosen und täuschenden, aber chronischen Latenz, welche, die akuten Erscheinungen des früheren Geschlechtsleidens nicht mehr zeigend, allerdings manchem eine Heilung dünkt.

Solche schwere Irrtümer wage ich mir, auf unwiderlegliche Beweise gestützt, der so sehr gepriesenen medizinischen Wissenschaft vorzuwerfen, wenn ich dabei auch arge Anfeindungen zu gewärtigen habe. Lassen wir jene Beweise folgen.

Wie wir gesehen haben, bedeutet die Unterdrückung der Geschlechtskrankheiten durch Medikamente eine Scheinheilung und keine Besserung, sie ruft in Wirklichkeit eine arge Verschlimmerung des Zustandes hervor. Gelingt es uns früher oder später, vielleicht sogar erst nach Jahren, die durch solche Maassnahmen geschwächte Lebenskraft wieder zu heben, so ist es nicht ausgeschlossen, dass noch einmal alle die unterdrückten Krankheitserscheinungen, wenn auch in milderer Form und vorübergehend wieder zum Vorschein kommen. Das ist bei hunderten von Fällen in meiner Praxis auf das augenfälligste bewiesen worden. Meine ableitenden Bäder gestatten es aber, solche Krankheiten dann derart im Zaume zu halten, dass dieselben vollständig ihr unheimliches, beängstigendes Gepräge verlieren, und wir mit ihnen umgehen können, wie mit geschlagenen Feinden, denen wir gewachsen sind. Leider ist aber diese Erscheinung die Veranlassung geworden, viele solcher Patienten von meiner Kur zurückzuschrecken. Sie glaubten aus irgend welchen schüchternen, thörichten Rücksichten lieber ihre Gesundheit opfern zu müssen, als wieder ihren alten Leiden vorübergehend begegnen zu sollen, weil sie deren Verlauf und die Harmlosigkeit ihrer Wiederkehr nicht kannten. Bedauerlicherweise scheint der Schulmedizin bis heute die Lebenskraft, ihr Wesen und ihre Bedingungen, wie auch die natürlichen Mittel zu ihrer Hebung und Stärkung, ein Rätsel geblieben zu sein. Erst durch die Anwendung von Wasser, Sonne und Naturdiät von seiten scharfblickender, nüchterner Laien, und endlich durch meine Rumpfreibe- und Reibesitzbäder sowie Dampfbäder wurde das Mittel gefunden, die Lebenskraft im Körper in der naturgemässesten Weise wieder anzufachen und zu stärken!

Meine eigenartige Kurmethode ist somit ganz ohne mein Zuthun zu einem unwiderleglichen Zeugnis für die Scheinleistungen der Schulmedizin geworden. Zu Tausenden habe ich gerade solche Patienten zu verzeichnen, die, nachdem sie alle Heilmethoden der modernen Schule ohne Erfolg durchgemacht, ihre letzten Hoffnungen auf mich und meine Krankheitsbehandlung setzten, und die, von mir geheilt, im Laufe der Zeit ein unumstössliches Beweismaterial werden mussten. So kam es auch, dass ich, auf unumstössliche Beweise gestützt, nach langjähriger, mühevoller Praxis und unablässigem Studium gelassen und unbeirrt nicht nur die moderne Schule des oben erwähnten grossen Irrtums zeihen, sondern auch die Welt mit einer neuen, besseren Methode bekannt machen konnte, deren Wirksamkeit im Krankheitsfalle jeder an sich selbst erproben mag.

Alle Geschlechtskrankheiten, namentlich aber die viel und mit vollem Recht gefürchtete Syphilis verlieren bei meiner Methode ihr abschreckendes Gewand. Ohne Überhebung darf ich behaupten, dass diese, für die Schulmedizin unheilbare Krankheit, durch mein Verfahren vollständig heilbar ist wie jede andere Krankheit, ohne dass irgend welche nachteiligen Folgen auf etwaige Nachkommenschaft noch zu befürchten sind. Ausdrücklich betone ich aber, dass nicht jeder Syphilitiker noch heilbar ist, sondern nur die, bei denen sich die Verdauung noch bessern und heben lässt. Kann auch solch eine Kur oft Jahre in Anspruch nehmen, so ist doch die Möglichkeit einer Heilung entschieden vorhanden, ganz entsprechend der Lebenskraft und der Art der Belastung des in Frage stehenden Patienten.

Alle Geschlechtskrankheiten sind, wie schon angeführt, bei ihrem Erscheinen nur. sichere Anzeichen für eine bedeutende Belastung des Körpers mit Fremdstoffen, oder anders gesagt, für eine latent im Körper schlummernde Krankheit. Alle Geschlechtskrankheiten sind aber auch, sofern sie nicht geheilt werden, Vorstadien zu späteren chronischen, meist schlimmeren Krankheiten, die unter den Namen Asthma, Lungenleiden, Tuberkulose, Krebs, Herzleiden, Wassersucht, Gicht u. a. m. allgemein bekannt sind. Wenn nun diese Krankheiten bei den betreffenden Patienten selbst nicht immer eintreten, so rächt sich jene falsche Behandlung leider nur zu oft an der Nachkommenschaft. Manche schuldlose Mutter quält sich mit der Ergründung verbreiteter Krankheitserscheinungen, wie Lungenleiden, Tuberkulose, Skrofulose, englische Krankheit, bei ihren Kindern ab, weil sie die wahre Ursache dieser Krankheiten nicht kennt, sich selber aber nicht beschuldigen kann. Von den geheimen Geschlechtskrankheiten ihres Mannes hat sie natürlich nie etwas zu hören bekommen und auch deren sichere Wirkungen auf die Nachkommenschaft in keiner Weise kennen gelernt. Mit vollem Recht verdient auch hier wieder jener Satz ins Gedächtnis zurückgerufen zu werden, der da heisst: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen", denn die kranke, schwächliche Nachkommenschaft ist ein Spiegel, in welchem wir, ausgerüstet mit meinen neuen Lehren, genau den Zustand der leiblichen Gesundheit der Eltern zur Zeit der Zeugung wiederzuerkennen vermögen.

Wenn wir nun den Verlauf der am meisten verbreiteten Geschlechtskrankheiten, wie weisser Fluss und Tripper, beobachten, so bieten uns deren Erscheinungen ein treffliches Beweismaterial für die Richtigkeit der von mir aufgestellten Krankheitslehren. Unter lokalen Entzündungszuständen befördert der Körper Krankheits- oder Fremdstoffe, Eiter genannt, heraus. Freilich können durch diesen Entzündungsprozess auch zu gleicher Zeit innere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, sofern man nicht versteht, diesen Vorgang für den Organismus gänzlich unschädlich zu gestalten. Allerdings wird dann dieser Vorgang im wahren Sinne des Wortes eine heilende Krisis für den Körper sein. Je mehr Krankheitsstoffe ausgeschieden werden, desto günstiger und reinigender wirkt dies für den betreffenden Organismus. Vor allen Dingen kommt es darauf an, diesen Ausscheidungsprozess für den Körper möglichst schmerzlos, also nicht störend und dabei doch recht vollkommen von statten gehen zu lassen. Durch meine ableitenden Bäder, besonders die Reibesitzbäder, ist dies in zuverlässigster Weise möglich, wobei allerdings, was Zeitdauer einer Heilung anlangt, ganz der jeweilige Belastungszustand des Patienten massgebend ist.

Erinnern wir uns noch einmal an dieser Stelle der von der medizinischen Wissenschaft gegen Geschlechtskrankheiten angewandten "Heilmittel": Scharfe Einspritzungen mit Blei-, Zink-, Quecksilber- und Jodoformauflösungen in die Harnröhre oder Scheide, zur gewaltsamen Zurückdrängung dieses von der Natur in so wohlmeinender Absicht angestrebten Vorhabens. Hieraus allein ist schon die ganze Verkehrtheit dieser Maassregeln und der Irrtum der Schulmedizin ersichtlich. Wunderbar erscheint es, dass sich noch niemand die Frage vorgelegt hat, wo denn nach Unterdrückung des eiternden Ausflusses mit Medikamenten der Eiter wohl bleiben mag, und was derselbe wohl eigentlich für einen Zweck hatte. Bekanntlich thut die Natur nichts ohne ganz bestimmte Ursachen und Zwecke. Natürliche Vorgänge lassen sich nur mit naturgemässen, nicht aber mit naturwidrigen, allen Bedingungen des Lebens zuwiderlaufenden, feindlichen Mitteln unterstützen.

Es ist kein Zufall, dass Irren- und Krankenhäuser, Kliniken und Heilanstalten wie Pilze aus der Erde schiessen. Ist es doch lediglich der verderbliche Irrtum der Schulmedizin, der solche Institute bedingt, eine bedauerliche Thatsache, die da nagt wie der Zahn der Zeit an der Lebenskraft der Menschen. Wären die Leistungen der modernen Schule wirklich hervorragende, so müsste doch eine stete Abnahme jener Anstalten erfolgen.

Den allgemeinen Teil dieses Kapitels beschliessend, möchte ich noch einige Berichte aus meiner Praxis anfügen. Es handelt sich zum ersten um einen etwa 50jährigen Mann, der eines Herzleidens wegen mich konsultierte. Nachdem ich ihm die entsprechenden Ratschläge erteilt und er meine Kur 14 Tage lang gebraucht hatte, fand sich bei ihm ein früher gehabtes Nierenleiden wieder ein und, nachdem dieses geheilt, nach weiteren vierzehn Tagen der Tripper, an dem er vor gerade achtzehn Jahren gelitten. Beide Leiden traten in weit milderer Art als früher auf; innerhalb acht Tagen war auch der Tripper beseitigt und das Allgemeinbefinden dieses Herrn ein ganz erstaunlich besseres geworden. Dabei war sein Herzleiden völlig geschwunden. Im Laufe der Kur erzählte mir nun der Patient, wie er früher zuerst an dem Tripper gelitten und zu dessen Heilung zwei der berühmtesten Professoren hinzugezogen hätte. Ihre Mittel wären denn auch nicht ohne Wirkung gewesen und hätten alle Trippererscheinungen verbannt. Darauf habe er nach Jahren den Tripper noch einmal bekommen, sei ihn aber wieder durch Medikamente schnell los geworden. Erst nach weiteren zwei Jahren sei das Nierenleiden gekommen, das ihm viel zu schaffen gemacht habe, bis es endlich nach Konsultierung von acht bedeutenden Ärzten durch Medikamente wenigstens soweit unterdrückt worden sei, dass es seine beunruhigenden Erscheinungen nicht mehr habe äussern können. Nicht lange darauf begann sein Herzleiden, das bis jetzt noch keinem Mittel gewichen war, vielmehr in Wassersucht überzugehen drohte. Ich erklärte ihm nun, wie sein Tripper nicht geheilt, sondern nur in den Körper zurückgedrängt und auf diese Weise nur das Vorstadium zu seinem späteren Nierenleiden geworden sei, und dieses dann nach ebensolcher Zurückdrängung in den Körper sein Herzleiden herbeigeführt habe, welches endlich ohne meine Kur in Wassersucht geendet haben würde. Von dem Zusammenhang dieser Erscheinungen wurde er durch die Kur völlig überzeugt. Nach viermonatlicher Kur war der Patient vollständig geheilt.

Jetzt möge noch ein Fall von Syphilis Erwähnung finden.

Herr Baron von E., 47 Jahre alt, kam vor einigen Jahren in meine Sprechstunde und teilte mir mit, dass er bereits seit 10 Jahren sehr an Syphilis leide. Er sagte, dass er bereits viermal die Quecksilberschmierkuren der Allopathie bei sehr berühmten Ärzten durchgemacht, auch Jodkali getrunken habe, dass aber trotzdem immer wieder syphilitische Erscheinungen, besonders offene Wunden im Munde und an den Füssen entstanden wären. So habe er alles Vertrauen zur Allopathie verloren, umsomehr, als sein Allgemeinbefinden nach der Quecksilberbehandlung auch nicht mehr halb so gut sei als früher; besonders habe er seit dieser Zeit einen beständigen Druck im Kopfe und nicht mehr das frühere klare Gedächtnis. Durch meine Gesichtsausdruckskunde stellte ich zunächst fest, dass hier die frühere Syphilis noch unverändert im Körper stecke und durch die Quecksilberbehandlung nur in ein latentes Stadium getreten sei, dass aber ferner der Patient bereits sehr erheblich an chronischer Arzneivergiftung leide. Ich verordnete ihm täglich ein Rumpfreibebad und zwei Reibesitzbäder, verbunden mit einfacher, naturgemässer Ernährung. Der Erfolg war ein günstiger, denn schon nach einem halben Jahre hatte sich der Patient völlig umgewandelt. In erster Linie war seine Verdauung eine weit bessere geworden und sein Aussehen wieder ein frisches, blühendes. Mit Hebung der Ursachen war so auch jede Spur von Syphilis geschwunden, die nun auch nimmer wiederkehren wird. Weitere Kurberichte siehe IV. Teil.



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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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