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Neue Heilwissenschaft

Louis Kuhne, Leipzig 1896

 

Herzleiden und Wassersucht, deren Entstehung, Wesen und Heilung.
Von Louis Kuhne.


Herzleiden und Wassersucht.


Die leidende Menschheit hat es mit einer Reihe von Herzkrankheiten zu thun, für deren Behandlung die moderne Schulmedizin je nach den einzelnen Fällen ihres Auftretens die verschiedensten Verordnungen erteilt. Man klassifiziert sie in organische Herz- und Herzklappen-Krankheiten und in Herzsymptome, die von mehr vorübergehenden Ursachen abhängig sind. Wer indessen den Ursachen der Herzleiden unbefangener nachspürt und ihre Erklärung in natürlichen Vorgängen sucht, muss auch hier unzweifelhaft zu der Erkenntnis kommen, dass die Belastung des Herzens mit Fremdstoffen die Quelle aller Herzkrankheiten bildet, dass also eine Einteilung des Leidens in verschiedene Arten vollständig unnütz ist. Nur von der Anlage des Herz-Organs selbst, von seiner mehr oder minder entwickelten Fähigkeit schädlichen Einflüssen Widerstand zu leisten, hängt die Schwere des einzelnen Falles ab. Liegt beispielsweise eine linksseitige Belastung vor, so ist damit den Herzleiden weit mehr der Weg zur Entfaltung gewiesen, als im entgegengesetzten Fall. Schwache Ausbildung des Herz-Organs, vielleicht schon durch erbliche Veranlagung herbeigeführt, ist natürlich der eintretenden Belastung nicht gewachsen.

Solche allgemeine Belastungs-Erscheinungen zeigen sich auch bei einer Belastung des Herzens. Nicht nur die umliegenden Körperpartieen weisen eine vermehrte Belastung mit Fremdstoffen auf, oft in Form von Verfettung, sondern die Muskeln des Herzens sind selber, oft derartig mit Fremdstoffen durchsetzt, sind gewissermaassen verschwollen, dass eine normale Funktion desselben zur Unmöglichkeit wird. Es ist dazu durchaus nicht erforderlich, dass der Umfang der Herzmuskeln grösser wird, die Belastung der Muskelgewebe geschieht vielfach so, dass nur ein Härter-, ein Gespannteroder Festerwerden derselben eintritt. Bei diesem Zustande der Muskeln werden selbige funktionsunfähiger. Ein jeder weiss, wie bei einer Geschwulst der Haut die Spannung und das Straffwerden derselben hemmend und hindernd besonders auf die bewegenden Funktionen des gesamten Körpers wirkt. Auch bei dem Herzen macht sich diese Muskelbelastung in einer unregelmässigen Thätigkeit bemerkbar. Sobald nun eine vermehrte Arbeitsleistung vom Herzen verlangt wird, so bei einem Schreck oder sonst bei einem unerwarteten und aufregenden Ereignis, ebenso bei stärkerer Körperthätigkeit, also in Fällen, wo eine vermehrte Blutzufuhr nach dem Herzen eintritt, dann fühlen wir besonders deutlich, dass es seinen Dienst nicht vollkommen verrichten kann. Es stellen sich Herzklopfen, Beängstigungen, Blutstockungen, Lähmung, Atemnot u. s. w. ein. Ein besonderer Schmerz ist zumeist nicht damit verbunden, wohl aber ein beständiges oder zeitweiliges dumpfes Empfinden, ein Druck, oder das Gefühl, als befinde sich am Herzen und dessen Umgebung etwas, was nicht dahin gehöre.

Die gleichen Ursachen liegen auch den Störungen der Herzklappen-Funktionen zu Grunde. Diese Hautlappen vermögen bei einem gewissen Grade ihrer Belastung das ihnen obliegende Schliesseramt nicht mehr genügend zu versehen, weil ihre Schliessflächen derart durch Anhäufungen von Krankheitsstoffen entformt sind, dass sie nicht mehr auf die Herzkammeröffnungen passen. Ausserdem kann aber auch, auf derselben Ursache beruhend, ein Herzklappenfehler durch Umgestaltung der Schliessflächen an den Herzkammeröffnungen entstehen.

Was die nervösen Herzleiden betrifft, so möchte ich dieselben eine ganz besondere "Erfindung" nennen. Kann doch, wie ich bereits im Kapitel über Nervenkrankheiten gründlich dargelegt habe, überhaupt kein Organ krank sein, ohne dass dabei dessen Nerven nicht ebenfalls krank wären! Es zeigt von einer tiefen Verkennung der Natur und ihrer Gesetze, glauben zu wollen, dass die Nerven völlig gesund seien, und nur dieses oder jenes Organ erkrankt, oder dass der ganze Körper kerngesund sei, nur die Nerven nicht. Für mich ist diese Anschauung eine überwundene. Wir wissen heute auf das bestimmteste, dass alle die vielen verschiedenen Herzkrankheiten mit ihren hundert verschiedenen Namen, ihrem verschiedenen Aussehen und ihren verschiedenen äusseren Erscheinungen, gleichwie die verschiedenen Pflanzen und Blumen einer Wiese, nur einen einzigen gemeinsamen Ursprung haben, dass ihre Entstehung auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen ist, nämlich auf die Belastung des Körpers mit Fremdstoffen.

Hierzu möchte ich einiges über das Auftreten der Wassersucht sagen. Bei linksseitiger Belastung häufig in Verbindung mit einem Herzleiden auftretend, kann man mit voller Berechtigung sagen, dass das Herzleiden meist ein Vorstadium der Wassersucht ist. Diese ist überhaupt immer erst das Endstadium vorangegangener anderer, ungeheilter Krankheiten. Das Vorhandensein von Fremdstoffen bei der Wassersucht wird wohl jedem ohne weiteres einleuchten, denn das Wasser, wie es sich bei der Wassersucht im Körper zeigt, ist das durchaus fremdartige Produkt eines kranken Körpers. Es geht daraus auf das deutlichste hervor, dass der Körper dabei überhaupt weder ein normales Blut zu erzeugen, noch das vorhandene genügend zu reinigen vermag. Was ist die natürliche Folge? Die blutbildenden Säfte müssen unter dem Einfluss der Fremdstoffe immer mehr in eine Zersetzung übergehen und Form und Gestalt ändern. Bei keiner anderen Krankheit ist der Prozess des Entstehens und Zersetzens der Stoffe im Körper, sowie die dadurch entstehenden Formveränderungen so deutlich zu beobachten, als gerade bei der Wassersucht. Vor einiger Zeit konsultierte mich einer jener wassersüchtigen Patienten, dessen Körper so voll Wasser war, dass er einem aufgeblasenen Gummischlauch glich. Der innere Druck des Wassers war so stark, dass dieses fortwährend durch die Haut der Beine quoll, und überall, wo der Patient gesessen hatte, hinterliess er deutliche Wasserspuren. Das Merkwürdigste dabei war aber noch folgendes. Der Patient, Butterhändler von Beruf, hatte alle Tage viel Butter kosten müssen. Das durch die Beine ausgeschiedene Wasser roch dergestalt nach Butter, dass gar kein Zweifel über dessen Herkunft bestand. Die früher jeden Tag ohne andere Zusätze, wie Brot u. s. w., zu sich genommenen, nicht unbedeutenden Quantitäten Butter hatte sein Magen nicht genügend zu verdauen vermocht, die Butter blieb immer mehr und mehr unverdaut und wurde Fremdstoff im Körper, woselbst sie sich zunächst, da der Mann auf der linken Seite zu schlafen gewöhnt war, als linksseitige Belastung geltend machte. Schliesslich traten Fettablagerungen im und am Herzen und auch im ganzen übrigen Körper ein. Aus diesem Grunde hatte sich ein langwieriges Herzleiden eingestellt. Zuletzt gingen die Fremdstoffe in einen noch weiteren Zersetzungs- oder veränderten Zustand über und wurden nun als Wasser sichtbar.

Das Herzleiden dieses Patienten hatte alle Abstufungen und Stadien durchgemacht. Zuerst hatte man es Herzklopfen, dann nervöses Herzleiden, hinterher Herzverfettung genannt, wozu sich endlich noch ein Herzklappenfehler gesellte. Darauf trat Herzbeutel Wassersucht ein, die dann in allgemeiner Wassersucht endete. Der Patient hatte alle Heilmethoden angewandt, kam dann schliesslich, als es leider schon zu spät war, zu mir, um meine Kur zu gebrauchen. Indessen war er bereits unfähig, dieselbe auszuführen. Man hatte ihn mit Arzneien und Giften aller Art behandelt und in bewundernswerter Weise nicht nur jedem Stadium seiner Krankheit einen besonderen Namen beigelegt, sondern auch für jedes ein besonderes Mittel gehabt.

Die Ursache der Wasserbildung im Körper ist ein gewisser brandiger Zustand im Unterleibe, den der Kranke meist gar nicht spürt, weil er latent ist, nur das Wasser, welches Atemnot und Herzbeklemmung verursacht, belästigt ihn. Beginnt aber der Körper gegen die Krankheit zu reagieren, und vermag man seine Lebenskraft wieder anzuregen, so kommt auch der vorher chronisch latente, brandige Entzündungszustand akut zu Tage. Ist der kranke Zustand des Patienten bereits ein weit vorgeschrittener, so wird er durch diesen Brand im Innern so schwach, dass seine völlige Heilung nicht mehr durchzuführen ist — er verbrennt innerlich. Ist die Lebenskraft indessen noch stark genug, um über die Krankheit Herr werden zu können, so gelingt es ihr auch, jene grosse Entzündung aus dem Körper herauszuschaffen. Zum besseren Verständnis dafür will ich das an zwei Fällen aus meiner Praxis erläutern.

Aus fernem Lande kam eines Tages ein Herr zu mir, der bereits seit Jahren an Wassersucht litt und auf allopathischem Wege keine Hilfe finden konnte. Die Beine waren vom Wasser zu doppelter Stärke angeschwollen, ebenso der Leib. Trotzdem klagte der Patient nur über Atemnot beim Liegen und Schwere in den Beinen, konnte indessen noch ganz gut gehen. Ich erklärte seinen Zustand als einen schon zu weit vorgeschrittenen, um noch eine Heilung erzielen zu können, weshalb ich es, so führte ich weiter aus, lieber sähe, wenn er meine Kur überhaupt nicht anfinge. Der Kranke bestand indessen konsequent darauf, die Kur machen zu wollen, und so begann er, von besten Hoffnungen beseelt, trotz meines Abratens mit derselben.

Über alle Maassen gut ging es in den ersten beiden Wochen. Reichliche Schweisse und starke Ausleerungen hatten das Wasser in der That auffallend rasch beseitigt, so dass der Patient überglücklich war. Bis jetzt hatte sein Körper nur das Produkt der Krankheit, nämlich das Wasser herausgeschafft, während er nun an die Beseitigung der Ursache der Wasserbildung ging. Diese Ursache war aber der im Innern bis dahin latente Brand. Die Heilung konnte der Körper nur auf einem Wege bewerkstelligen, indem er den kalten latenten Brand in einen hitzigen, akuten umwandelte. Hat ein Körper noch die hierzu erforderliche Lebenskraft, so schafft er bei dieser Umwandlungskrise die diesen Zustand bedingenden Fremdstoffe heraus, worauf dann eine Heilung eintritt. Im anderen Falle verbrennt er innerlich. Bei meinem Patienten trat nun, wie ich vorhergesehen, der letztere Fall ein. In der dritten Woche begann die Umwandlung des latenten Brandes im rechten Bein, das sich infolgedessen immer mehr und mehr entzündete, bis sich schliesslich eine offene Wunde von den Zehen bis auf die Mitte des Schienbeins bildete, welche bereits am zweiten Tage ein völlig schwarzes Aussehen bekam. Der Brand, welcher vorher im Innern verborgen gewesen, war dadurch nach aussen geschafft, was dem Kranken natürlich bedeutende Schmerzen verursachte. In der vierten Woche löste sich dann das Schwarze von der Wunde wie eine dicke Haut ab, und die Wunde begann wieder zu heilen. Jetzt aber nahm die innere Hitze des noch immer ziemlich korpulenten Mannes täglich zu, ein sicheres Zeichen für die fortgesetzte Umwandlung des im Leibe befindlichen latenten Brandes. Ein verzehrender Durst war die erste Folge davon. Trotz aller Ableitung jener grossen Hitze gelang es doch nicht, Herr des Brandes zu werden, deutlich bemerkbar an der zunehmenden Schwäche des Kranken. Die Kräfte zum Baden erlahmten bald, und so trat, nachdem am 29. Tage Bewusstlosigkeit hinzugetreten, am 30. der Tod ein. Nur infolge der zu grossen innerlichen Hitze war dieser Kranke eingegangen.

Ein anderer Kurbericht, der ein recht günstiges Endresultat zu verzeichnen hat, sei mir dann noch anzuführen erlaubt. Es handelt sich dabei um einen Patienten, der seit längerer Zeit stark wassersüchtig war, der aber glücklicherweise infolge seiner homöopathischen Behandlung noch wenig Medikamente eingenommen hatte. Innerhalb dreier Wochen verlor er, mein Verfahren anwendend, das Wasser, wonach sich in der vierten Woche im Innern eine grosse, von merkwürdigen Erscheinungen begleitete Hitze einstellte. Am zweiten Tage der vierten Woche begannen nämlich kohlschwarze, pestilenzialisch stinkende Kotausleerungen unter cholera- und ruhrartigen Symptomen. Diese Ausleerungen dauerten drei Tage lang. Niemand von den Angehörigen konnte sich den Vorgang erklären, alle waren um so bestürzter darüber, als der Kranke nur wenig Nahrung zu sich genommen hatte. Diese Thatsachen berichtend, kam die Frau des Kranken in grosser Besorgnis zu mir. Ich erklärte ihr, dass jetzt ihr Mann gerettet sei, weil durch diese Krise der Körper den inneren latenten, kalten Brand nicht nur umgewandelt, sondern auch die diesem zu Grunde liegenden, seit Jahren in ihm abgelagerten Fremdstoffe, herausgeschafft habe. Der Kranke, durch diese Krise zwar recht ermattet und ausserordentlich abgemagert, nahm aber bald wieder zu und erholte sich täglich mehr. Heute ist er wieder so gesund wie vor zwanzig Jahren, und keine Spur von Wasser hat sich bei ihm jemals wieder gezeigt. In diesem Falle hatte der Körper die Umwandlung des kalten, latenten Brandes glücklich überstanden.
Alle Herzleiden und die Wassersucht haben also, wie wir nun gesehen haben, mit allen anderen Krankheiten die gemeinsame Ursache, und es sei mir nur noch gestattet, einige Worte zur Heilbarkeit dieser zwei Krankheitserscheinungen hinzuzufügen. Gelingt es, die Belastung zu heben, so sind beide Leiden beseitigt. Herzleiden schliessen meist, wie ich schon am Anfange ausführte, eine linksseitige Körperbelastung in sich ein. Alle linksseitigen Belastungszustände sind aber, wie ich in meiner Praxis genugsam beobachtet habe, weit schwerer zu heben als die rechtsseitigen, wenigstens gehört fast immer eine längere Zeitdauer dazu. Auch schwitzen linksseitig Belastete viel schwerer als rechtsseitig Belastete. Wassersucht ist nur dann noch wirklich heilbar, wenn der betreffende Patient bei strenger Durchführung meiner Kur an den wassersüchtigen Körperstellen gehörig zum Schwitzen kommt. Dann ist es möglich, dass das Wasser und die übrigen Fremdstoffe zur Ausscheidung gebracht werden und eine normalere Verdauung wieder Platz greift. Wassersucht ist aber nicht mehr heilbar, wenn die Lebenskraft des Körpers bereits so gering ist, dass sie nicht mehr zur Herausschaffung der Fremdstoffe ausreicht, es lässt sich dann vor allen Dingen die Verdauung nicht mehr dauernd heben.

Auch hier möchte ich wieder auf meine neue Untersuchungsart, die Gesichtsausdruckskunde, hinweisen, sie bietet uns ein sicheres Mittel, lange vorher das Herannahen der Wassersucht zu beobachten. Gestützt auf diese neue Wissenschaft, brauchen wir nicht erst abzuwarten, bis Krankheiten soweit vorgeschritten sind, dass sie als unheilbar gelten müssen, sondern wir beginnen bereits in demjenigen Zeitabschnitte mit einer eingehenden Kur, in dem das Krankheitsstadium uns noch eine völlige und leichte Heilung gestattet.

Immer nur wieder durch die Praxis kann der Beweis für die Richtigkeit des Gesagten erbracht werden, und so führe ich noch nachstehenden interessanten Fall schweren Herzleidens, verbunden mit Wassersucht und Lepra (oder auch Aussatz genannt), an.

Dieser Fall betrifft einen Herrn J. F. R. aus Batavia, Insel Java, der daselbst 24 Jahre ein Exportgeschäft geführt und sich während dieser Zeit einer nach seinen Aussprüchen zufriedenstellenden Gesundheit erfreut hatte, wenn ihn auch zeitweiliges Fieber, böse Augen und wunde Beine plagten. Für uns genügen diese Erscheinungen, um zu sagen, dass der Körper nicht gesund, sondern stark mit Fremdstoffen belastet war, welche bald an dieser, bald an jener Stelle des Körpers sich ablagerten und bei der dort herrschenden tropischen Hitze leichter als in unserm gemässigten Klima zum Gären kamen, also einen akuten Krankheitszustand bewirkten. Für die Richtigkeit dieser Behauptungen giebt uns der weitere Verlauf dieser höchst interessanten Krankheitserscheinungen die schlagendsten Beweise. Im November 1879 hatte Herr R. in der Nähe des linken Ohres am Hinterkopf ein starkes Neunauge bekommen, dessen Krankheitsstoffe, durch medizinische Gifte unterdrückt und in den Körper zurückgedrängt, sich schliesslich in anderer Form wieder bemerkbar machten, indem ein Finger sehr stark anschwoll und viel Eiter absonderte, wobei sogar ein Stückchen Knochen herausschwor.

Kaum war der Finger heil, so stellte sich ein abnormer Blutabgang durch den Darm ein, ein sicheres Zeichen dafür, dass im Innern Hämorrhoidalknoten zum Aufgehen gekommen waren. Es währte nicht lange, so entstand eine offene Wunde am linken Fuss, welche längere Zeit offen blieb und eiterte.

Kalte Hände und Füsse, kalte Schweisse, öftere Fieberanfälle waren auch bei Herrn R. beständig vorhanden, alles Erscheinungen, die auf eine tiefere Krankheits-Ursache hindeuteten. Im Februar 1882 stellte sich ein stärkeres Fieber ein, welches, mehrere Tage andauernd, schliesslich so gefährlich wurde, dass ihm sein Hausarzt, der die Krankheit für Leprose hielt, eine Reise nach Europa dringend anriet. So reiste denn Herr R. am 13. April 1882 aus Batavia ab und konsultierte, in Europa angelangt, Professor J. in Basel, welcher, Erhitzung des Blutes konstatierend, ihn in das Bad Krankenheil bei Tölz in Ober-Bayern schickte und ihn an Dr. med. H. daselbst empfahl. Während der dortigen Kur bekam Herr R. auf dem rechten Vorderarm einen roten Fleck, der trotz Einreibens mit Sublimat nicht fortging. Wenn sich auch Herr R. nach Beendigung dieser Kur etwas frischer und elastischer fühlte, so bekam er doch im Herbst weit mehr rote Flecken am Körper. Der chronische Fieberzustand wurde also noch grösser. Im April 1883 trat er seine Rückreise nach Java an und verlor, hervorgerufen durch das warme, Schweiss erzeugende Klima der Tropen, die roten Flecken. Im Mai in Batavia angelangt, stellte sich sehr bald ein Herzleiden ein, verbunden mit starkem Fieber, so dass er von neuem ärztliche Behandlung suchen und schliesslich im Mai 1885 auf längere Zeit wieder nach Europa zur Kur reisen musste.

So hat denn die Behandlung im Bade Krankenheil die Krankheitsursache des Herrn R. nicht im geringsten aus seinem Körper herausgeschafft, das bewies deutlich der neue Krankheitsausbruch nach seiner Rückkehr in die alte Heimat. Durch seinen Aufenthalt in dem kühleren Klima Europas war allerdings sein Krankheitszustand in ein chronisch latentes Stadium getreten, das ihm weniger fühlbar war und seltener akute Zustände mit sich brachte, das aber, sobald er wieder in die tropische Hitze kam, von neuem akut wurde. Sein Arzt freilich hielt jene durch den Klimawechsel hervorgerufene, scheinbare Besserung seines Zustandes für eine den Umständen nach genügende Heilung.

Nach seiner Rückkehr nach Europa siedelte sich Herr R. in Freiburg in Baden an und lebte ganz seiner Kur, beraten von seinem Hausarzte und dem Geheimen Hofrat Dr. med. N. Im Herbste traten wiederum die roten Flecken überall am Körper auf und zwar weit heftiger als im Jahre 1882, ein sicherer Beweis für die weiter zugenommene Belastung des Körpers. Da den behandelnden Ärzten sowohl das Wesen des scharlachähnlichen Ausschlages, als auch der übrigen Krankheitserscheinungen rätselhaft war, erklärten sie Herrn R., man müsse die Heilung der Natur überlassen. Hatte doch ein von ihnen angeratener Besuch im Soolbad Rheinfelden im Jahre 1886 recht bösartige Verschlimmerungen zur Folge gehabt. Die Krankheit wurde jetzt allmählich wieder chronischer. Dazu kam, dass diese körperlichen Leiden auch die Gemütsstimmung des Kranken ungünstig beeinflussten. Er befand sich in jenem Zustand elender Verfassung, in den wohl jeder gerät, der überall vergeblich Hilfe sucht, und welcher die Quelle von Melancholie, Schwermut, Verzagtheit, Mutlosigkeit und von Lebensüberdruss bildet. Daher konnte es nicht Wunder nehmen, dass der Patient, der bis Ende des Jahres 1888 sein Leiden erfolglos von berühmten Ärzten behandeln liess, geradezu verzweifelte. Aus dem bis dabin noch hoffnungsvollen Manne ward ein lebensmüder, unleidlicher und gebrochener Greis.

Dringende Geschäfte nötigten Herrn R., am 19. Januar 1889 wieder nach Java zurückzureisen. Sein Leiden war jetzt bereits so chronisch geworden, dass selbst die tropische Sonne die seit drei Jahren bestehende Unfähigkeit des Körpers zu schwitzen nur um ein geringes zu heben vermochte. In Batavia angekommen, wurde sein Zustand wieder akuter. Es stellte sich von neuem das frühere Herzleiden mit grösserer Heftigkeit ein. Seine Kräfte nahmen bei zunehmendem Fieber immer mehr ab, auch war bereits Wasser in die Beine getreten. Ausserdem erklärten die dortigen Ärzte seine Krankheit bestimmt für Leprose, zumal bereits bei seinem letzten Aufenthalte in Europa von dem berühmtesten Lepra-Specialisten Europas Lepra-Bazillen in Menge vorgefunden wurden. Dieser Umstand gab den Ärzten in Batavia Veranlassung, im Interesse der Volksgesundheit und wegen der Furcht vor Ansteckung dem Herrn R. schleunigste Fortreise zu raten, wenn er nicht vom Verkehr mit den anderen ausgeschlossen werden wolle. So schiffte sich denn Herr R. am 19. Dezember 1889 nochmals nach Europa ein. Die Reisebegleiter des Herrn R. hielten es für unmöglich, dass er lebend in Genua eintreffen werde. Die kühlende Seeluft wirkte indessen stärkend auf seine Lebenskraft, und so erreichte er glücklich Europa. Sein Zustand, zuletzt akut, wurde nun wieder ein mehr chronisch latenter. Seine Freiburger medizinischen Ärzte waren betreffs seiner Heilung absolut ohne Hoffnung.

In diesem jammervollen Zustande wurde Herr R. von seinem alten Freunde W. in Leipzig, mit dem er früher jahrelang auf Java zusammengelebt hatte, auf mein Heilverfahren aufmerksam gemacht. Am 20. März 1890 reiste er nach Leipzig, und am 24. desselben Monats trat er ziemlich hoffnungslos in meine Behandlung.

Gerade der Krankheitsverlauf des Herrn R. bietet für die Richtigkeit meiner Lehren ein treffliches Beispiel und bestätigt auch meine Gesichtsausdruckskunde auf das augenfälligste. Ich liess deshalb auch von seinem Körper untenstehende Aufnahmen nach der Natur anfertigen. Sein Körper war durch die Fremdstoffe ganz enorm verändert. Von einem Hals, der ausserdem noch einen grossen Kropf zeigte, war wenig zu sehen, weil derselbe gleichsam im Rumpf steckte und keine richtige Halsabgrenzung mehr bemerken liess (vgl. Fig. 1). Über der Stirn lagerte eine dicke, 2 cm starke "Wulst. Die Augen waren völlig verschwollen, wie der Kopf überhaupt ganz bedeutende, abnorme Polster von Krankheitsstoffen aufwies. Das rechte Bein, in der Mitte der Wade stark brandig, enthielt sowohl im Fusse und Knöchelgelenke, als auch oberhalb derselben Wasser, so dass Herr R. das Bein nur mit Mühe gebrauchen konnte. Die Ablagerungen der Fremdstoffe im Rumpfe waren proportional denjenigen an Hals und Kopf. Die Verdauung lag völlig danieder, Darm und Nieren funktionierten auf das unregelmässigste. Sein Herzleiden gönnte ihm Tag und Nacht keine Ruhe, Beängstigungen und Beklemmungen waren tägliche Genossen. Füsse und Hände waren eiskalt und von dunkler, bläulicher Färbung.


Fig. 1.

Fig. 2.

Mit meinem Verfahren beginnend, liessen die günstigen Wirkungen nicht lange auf sich warten. Die Verdauung besserte sich bald. Stuhl, früher nur mit Klystieren erzwungen, sowie Wasserlassen wurden bereits am dritten Tage regelmässig. Der Urin, früher stets hell und klar, wurde jetzt trübe und molkig, sichtbar geschwängert mit einer Menge von Fremdstoffen. Bereits am zweiten Tage fühlte sich der Patient erleichtert und frischer, aber er verspürte auch eine gewisse Müdigkeit, hervorgerufen durch die starken Ausscheidungs-Arbeiten des Organismus. Auch das Schwitzen begünstigte den Fortschritt sehr. Eine sichtbare Veränderung seines Körperäusseren trat sehr bald ein, zumal der Ausscheidungsprozess bei ihm unerwartet schnell vor sich ging.

Interessant war es, wie der brandige, 4 Zoll breite, zuerst dunkelbraune, später blaurote Gürtel um die Wade sich völlig auflöste und zwar in Form von Wasser, wobei zugleich der Umfang des Beines zunahm. Das rechte Bein hatte schliesslich eine ausserordentliche Dicke aufzuweisen. Dieser Vorgang war für die Veränderungs- und Zersetzungsfähigkeit der Fremdstoffe recht bemerkenswert.

Schwer war die Krisis, die so über den Patienten hereingebrochen, wenn ihm auch seine noch starke Lebenskraft dabei sehr zu Gute kam. Wiewohl er sich nicht viel bewegen konnte, so schwitzte er doch nach meinen Bädern stets gehörig an den wassersüchtigen Stellen, ein Beweis für die günstige Reaktionskraft seines Körpers. In 4 Wochen war alles Wasser aus seinem Körper ausgeschieden. Von nun an ging der Heilungs-Prozess ausserordentlich schnell vor sich. Täglich fühlte er sich jünger und frischer, und nach viermonatlicher, mit einigen Heilkrisen begleiteten Kur hatte er sich auch in seinem Ausseren dergestalt verändert (siehe Fig. 2), dass man ihn kaum wieder erkannte. Sein Herzleiden und die Wassersucht waren völlig verschwunden und wirklich geheilt. Seine Lebensmüdigkeit hatte einer heiteren Stimmung, einem frohen Lebensmute Platz gemacht.

Diesen glücklichen Kur-Erfolg hielt man in Batavia für unmöglich; man schrieb, dass man den Patienten nur dann wieder nach Java lassen würde, wenn derselbe wirklich frei befunden worden sei von Lepra-Bazillen. Aus diesem Grunde liess sich Herr R. in Hamburg bei dem dort weilenden berühmten Lepra-Spezialifeten, der ihn auch früher schon untersucht und behandelt hatte, auf Lepra-Bazillen untersuchen, und die fast 4 Wochen währende Untersuchung brachte das freudige Ergebnis, dass er jetzt völlig frei von Lepra-Bazillen sei. Noch heute befindet sich Herr R., der 1892 nach Java zurückkehrte, in bester Gesundheit, keines seiner Leiden ist jemals wiedergekehrt.

So bietet auch dieser Fall wieder einen trefflichen Beleg für die Schwachheit der schulmedizinischen Wissenschaft, ihrer Diagnose und ihrer Behandlung. Wurde doch wieder ein von den einschlägigen Autoritäten aufgegebener Patient durch mein Verfahren noch gerettet, zu seinem Wohle, dem seiner Familie und seiner Freunde!



Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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