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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

III. ABSCHNITT.
Die Krankheiten des Uterus.

Kapitel XI.
Endometritis, Metritis, Hyperplasie des Endometriums.
Von Otto Küstner.

Seite: 12/17Zurück (Aetzen)[ Einleitung | Mikroflora | Akute E. | Chronische E. | post abortum | E.glandularis/interstitialis | Klinik | Diagnose | Therapie | Spülung | Aetzen | Abrasio | Arterienunterbindung | Vaporisation | E.cervicis | ROSER-EMMET-Operation | Potioamputation ]Weiter (Arterienunterbindung)


Abrasio


Dagegen ist ein ausgezeichnetes, ja das souveräne Verfahren das von v. OLSHAUSEN bereits 1874 empfohlene Abkratzen, der Schleimhaut, die Auskratzung, das Evidement.

Diesem Verfahren kann auf Grund von hunderttausendfältiger Erfahrung nicht nur nicht mehr die Berechtigung abgesprochen werden, dieselbe Erfahrung spricht auf das lebhafteste zugunsten der Heilkraft dieser Methode bei der hyperplastischen Endometritis.

Dazu wird die Kranke wie zu einer großen Operation desinfiziert, und falls sie sehr empfindlich ist, narkotisiert, wird mit einem Rinnenspekulum die hintere Vaginalwand nach hinten gedrückt und die Portio mit einer Hakenzange nach unten gezogen. Darauf wird entweder mittels Stöpsel oder Schnabelsperre der Uterus gründlich diktiert, und dann mit gekrümmter Curette die vordere, mit gerader die hintere Wand, die seitlichen Wände und der Fundus abgeschabt.


Fig.166. Curette. Die an der abgekehrten Seite befindliche Zentimetereinteilung ist nicht zu sehen. 1/3 nat.Gr.

Im Falle von Retroflexion benutzt man nur eine gerade Curette. Dann wird der Uterus mit sterilem Wasser ausgespült, nochmals gesperrt, mit der mit Watte armierten PLAYFAIRschen Sonde ausgetrocknet und endlich mit Jodtinktur ausgewischt. Die Ausspülung unterlasse ich meist, wende sie nur an, wenn es sich, wie z.B. bei der Abortendometritis, um sehr massenhafte abgekratzte Schleimhaut-bröckel im Uterus handelt, und begnüge mich nach der Ausschabung nur mit der Auswischung der Uterushöhle, erst trocken, dann mit Jodtinktur. Bei Virgines schließe ich, um den darauffolgenden Sekretabfluß zu erleichtern, noch die Discision, d.h. eine bilaterale etwa 1-1,5 cm hinaufreichende, jederseits 1/2cm tiefe Spaltung der Cervix mit geknöpftem Messer (Fig. 167) an und bestreiche die kleine Wunde mit dem Paquelin. Alles zusammen ist nur eine kleine Operation, welche aber äußerste Sorgfalt und peinliches Beobachten der Regeln der Aseptik erheischt. Die Aetzungen mit Jodtinktur wiederholt man noch 3-4mal in 2-3-tägigen Zwischenpausen. Während dieser ganzen Zeit hütet die Kranke das Bett.


Fig. 167. Klinge des modifizierten Seilerschen Bruchmessers zur Discision des äußeren Muttermundes und der unteren Cervixpartie.

Während die Ausschabung allerseits ungefähr in dieser selben Weise ausgeführt wird, weichen die Verfahren in der Behandlung des ausgeschabten Uterus voneinander ab. MARTIN injiziert regelmäßig unmittelbar nach dem Evidement 2-3 g verdünnten Liquor ferri in die Uterushöhle mit der Uterusspritze, v. Olshausen später in einigen Sitzungen 10-proz. Chlorzink, um Rezidiven vorzubeugen. DÖDERLEIN u.a. tamponieren den Uterus unmittelbar nach der Ausschabung mit steriler Gaze, welche 12-24 Stunden liegen bleibt. Ich rate mit WERTH und DÖDERLEIN, von allen medikamentösen Injektionen in den frisch ausgeschabten Uterus abzusehen. Die Regeneration der Uterusschleimhaut erfolgt am besten und sichersten auf der stehen gebliebenen Basalschicht ohne solche, und zwar in den meisten Fällen im Typus und der Dicke einer normalen Schleimhaut.


Fig. 168 und 169. Löffelzangen nach SCHULTZE zum Abkneifen intrauiteriner Polypen. Fig. 168 gerade und mit Maßstab versehen, Fig. 169 gekrümmt. 2/5 nat. Gr.

Wie gesagt, erstreckt sich die Hyperplasie der Schleimhaut meist über die ganze Innenfläche des Corpus und meist in etwa gleicher Dicke. In seltenen Fällen findet man nur die vordere oder hintere Wand oder Teile derselben erkrankt; mitunter sind die Wucherungen so zirkumskript, daß sie Polypen darstellen; Sitze derselben sind, wie erwähnt, häufig die Tubenecken. Diesen Formen der Endometritis gegenüber würde die exakteste Therapie in einer isolierten Behandlung der kranken und in einer Schonung der gesunden Partien der Schleimhaut bestehen, d.h. in der Entfernung der gewucherten Teile mit der Curette oder der SCHULTZEschen Löffelzange. Die Diagnose daraufhin, welche Teile erkrankt sind, würde mit dem tastenden Finger zu geschehen haben, nachdem man das Cavum uteri mit Laminaria auf Fingerweite diktiert hat. Wenn ich von dieser SCHULTZEschen Methode im allgemeinen zurückgekommen bin, so geschieht das auf Grund der Tatsache, daß auch bei isolierten Schleimhautwucherungen des Uterusinneren die makroskopisch weniger veränderten Partien doch ebenfalls erkrankt zu sein pflegen. Daß man an den besonders hyperplastischen Stellen vorbeikratzt, vermeidet man, wie FRITSCH richtig sagt, durch Anwendung oben besonders breiter Curetten und durch besonders sorgfältiges und gründliches Verfahren. Also auch diese Fälle eignen sich für die mehr summarische Behand­lung, welche in der Abschabung der Schleimhaut mit nachfolgender Anätzung besteht.

Dennoch ist wichtig, daß man sich des schwachen Punktes dieses diagnostisch-therapeutischen Verfahrens stets bewußt bleibt. Denn das grob anatomische Bild einer chronischen Endometritis ist durch aus nicht so scharf, daß nicht Verwechselungen vorkommen könnten. Das Carcinom der Corpusschleimhaut in den ersten Stadien, das Sarkom, kann aus den Geschabsein erkannt und daraufhin der entsprechenden Radikalbehandlung durch Totalexstirpation des Uterus unterworfen werden. Ein Irrtum aber kann selbst nach der Ausschabung bestehen bleiben, wenn es sich um kleine, den Uterus nicht wesentlich vergrößernde, nicht wesentlich deformierende Myome handelt.

Gerade diese Tumoren sind mit Vorliebe mit Eridometritis hyperplastica gepaart. Wird das Endometrium ausgeschabt, so bleibt der Tumor bestehen und gibt dann Veranlassung zu weiteren Blutungen. Derartige Tumoren lassen sich auf Grund einer sorgfältigen Sondierung des Uterus vermuten, nicht aber mit aller Schärfe diagnostizieren.

Im Hinblik darauf ist nicht von der Hand zu weisen, daß in allen Fällen von intrauterinen Prozessen, welche eine örtliche Behandlung erheischen, die von SCHULTZE geforderte Abtastung des Uterusinneren, nach genügender Erweiterung durch Laminaria, diejenige diagnostische Methode ist, welche Zweifel, die das Curettement und die mikroskopische Untersuchung der Geschabsei noch offen lassen können, zu beheben imstande ist. Sie kann von weitgehendem Einfluß auf die Therapie sein.

Folgender Fall, in welchem ich mich durch nebensächliche Momente bestimmen ließ, von diesem Prinzip abzuweichen, und mit der Ausschabung auszukommen glaubte, ist ganz besonders geeignet, überzeugend zu wirken.

L.W., 45 Jahre alt, verheiratet, menstruiert seit ihrem 14. Lebensjahre, hat 9mal geboren, zuletzt vor 4 Jahren, klagt seit 1,5 Jahren über starke Blutungen, welche anfänglich von menstruellem Typus waren, jetzt fast beständig sind. Außerdem klagt Pat. über Schmerzen im Leibe und Kreuz und allgemeine Schwäche.

4.März 1892. Veralteter Dammriß bis an den Sphincter ani. Retroflektiert vertierter, kaum vergrößerter Uterus. Temperatur und Puls normal. Probatorisches Evidement fördert spärliche Schleimhautstücke zutage. Auswischung des Uterus mit Jodtinktur. Keposition desselben, HODGE-Pessar No. 10. Perineoplastik. T. 36,9, P. 70. Ab. T. 37,1, P. 70.

5.März. Pat. klagt über Schmerzen im Abdomen. Morgens T. 38,4, P. 84. Ab. T. 39,2, P. 70. Eisblase. Opium.

6.März. Etwas Meteorismus. Dünnflüssiger Stuhl. Keine Empfindlichkeit des Abdomens. Die Dammwunde sieht gut aus. Morgens T. 38,5, P. 84. Ab. T. 39,0, P. 98.

7.März. Meteorismus bedeutender. Kein Schlaf. Morgens T. 37,5, P. 92. Ab. T. 38,2, P. 96.

8.März. Rapider Kräftevcrfall. Abdomen stark meteoristisch. Erbrechen. Puls klein. Respiration beschleunigt. Die vorgeschlagene Exstirpation des Uterus

wird abgelehnt. Morgens T. 37,6, P. 116. Ab. T. 38,4, P. 124.

Unter Erscheinungen von Lungenödem Tod den 9. März. Morgens.

Sektion: Purulente Peritonitis, Oophoritis septica, Endometritis purulenta, d.h. in der Gegend des inneren Muttermundes Eiter. Ein walnußgroßes, äußerst hämorrhagisches, verjauchtes Myom hängt vom Fundus in den 8 1/2 cm langen Uterus hinab und verschließt genau den inneren Muttermund, vgl. Fig. 170. Keine Salpingitis, keine Lymphangitis in den Parametrien.

Epikrise: Es handelte sich um ein bereits verjauchtes Myom; wäre dasselbe ohne oder mit Uterus entfernt worden, so wäre die Kranke vielleicht genesen; so wurden durch die Ausschabung die Keime in die Lymphbahnen übergeführt und die tödliche Peritonitis erzeugt. Nur die Austastung des vorher dilatierten Uterus hätte die Therapie auf den richtigen Weg leiten können.

Wenn nun im allgemeinen diese therapeutischen Maßnahmen eine hohe Wirksamkeit entfalten, so darf die medikamentöse und nicht rein Endometritis, Metritis, Hyperplasie des Endometriums lokale Behandlung nicht außer acht gelassen werden. Dies gilt besonders für diejenigen Fälle, wo es sich um exzessive Blutungen während und außerhalb der Periode handelt. Man lasse die Frauen während der nächsten, der lokalen Behandlung folgenden Perioden zu Bett liegen, lasse sie eventuell Eisblase auf den Leib applizieren, lasse eventuell bei stärker werdender Blutung heiße Irrigationen der Vagina (35-42oC) mit Zusatz eines schwachen Desinficiens machen. Ist die Blutung dann immer noch sehr stark, so kann man zur Tamponade der Vagina seine Zuflucht nehmen; die Tampons sind alle 24 Stunden zu wechseln.

Innerlich verabreiche man säuerliches Getränk, Acidum Hallen, Zitronenlimonade und je nach Bedürfnis von denjenigen Mitteln, von welchen wir wissen, daß sie Kontraktionen des Uterus erregen: frisches Secale 2mal täglich l g als Pulver oder Infus (5,0) 100,0 ne cola! umgeschüttelt 3-stündig l Eßlöffel, oder Tinct. haemostyptica DENZEL mehrere Teelöffel täglich, oder Extract. secalis cornuti in Pillen 0,1 mehrere Male täglich, oder Cornutin 0,005-0,01 in Pillen mehrmals täglich (sehr zu empfehlen), oder Extract. Gossypii fluid. 2-3 Teelöffel täglich, oder Extract. Hydrastis canadensis 3mal täglich 15-25 Tropfen, oder Hydrastinin. hydrochloricum 0,05 mehrmals täglich in Pillen, oder Stypticin 0,05 mehrmals täglich in Originaltabletten, oder Secacornin mehrere Originaltabletten täglich mehrere Male, oder Gelatine subkutan oder per os.

Nun gibt es aber auch Fälle, bei welchen gerade das beängstigendste Symptom, die Meno- und Metrorrhagie, dieser Therapie trotzen. Nach der gründlichsten Ausschabung bestehen die starken Blutungen fort, nach relativ kurzer Frist wird die Ausschabung wiederholt, mit demselben negativen Erfolge.

Wichtig ist, daß unter diesen hartnäckigen Fällen sich nicht selten Retroversionen, wenn auch nur mäßigen Grades und deshalb leicht übersehbar oder nicht gewürdigt, befinden. Hier heilt die Rechtlagerung des Uterus oft prompt die Blutungen. Die übrig bleibenden Fälle sind meist Frauen in den Wechseljahren, Frauen, welche auch schon früher an metritisch-endometritischen Erscheinungen litten; oft handelt es sich um atheromatöse Gefäßerkrankungen der Schleimhaut und des Myometriums. In anderen Fällen bleibt die Ursache dunkel. Dann mag man noch die Injektion von Serum versuchen. Von Menschenserum, steril aus der Medianvene entnommen, injiziere man 10 oder mehr Kubikzentimeter subkutan oder intraglutäal ein- oder zweimal. Gute Erfolge werden berichtet.




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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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