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Neue Heilwissenschaft

Louis Kuhne, Leipzig 1896

 

Nerven- und Geisteskrankheiten, Schlaflosigkeit, deren Entstehung, Wesen und Heilung.
Von Louis Kuhne.

Seite: 2/2Zurück (Einleitung)[ Einleitung | Geisteskrankheiten ]


Geisteskrankheiten.


In gleicher Weise erschliesst sich auch die Erkenntnis der gefürchteten Geisteskrankheiten.

Auch deren Wesen wird von der modernen Schule verkannt. Nicht die von ihr angenommenen Ursachen führen das Irrewerden des Gehirns herbei, sondern ganz ausschliesslich die in jedem solchen Falle schon jahrelang vorhergehende Belastung der Menschen mit Krankheitsstoffen, welche in der Geisteskrankheit und in der progressiven Paralyse ein in vielen Fällen unheilbares Endstadium erreicht. Wie ich schon früher dargelegt habe, wird diese schleichende latente Belastung allein durch die ganz allmählich schlechter werdende Verdauung infolge naturwidriger Lebensweise hervorgerufen; freilich werden bei dieser gleichmässigen unnatürlichen Lebensweise nicht alle Menschen geisteskrank; je nachdem die Belastung des einen Organismus und seine Empfänglichkeit für die Einwirkung krankheitserregender Fremdstoffe eine von dem andern ganz verschiedene ist, so ist die Erkrankung auch von Fall zu Fall an bestimmte Belastungsanlagen gebunden. Diese geben für eine Entlastung den Ausschlag und führen, sofern eine solche nicht erfolgt, zu schweren latenten Krankheitszuständen oder zu Krankheitskrisen, zu Krankheits-Endstadien. Die zunehmende Zivilisation trägt daher nur insofern die Schuld, als sie die Notwendigkeit für die Menschen in sich schliesst, von der Natur abzuweichen und deren unabänderlichen Gesetzen zuwider zu handeln. Die Hauptschuld daran muss vielmehr allein den von der modernen Schule aufgestellten, den Naturgesetzen zuwiderlaufenden Gesundheitsvorschriften und irrtümlichen Ansichten zugeschrieben werden. Durch dieselben ist es bereits dahin gekommen, dass man das Wasser als gesundheitsschädlich meidet und nur Bier, Wein und alkoholische sowie kohlensaure oder mineralische Wässer dafür trinkt. Die Männer werden infolge des Tabakrauchens zu Schornsteinen, infolge des Biertrinkens zu wahren Bierfässern. Was ergiebt sich weiter? Körperliche Abgespanntheit und Schlaffheit. Kein Wunder, wenn die erschlaffenden Nerven durch immer neue Reizmittel zum Dienst angetrieben werden müssen. Dazu kommt noch vielfach ein ungesunder Aufenthalt in abgeschlossenen Wohnräumen oder in überfüllten Fabriken.

Es ist eine bekannte Thatsache, dass auf dem Lande, wo die Bevölkerung meist noch im engsten Zusammenhange mit der Natur lebt und viel in freier Natur arbeitet, wo alle jene Laster der Zivilisation und die verkehrten Gesundheitsvorschriften der modernen medizinischen Schule noch keinen allgemeinen Eingang gefunden haben, die Geisteskrankheiten ein so gut wie unbekannter Gast sind. Man findet sie dort höchstens bei den von betrunkenen und angeheiterten Saufbolden erzeugten Kindern. In solchen Fällen vererbt sich auf das Kind eine Belastung, die zu Geisteskrankheit oder schweren anderen Krankheiten führt, weil das Kind doch stets eine getreue Kopie der körperlichen Verfassung seiner Eltern ist.

Durch die vielen alkoholischen Getränke wird nun dem Körper eine derartige Verdauungsarbeit aufgebürdet, dass ihm zu keiner andern Thätigkeit mehr Kraft übrig bleibt. Es erklärt sich hieraus auf das überzeugendste jene übergrosse Ermüdung und der oft unnatürliche Schlaf, in welchen alle Betrunkenen verfallen, solange ihr Magen noch die Verdauung der ihm naturwidrigen Massen vorzunehmen hat. Der während dieses Verdauungs - Gärungs - Vorganges im Körper auf das Gehirn ausgeübte Druck der sich dabei entwickelnden Gase verursacht die Geistesumnachtung Betrunkener. Ein im betrunkenen oder auch nur angetrunkenen Zustande erzeugtes Kind wird aber fast immer zu Geisteskrankheit geneigt sein, wenn es überhaupt nicht schon vorher als lebensunfähig eingeht.

Wie nun auch die Geisteskrankheit sich äussern mag, ob sie aus einer ererbten oder erworbenen Belastung hervorgegangen ist, immer wieder wird die gleiche Ursache zu Grunde liegen, nämlich eine unnormale Verdauung. Jede Geisteskrankheit stammt also aus dem Unterleibe.

Je einfacher und natürlicher der Mensch lebt, desto gesünder und glücklicher wird er sich fühlen. Aus demselben Grunde erklärt es sich auch, dass die Neger während ihrer Sklaverei, durch die sie gezwungen waren, einfach und mässig zu leben sowie tüchtig zu arbeiten, frei von Geisteskrankheiten waren. Letztere traten aber unter ihnen sofort auf, als die Befreiten mit den Vorteilen erhöhter Lebensansprüche auch das Gift der modernen Kultur in sich aufnahmen.

Es ist bekannt, dass Frauen weit weniger an Geisteskrankheit leiden als Männer. Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass dieselben im allgemeinen weit massiger leben als die Männer, Tabakrauchen und übermässigen Genuss alkoholischer Getränke in der Regel meiden. Bei geisteskranken Trauen liegt fast in allen Fällen eine ererbte Belastung vor, die zur Geisteskrankheit geführt hat.

Wir beobachten bei vielen Geisteskrankheiten, dass mit ihnen nicht selten eine gesteigerte Thätigkeit des Geistes und Körpers oder besondere Fähigkeiten voraus oder mit ihr Hand in Hand gehen — eine der modernen Schule rätselhafte Erscheinung. Die allmähliche Belastung des Körpers und speziell des Gehirns mit Krankheitsstoffen übt einen steten, sich durch Jahre hindurch steigernden Druck auf das Gehirn und somit auf die Nervencentren aus, wodurch in erster Linie eine erhöhte, aber keineswegs normale Thätigkeit dieser Organe geschaffen wird. Dieselbe äussert sich sehr verschiedenartig, wie ich bereits bei den Nervenkrankheiten gezeigt habe. Ohne Ruhe eilt Körper und Geist von einer Arbeit und Beschäftigung zur andern, ohne jemals den Zustand der Befriedigung und Genugthuung zu finden. Oft tritt diese unnormale Beschaffenheit bereits als besondere Begabung während des Schulalters auf, die dann vielleicht erst im vollendeten Mannesalter ins Gegenteil umschlägt. Daher leisten Wunderkinder selten etwas Ordentliches im späteren Leben.

In denjenigen Krankheitsfällen, in denen namentlich eine Rückenbelastung des Körpers vorliegt, wodurch die Hauptunterleibsnerven, das Rückenmark und der Nervus sympathicus schwer in Mitleidenschaft gezogen werden, ist, wenn der Körper sich nicht durch akute Krankheiten von dieser Belastung befreien kann, die Anlage zu Geisteskrankheiten vorhanden. Es wird da möglicherweise durch das latente Fieber ein chronischer Krankheitszustand geschaffen, welcher in der Geisteskrankheit seinen Höhepunkt erreicht. Man denke nur daran, wie oft auch bei akuten Krankheiten allerhand Geistesstörungen, Bewusstlosigkeit, Phantasieren u. s. w. eintreten; plötzlich kommen und gehen solche Störungen, je nachdem der innere Druck der Krankheitsstoffe höher oder niedriger ist. Anderseits aber hat man bei den Irren auch vielfach längere oder kürzere Momente völliger Geistesklarheit und momentaner Normalität beobachtet , wenn eben der Druck der Krankheitsstoffe ein zeitweilig geringerer war. Tritt wieder stärkerer Druck der Krankheitsstoffe ein, so werden auch jene klaren Augenblicke wieder verschwinden.

Ein vorgeschrittenes Stadium der Geisteskrankheit ist die progressive Paralyse. Wenn nun die Presse als Organ der Schulmedizin sagt, dass die progressive Paralyse gerade unter den "gesündesten" und "kräftigsten" Männern ihre reichste Ernte halte, so ist das wieder ein trefflicher Beleg dafür, wie wenig die moderne Schule wahre Gesundheit zu erkennen vermag. Wir sind heute schon einen Schritt weiter gekommen; wissen wir doch, dass eine so schwere Krankheit, wie die progressive Paralyse, nicht so plötzlich auftreten kann, sondern dass ihre Vorstadien für den Kenner der Gesichtsausdruckskunde schon lange vorher zu beobachten waren! Es ist daher geradezu undenkbar, dass die gesündesten Männer mit einem Schlage in eine geistige Umnachtung verfallen könnten.

Geisteskrankheiten zu heilen vermag man nur durch Beseitigung der sie bedingenden Belastung. Oft schon sind Geisteskranke durch meine Methode geheilt worden — alles treffliche Beweise für die Richtigkeit meiner Behauptungen! Ich füge hier folgenden Bericht aus meiner Praxis an:

In Begleitung ihrer Eltern fand sich eines Tages ein etwa 23jähriges Mädchen in meiner Sprechstunde ein, das, bereits seit langen Jahren an völliger Geisteskrankheit leidend, ihren Eltern beständige Sorge und steten Kummer bereitet hatte. Die Belastung des Mädchens lag günstig, und so konnte ich den Eltern mit gutem Gewissen zureden, wenigstens einen Versuch mit meiner Kur zu machen. Die Kranke war in einem solchen Zustande, dass sie sich selber nicht badete, dass vielmehr ihre Mutter genötigt war, dies zu thun. Schon nach vier Wochen hatte sich ihr Zustand so weit gebessert, dass sie die Bäder allein nehmen konnte und sich auch nicht mehr verunreinigte. In einem halben Jahre konnte man sie wieder unter die gesunden Familienmitglieder rechnen.

Diese überraschend schnelle Heilung war nur möglich, weil der Belastungszustand der Patientin ziemlich günstig lag und sich infolgedessen auch ihre Verdauung verhältnismässig rasch wieder besserte. Ihre Behandlung erwies sich insofern leichter, als sie sich nicht tobsüchtig, sondern ziemlich teilnahmslos und in sich gekehrt zeigte.

Liegt aber die Belastung ungünstiger, oder lässt der Zustand der Geisteskranken eine Behandlung nach meiner Methode überhaupt nicht mehr zu, so ist die Geisteskrankheit auch nicht mehr heilbar. Nicht wenig Fälle sind mir vorgekommen, wobei die Geisteskranken zu keinem Bade zu überreden waren. Es kommt bei Geisteskrankheit, da sie ebenso wie Tuberkulose meist ein Krankheits-Endstadium ist, vor allen Dingen darauf an, die Krankheit abzuwenden, so lange es Zeit ist. War dies früher unmöglich, weil man Mittel und Wege dazu nicht kannte und die Krankheit erst gewahr wurde, als es zu spät war, so haben wir heute in meiner Gesichtsausdruckskunde ein unfehlbares Mittel zu verzeichnen, durch welches wir das Herannahen der Geisteskrankheit schon jahrelang vorher zu beobachten und solche Krankheitsanlagen sicher zu beseitigen vermögen.

Da indessen die meisten Geisteskrankheiten bis jetzt für unheilbar gehalten wurden, so sei mir aus meiner Praxis folgender Bericht anzuführen erlaubt, welcher das Gegenteil beweisen wird.

Es handelt sich dabei um einen schweren Fall progressiver Paralyse auf syphilitischer Grundlage. Der in Frage stehende Patient litt bereits seit vielen Jahren an schlechter Verdauung, welche infolge geistig aufregender Geschäftsthätigkeit beständig schlechter wurde und keiner Behandlung mehr weichen wollte. Im Juli 1892 begab er sich auf Anraten verschiedener Ärzte in das Bad W., woselbst er sehr starken mineralhaltigen Brunnen trank, welch letzterer so schlecht auf ihn wirkte, dass sein Zustand besorgniserregend wurde. Er wusste schliesslich nicht mehr, was er sprach. Die vier zu Rate gezogenen berühmtesten Ärzte in B. verordneten, nachdem sie sich in einer längeren Sitzung darüber schlüssig geworden, Quecksilber-Einreibungen, welche indessen nur 2 mal zur Anwendung kamen. Herr P., so lautete der Name des Patienten, befand sich endlich in einem solchen Zustande, dass er, wenn der Arzt eine Frage an ihn richtete, dieselbe nur nachsprach, aber nicht beantworten konnte. Nachdem so jede Hoffnung auf Genesung geschwunden, wurde Herr P. nach Wien gebracht, um den für solche Leiden berühmtesten dortigen Arzt zu konsultieren. Die Untersuchung ergab, dass der Kranke an "Atrophia cerebri" (Gehirnschwund) auf luetischer Basis, Paralysis progressive, leide, und innerhalb kurzer Zeit ins Irrenhaus müsse. Aussicht auf Besserung sprach der Arzt ohne weiteres ab, verordnete aber nichtsdestoweniger Jod zum Trinken, wovon indessen abgesehen wurde. Auf Veranlassung eines Freundes reisten die Angehörigen nun unverzüglich mit ihm nach Leipzig, um meine Kur anzuwenden. Beim Beginne derselben sprach der Patient kein Wort, war vielmehr vollständig apathisch, alle an ihn gerichteten Fragen nicht beachtend, wie er auch seine Bedürfnisse nicht mehr in menschlicher Weise zu bebefriedigen vermochte. Der Körper arbeitete vollständig willenlos. Infolge der ableitenden Bäder und der einfachen, naturgemässen Diät trat sehr rasch Besserung ein, und schon nach dreitägiger Kur war die Verdauung gebessert. In acht Tagen war der Patient wieder seiner vorher umnachteten Sinne mächtig und sprach wieder. Von jetzt ab schritt die Besserung täglich fort, so dass nach achtwöchiger Kur eine vollständige Heilung eintrat und jede Spur progressiver Paralyse verschwunden war.

So liefern denn diese beiden Kurberichte wiederum einen schlagenden Beweis für die einheitliche Ursache aller Krankheiten. Hätten die Geisteskrankheiten mit den bereits früher angeführten Krankheits-Erscheinungen nicht eine einheitliche Ursache gehabt, so hätten sie nie durch dieselben Mittel geheilt werden können, die sich auch bei allen vorher erwähnten Leiden als so erfolgreich erwiesen.



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