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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

III. ABSCHNITT.
Die Krankheiten des Uterus.

Kapitel XI.
Endometritis, Metritis, Hyperplasie des Endometriums.
Von Otto Küstner.

Seite: 3/17Zurück (Mikroflora)[ Einleitung | Mikroflora | Akute E. | Chronische E. | post abortum | E.glandularis/interstitialis | Klinik | Diagnose | Therapie | Spülung | Aetzen | Abrasio | Arterienunterbindung | Vaporisation | E.cervicis | ROSER-EMMET-Operation | Potioamputation ]Weiter (Chronische E.)


Akute Endometritis


Die akuten, auf Keimwirkung beruhenden Formen der Endometritis sind die pyogene (septische), die saprische, die gonorrhoische, die tuberkulöse und die diphtheritische Endometritis.

Die pyogene Endometritis entwickelt sich am häufigsten im Anschluß an Geburt oder Abort. Vorwiegend sind es Streptokokken, gelegentlich auch gelb­wachsende Staphylokokken, welche durch Finger, Gaze oder Instrumente auf das Endometrium übertragen werden; das nicht puerperale Endometrium wird mit ihnen gelegentlich bei unsauberen Operationen infiziert, besonders bei der Ausschabung, bei der digitalen Austastung, beim Einbringen nicht steriler Laminariastifte und Gaze in das Uteruscavum. Die saprische Form entsteht durch die Entwickelung von Fäulniskeimen auf nekrotisierenden Gewebspartien im Uterusinneren, nekrotisierenden Myomen und Carcinomen, Placenta-, Abort- und losgeschabten Schleimhautresten. Die Gelegenheitsursachen sind dieselben, wie bei der pyogenen Endometritis. Die gonorrhoische Endometritis entsteht beim Eindringen von Gonokokken in das Uterusinnere. Je nach Virulenz oder die Wanderung begünstigenden anatomischen Verhältnissen findet die Ansiedelung der Gonokokken entweder nur in der Cervix statt oder, also bei hoher Virulenz oder im Wochenbett, auch im Corpus. Die tuberkulöse Endometritis ist entweder eine Infektion mit tuberkulösem Sperma oder erst Folge von tuberkulöser Blutinfektion oder entsteht ebenfalls erst sekundär im Anschluß an tuberkulöse Salpingitis oder Peritonitis. Echte diphtheritische Endometritis ist nur ganz selten bei Puerperae (von BUMM, NISOT und mir (Abortpuerperium)) beobachtet worden.

Anatomischer Befund.

Bei der pyogenen Form finden wir die Strepto- resp. Staphylokokken tief in die Schleimhaut, bezw. den Schleimhaut- oder Deciduarest eingedrungen, je nachdem das Gewebe in der Umgebung der Mikrobenherde in lebhafterer oder geringerer Reaktion. In gleicher Weise ist das Myometrium mit Kokken durchsetzt, eventuell auch der peritoneale Ueberzug. Bei diesen Prozessen ist die Trennung zwischen Endometritis, Metritis und Perimetritis undenkbar, sie wäre gekünstelt.

Analog ist das Verhalten der Gonokokken den verschiedenen Gewebsabschnitten des Uterus gegenüber. Auch sie dringen nicht nur in die Schleimhaut ein, sondern wandern bis in die Uterusmuskulatur vor (WERTHEIM). Nicht selten wird durch den Reiz der Gonokokken das Cylinderepithel in mehrschichtiges Platten- resp. Uebergangsepithel verwandelt.

Bei dieser Form, ebenso wie bei der pyogenen, kommt es zu herdweisen Anhäufungen von Rundzellen. Diese Herde können bei beiden Formen zu Abscessen einschmelzen - häufiger bei den pyogenen. Hierbei kann es zu so umfänglichen Eiterungen kommen, daß größere Gewebsabschnitte durch die Abscesse unterminiert, sequestriert und in toto abgestoßen werden (Metritis dissecans).

Bei der saprischen Form sah BUMM die Fäulniskeime nur in die Oberfläche der Mucosa resp. Decidua eindringen; dann folgte der Entzündungswall, welcher das weitere Vordringen der Mikroben hinderte.

Bei der Tuberkulose dringen die Tuberkelbacillen ebenfalls in die Schleimhaut vor; die Schleimbaut ist von Riesenzellen und Tuberkeln durchsetzt, häufig durch Nekrose in eine käsige, graue, schmierige Masse verwandelt.

Soweit Mikroben die Erreger der Endometritis sind, ist es für diejenigen, welche vom äußeren Muttermunde aus in den Uterus eindringen, selbstverständlich, daß sie die Cervixschleimhaut in analoger Weise affizieren, wie die des Corpus. Das gilt in erster Linie von den Gonokokken. Die pyogene und saprische Endometritis haben ihren Sitz, soweit sie puerperalen Ursprunges sind, vorwiegend im Corpus und der oberen Cervixpartie. War die pyogene Endometritis die Folge von intrauterinen Eingriffen und war dabei die Cervix infiziert und lädiert worden, so finden wir naturgemäß Streptokokkeneinlagerungen, Gewebsinfiltration, Gewebs- und Epithelnekrosen auch in der Cervix. Die Tuberkulose kann man mitunter recht scharf auf das Corpus begrenzt sehen.

Während bei diesen Formen der Endometritis die Beziehung der spezifischen Mikroben zu den Geweben gut gekannt ist, gilt das in keiner Weise von den Formen der Metro-Endometritis, welche im Gefolge von akuten Infektionskrankheiten auftritt. SLAVIANSKY wies diese Entzündungsform des Endometriuins zuerst bei der Cholera, sein Schüler massin bei Typhus, Pneumonie, Recurrens und Dysenterie nach. Von Späteren wurden analoge Entzündungen als Begleiterscheinungen der übrigen Infektionskrankheiten (Influenza) festgestellt. Gemeinsam ist diesen Entzündungen eine starke Hyperämie der Schleimhaut mit Apoplexien in dieselbe und Blutungen (das dominierende Symptom) auf die Schleimhautoberfläche. Besteht Gravidität, so führen derartige Blutungen zu ihrer vorzeitigen Unterbrechung.

Wenig wahrscheinlich ist, daß diese Formen der Endometritis die Folge von Ausscheidung der spezifischen Mikroben auf der Uterusschleimhaut sind, eher kommen die Toxine derselben in Betracht, vielleicht aber bestehen auch ätiologische Beziehungen anderer Art.

Die spezielle Darstellung der akuten mikrobiotischen Formen der Endometritis, sowie deren Symptomatologie, Diagnose und Therapie findet sich in den Kapiteln über Gonorrhoe, Tuberkulose und Sepsis.


Fig. 153. Uterusschleimhaut. Man sieht die Uterusdrüsen längs, quer und schräg getroffen. Das Oberflächenepithel ist zum Teil abgefallen. Dieses Schleimhautstück stammt von der Gegend des inneren Muttermundes einer Virgo, die linke Hälfte gehört der Cervix, die rechte dem Corpus an.
Man sieht beiläufig, daß die Schleimhaut der oberen Cervixpartie sehr ähnlich der des Corpus ist; sie enthält ebenfalls cylindrische Drüsen, ist nur weniger mächtig als die des Corpus. Die charakteristischen cervikalen Schleimdrüsen finden sich erst in der unteren Hälfte der Cervix, welche von diesem Schnitte nicht getroffen ist.





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Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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