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Neue Heilwissenschaft

Louis Kuhne, Leipzig 1896

 

Orientalischer Aussatz, Lepraseuche, Lepra, deren Entstehung, Wesen und Heilung.
Von Louis Kuhne.

Seite: 1/3[ Lepra | Differentialdiagnose | Lepra-Kurberichte ]Weiter (Differentialdiagnose)

Lepra


Lepra, von der sich in unserem gemässigten Klima nur wenige eine Vorstellung machen können, ist eine furchtbare Plage der Tropen. Bis jetzt waren die von ihr Befallenen fast immer unmittelbar dem Tode geweiht, da sich bisher kein Mittel zu ihrer Heilung gefunden hatte. Von dem Umgang mit der Welt ausgeschlossen, in entlegenen Orten, meist auf Inseln, in abgeschlossenen Hospitälern untergebracht, sahen sie ihrem qualvollen Ende entgegen. Aus Furcht vor Ansteckung werden die Aussätzigen allerorten aus ihren Familien, ja aus ihrer Heimat verbannt und an abgelegene Orte gebracht, wo sie fast ganz sich selbst überlassen sind. Man bringt ihnen höchstens von Zeit zu Zeit Nahrung, meidet aber auch dabei jede weitere Berührung mit ihnen.

In unserem gemässigten Klima kommt die Lepra selten vor, sondern es bilden sich aus denselben Ursachen wie in den Tropen die Lepra, Wassersucht und Gicht. So gut wie die Dattelpalme nur in den Tropen gedeiht und Eichen nur bei uns wachsen, trotzdem ihnen dieselbe Sonne, dasselbe Wasser, derselbe Boden zur Verfügung steht, so gut ist auch die Lepra ein Produkt des heissen Klimas.

Man unterscheidet nasse und trockene Lepra. Bei ersterer verwest der Körper in einem oft jahrelangen, ununterbrochen quälenden Stadium, bis schliesslich, wenn die Krankheit zu weit vorgeschritten ist, der erlösende Tod eintritt.

Die Erscheinungen der trockenen Lepra sind dergestalt, dass sich genau wie bei der nassen, unter zunehmend schlechter werdender Verdauung an den äussersten Körperteilen, vor allem an Händen und Füssen, allmählich dunkle (brandige) Flecke bilden, sichere Anzeichen eines inneren, sehr starken Fieberzustandes. Sodann schwindet zuerst zwischen den Gelenken der Finger und dann auch an den übrigen Körperteilen alles Fleisch, bis schliesslich nur die kahlen Knochen und die Gelenke übrig bleiben. Der Körper vertrocknet genau so wie ein Baum, er wird mumienartig. Die übrig gebliebenen Knochen und Gelenke erscheinen dann meist etwas aufgetrieben. Dieser Fleischschwund schreitet immer weiter fort, bis jene Unglücklichen nur noch reinen Gerippen ähneln und völlig kraftlos sterben.

Die der Allgemeinheit bis jetzt unbekannt gebliebene Entstehungsursache und das Wesen dieser fürchterlichen Seuche sowie ihr Vorkommen gerade in den Tropen, ist mir und allen denen, die meine Krankheitslehren genau studiert haben, nichts Rätselhaftes mehr.

Auch der Lepra liegt die gleiche Ursache zu Grunde wie den anderen Krankheiten, nämlich die Belastung der Patienten mit Fremdstoffen. Sie kann sowohl ererbt, als auch durch eine naturwidrige Lebensweise erworben worden sein. Der eigentliche Herd der Seuche liegt im Unterleib oder in den Verdauungsorganen, welche unnormal arbeiten. Bei der grösseren Hitze, welche alle Gärungsvorgänge begünstigt, müssen natürlich auch die Zersetzungsvorgänge der Fremdstoffe im Körper ganz besonders intensive sein. Mit grosser Kraft werden die Fremdstoffe nach den äussersten Körperteilen gedrängt, wo sie sich vermöge des inneren Druckes ganz besonders dicht und fest abzulagern pflegen. Durch diese Häufung von Ablagerungen werden die nach diesen Gliedmassen führenden Nerven, die Träger des Lebens, völlig erdrückt, so dass sie ihre Funktionsfähigkeit verlieren. So ist auch die bei Leprakranken vorhandene Gefühllosigkeit dieser Gliedmassen zu erklären. Im Innern dieser Kranken herrscht eine hochgradige Fieberhitze, äusserlich Frostgefühl. Bei der trockenen Lepra vertrocknen die Gliedmassen durch diese zu grosse innere Hitze buchstäblich, da bei der ungenügenden Funktion der Verdauungsorgane trotz der gebräuchlichen sogenannten kräftigen Beköstigung, eine wirkliche Ernährung des Patienten unmöglich ist. Die Speisen gehen wohl noch durch den Körper hindurch, aber der Kranke verhungert trotz alles Essens. Auch diese Erscheinungen liefern wieder einen trefflichen Beweis dafür, dass nicht dasjenige den Körper ernährt und erhält, was man geniesst und was nach moderner Anschauung alle die Stoffe enthalten soll, aus welchen der Körper nach chemischer" Analyse besteht, sondern nur die Nahrung, welche der Körper auch wirklich noch zu verdauen vermag. Bei der nassen Lepra entsteht ein Zersetzungsprozess, ähnlich wie bei der Wassersucht, denn auch bei dieser gehen, wie ich oft in Erfahrung bringen musste, der Bildung von Wasser stets erst innere brandige Zustände, die oft jahrelang dauern, voraus, so dass das Zersetzungsstadiuni selbst erst gewissermassen das Endstadium dieser Vorgänge im lebenden Körper bildet. Ausserdem findet eine wässerige Zersetzung statt, wenn auch in anderer Form wie bei der Wassersucht. Sehr lehrreich ist daher der von mir vorgeführte Krankheitsverlauf des zugleich an Herzleiden, Wassersucht und Lepra erkrankten Herrn aus Batavia, der uns alle diese Vorgänge so recht klar vor Augen führt. Die Hauptsache bleibt immer, dass wir auch die Leprakrankheit in ihrer Grundursache als eine Belastung des Körpers mit Fremdstoffen, also wiederum aus dem Unterleib entspringend, ansehen müssen. Wenn sich auch bei uns die Lepra nicht in der in den Tropen auftretenden Form zeigt, so beobachten wir doch mitunter ähnliche Fälle. In erster Linie ist es zweifellos die Schwindsucht, welche ein ganz ähnliches Gepräge hat, nur dass bei dieser die Fremdstoffe nicht immer, besonders bei einem Aufenthalt in kälteren Gegenden, mit solcher Intensität nach den äussersten Gliedmassen drängen können, wie im heissen Klima bei der Lepra. Diese Fremdstoffe verrichten bereits im Innern des Körpers durch Zersetzungen der Lunge oder anderer Organe ihr Zerstörungswerk.

Was nun die Heilung der Lepra anlangt, so sei bemerkt, dass dieselbe niemals durch Medikamente
erfolgen kann. Nicht Chinin, Quecksilber oder andere scharfe Gifte werden hier mit Erfolg angewandt — nein, eine wirkliche Besserung und Heilung der Lepra kann nur dadurch herbeigeführt werden, dass ihre eigentliche Ursache, die Fremdstoffe, aus dem Körper herausgeschafft werden. Ein Beispiel wird uns dies noch klarer machen. Wir wissen, dass sich in einer Kadaver-Abfallgrube (sogenannte Madengrube) in den faulenden Kadavern eine Masse Maden entwickeln, die eine ausgezeichnete Speise für Hühner bilden. Wollten wir nun die Maden dadurch beseitigen, dass wir Gift in die Grube streuten, so würde jedenfalls eine grosse Menge der Tiere zu Grunde gehen, aber immer neue würden wachsen, weil die Fäulnisstoffe noch immer vorhanden sind. Nur durch Beseitigung ihrer Brutstätte, der faulenden Kadaver, könnte man die Maden gründlich ausrotten. Genau so verhält es sich auch mit der Krankheit, mit den Fremdstoffen im Körper. Wollen wir diese beseitigen, so dürfen wir nicht etwa durch Arzneimittel den Körper vergiften, sondern wir müssen nur auf die Beseitigung der Brutstätte aller Krankheiten, der Fremdstoffe im Unterleibe, hinarbeiten.

Im Gegensatz zur medizinischen Behandlung liegt also die Tragweite meines Verfahrens allein darin, dass wir die Ursache jeder Krankheit und auch die Mittel wissen, um die Krankheits- oder Fremdstoffe aus dem Körper herauszuschaffen, um jeder Krankheit den geeigneten Nährboden zu entziehen.

Mit Medikamenten aber wird ein noch grösserer Schaden angerichtet, als ihn die Krankheit selbst schon herbeiführte. Einen schlagenderen Beweis für die Richtigkeit des Gesagten als der auf S. 237—243 erwähnte Kurbericht des Herrn R. aus.Batavia kann es wohl kaum geben. Nur zu deutlich ist daraus ersichtlich, wie die in diesem Patienten schlummernden Leprabazillen, deren Vorhandensein von einem Spezialarzte unzweifelhaft festgestellt wurde, auf keine Weise durch die Verordnungen desselben, also weder durch giftige Medikamente, noch durch andere Anwendungen aus dem Körper herausgeschafft werden konnten.

Wie heilend wirkte aber hier in ganz eklatanter Weise meine Methode, wie gründlich beseitigte sie, was von demselben Arzte nachher bestätigt wurde, alle Leprabazillen, indem sie diesen den Nährboden entzog. Nur meine reizlose Diät, meine ableitenden Bäder können hier erfolgreich wirken. Freilich wird auch nur derjenige Kranke noch zu retten sein, dessen Verdauung und Hautthätigkeit wiederherstellungsfähig sind und dessen Lebenskraft dazu noch ausreicht.

Wie ich bereits an anderer Stelle erörtert habe, ist meine Kur nichts weiter, als eine Zurückführung der Krankheit auf dem eigenen Wege ihrer Entstehung. Nur auf diese Weise lassen sich Krankheiten, besonders die chronischen, heilen.

Auch hat es sich bei meiner Behandlungsweise deutlich gezeigt, dass jede Gefahr, durch Leprakranke angesteckt zu werden, ausgeschlossen ist. Von ausserordentlicher Wichtigkeit ist dies besonders für alle die, welche sich vor der Ansteckung fürchten. Diese dürfen nur eine naturgemässe Lebensweise und meine ableitende, auf den ganzen Körper in jeder Weise stärkend und erfrischend wirkende Heilmethode anwenden, also eine innere Reinigung von den Krankheitsstoffen herbeiführen, und sie sind nicht nur gesichert gegen Ansteckungsgefahr, sondern sie werden auch ihr Allgemeinbefinden, ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit dadurch in jeder Weise fördern.

Wie wenig die Schulmedizin den Wert der natürlichen Heilmittel gewürdigt hat, geht daraus hervor, dass sie die Kranken geflissentlich in Krankenstuben mit verschlossenen Fenstern hält und ängstlich darauf bedacht ist, jede frische Aussenluft, besonders bei Nacht, von ihnen fern zu halten. Dadurch wird selbstverständlich die Luft in dem Krankenzimmer Leprakranker durch üble Ausdünstungen und gärende Krankheitsstoffe so geschwängert und verpestet, dass es allerdings nicht Wunder nehmen kann, wenn sie ansteckend und Krankheitsstoffe auf andere Menschen übertragend, wirkt.



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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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