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Lehrbuch der Gynäkologie

Otto Küstner, 4.Auflage 1910

 

III. ABSCHNITT.
Die Krankheiten des Uterus.

Kapitel XI.
Endometritis, Metritis, Hyperplasie des Endometriums.
Von Otto Küstner.

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Endometritis cervicis


Während bei den akuten Formen der Endometritis, welche auf mikrobiotischer Einwanderung beruhen, die Mucosa der Cervix in analoger Weise wie die des Corpus erkrankt, lernten wir in der chronischen hyperplastischen Endometritis eine Affektion kennen, welche ausschließlich auf das Corpus beschränkt sein kann. Doch können mit ihr gepaart, ebenso wie auch ohne sie, chronisch entzündliche Zustände der Cervix, zumal der Portio, auftreten. Auch sie sind sehr häufig; auch sie stehen mit Keimwirkung, wenigstens direkt, nicht in Beziehung.

Dabei ist die Portio dick, sukkulent, trägt auf der Außenseite ein bläulich-rotes Kolorit. Der hauptsächlichste Befund aber wird durch einen hochroten Hof repräsentiert, welcher den äußeren Muttermund umgibt. An seinem Rande geht der rote Hof, in allen Farbennuancen zwischen Hochrot und Blaßrosa sich abstufend, in das bläuliche Kolorit der Außenseite der Portio über.

Die wahre Natur des roten Hofes um den äußeren Muttermund herum ist für die meisten Fälle klinisch schon durch die Operateure ROSER und EMMET festgestellt worden, mikroskopisch besonders durch RÜGE und VEIT. Durch sie wurde der wichtige Nachweis erbracht, daß diese fraglichen roten Partien nicht Geschwüre, sondern mit Cylinderepithel bekleidet sind; in das subepitheliale Gewebe sind Drüsen eingebettet von derselben Beschaffenheit, wie wir sie in der Cervix finden. Der einzige Unterschied, welchen diese Partien gegenüber der gewöhnlichen Cervixschleimhaut aufweisen, besteht darin, daß man an ihnen die Charaktere der Entzündung, reichlichere Vaskularisation und bedeutendere Gefäßneubildung wahrnimmt.

Diese Gefäßneubildung und Entzündung kann zu feinen, papillären Erhebungen führen, welche dem roten Hof ein sammetartiges Aussehen verleihen. Fehlen derartige Erhebungen, so sieht der rote Hof glatt aus. Aus der Zeit, in welcher die Gynäkologen diese Affektionen noch als echte Geschwüre auffaßten, stammen für sie die Namen papilläre Erosion und einfache Erosion.

In der Umgebung derartiger Erosion, ebenso wie auf ihr selbst, finden sich bei besonders hohem Grade der Affektion kleine Cysten bis zur Erbsengröße und darüber mit schleirnigglasigem Inhalt (Ovula Nabothi). Das sind Retentionscystchen, entstanden aus Schleimdrüsen, deren Ausführungsgang durch Entzündung oder überwucherndes Epithel verlegt ist. Die um diese Retentionscysten herum sich bildende reaktive Entzündung ist oft bedeutend, so daß dadurch die Portio erheblich vergrößert und verunstaltet wird. Das nannte man früher follikuläre Erosion oder follikuläre Hypertrophie.

In den meisten Fällen handelt es sich um nichts weiter, als um eine Eversion der untersten Partie des Cervixkanales, dadurch zustande gekommen, daß die Portio aufgerissen, nicht wieder geheilt und so dauernd zum Klaffen gebracht ist.

Man findet aber auch am virginalen und infantilen Uterus Affektionen an derselben Stelle, von derselben anatomischen Beschaffenheit (FISCHEL). In diesem Falle handelt es sich entweder um Eversionen der stark geschwellten, entzündeten Cervixschleimhaut, wie an unverkennbaren Falten der Arbor vitae festzustellen ist, oder es liegt ein embryonaler Zustand vor, bei welchem die einfache Cylinderepithelschicht in der Umgebung des äußeren Muttermundes erhalten geblieben ist, anstatt daselbst dem vielschichtigen Plattenepithel bereits während des Fötallebens den Platz zu räumen.

Weiter bilden sich Erosionsformen unter dem Einflüsse benetzenden Sekretes, welches aus der Cervix überfließt oder in der Vagina sich staut. Wir wissen, daß, wenn das Vaginalsekret seine normale Azidität verliert, dann Vegetationsformen in ihm die Oberhand gewinnen, welche ihm ätzende Eigenschaften verleihen. Dann wird in der Umgebung des äußeren Muttermundes das Pflasterepithel arrodiert und durch Cylinderepithel ersetzt.

RÜGE und VEIT wiesen nach, daß bei diesem Vorgange die tiefen Epithelzellen (Basal- und Kiffzellen) nicht mehr weitere Lager von Plattenepithelien produzieren, sich zugleich verlängern und verschmälern und so die Charaktere des Cylinderepithels gewinnen.

Bringt man die supponierten Reize, bringt man nur die ätzende Wirkung des Sekretes zum Wegfall, so gewinnen die Cylinderepithel-zellen wieder ihre Eigenschaft, Plattenepithelieu, welche sich über sie schichten, zu produzieren; es erobert sich das Plattenepithel die Terrains, aus denen es verdrängt war, zurück.

Da nun das Lacerationsektropium meist mit Cervixkatarrh gepaart ist, so ist sein äußerer Hand nicht als Teil des ursprünglichen Cervixkanales aufzufassen, sondern bereits als die nächste Umgebung des ursprünglichen äußeren Muttermundes, wo aber das überfließende Sekret das Pflasterepithel zugunsten des Cylinderepithels verdrängt hat.


Fig.172 Erosion (adenoider Wucherungshof) der Portio S.S. 1903. Die Oberfläche ist mit Cylinderepithel bekleidet. Die Drüsen sind stark mit Sekret angefüllt, ihr Lumen beträchtlich ausgedehnt.

Wenn wir endlich oben betonten, daß im allgemeinen diese Affektionen mit Keimwirkung nichts zu tun haben, so können wir das doch nur mit einer gewissen Einschränkung tun. Eine Gonokokkencervicitis kann zu Schleimhautschwellung führen, welche eine Eversion bedingt. Der Nachweis von Gonokokken in der Epithelschicht bei derartigen Affektionen ist gelegentlich erbracht worden (VÖRNER). Die Schleimhautschwellung kann chronisch werden und noch bestehen bleiben, auch nachdem die Gonokokken verschwunden sind.

Aehnliche Schleimhautveränderungen, soweit sie in den Charakteren der Entzündung bestehen, findet man im Cervixkanal selbst, wenn auch meist in abgeschwächter Form.

Obschon RÜGE-VEITs wichtige Untersuchungen schon Jahrzehnte zurückliegen, so lebt in den Anschauungen vieler Praktiker noch immer die falsche Vorstellung, daß die roten Höfe um den Muttermund herum echte Geschwüre seien, eine Vorstellung, welche zu durchaus fehlerhafter Therapie führt. Diese Vorstellung erfährt durch die Beibehaltung des alten Ausdruckes "Erosion" immer wieder neue Stütze. Deshalb ist es wichtig, daß man die alten Ausdrücke: einfache Erosion, papilläre Erosion, follikuläre Erosion definitiv fallen läßt, und daß man alle diese Affektionen zusammenfaßt in den Begriff adenoider Wucherungshof.}}

Die Diagnose ist im Röhrenspekulum leicht zu stellen. Wichtig ist der exakte Nachweis, daß das dominierende Symptom, welches in starker schleimig-eiteriger Sekretion besteht (weißer Fluß), dieser Affektion entstammt, ein Nachweis, welcher zugleich eine vorteilhafte Sekretmenge für die mikroskopische Untersuchung liefert. Dieser Nachweis wird durch den SCHULTZEschen Probetampon erbracht (cf. oben).


Bei genauer Betrachtung eines Probetampons, welcher gut gelegen hat, kann man konstatieren, daß die Gestalt des daraufliegenden Eiterflatsches genau dem eventuell um den Muttermund herum befindlichen roten Hof kongruent ist. Diese Beobachtung könnte zu dem Schlüsse führen, daß der rote Hof allein die eiterproduzierende Fläche sei. Diesen Schluß darf man nicht ziehen, sondern man muß bedenken, daß von dem adenoiden Wucherungshof sich der Tampon leicht löst, wogegen er mit den übrigen Partien der Portio und dem Scheidengewölbe gewöhnlich fester verklebt zu sein pflegt.

Das Wenigste, was sich die Therapie zur Aufgabe stellen muß, ist die Entfernung des Sekretes und damit desjenigen Momentes, welches, immer weiter als Noxe wirkend, die Erkrankung der Schleimhaut unterhält. In diesem Sinne wirken die vaginalen Ausspülungen, welche man die Kranke selbst l-2 mal täglich etwa körperwarm machen läßt. Zusätze von desinfizierenden oder adstringierenden Agentien, also Karbolsäure 2-proz., Borsäure 2-5-proz., Formalin 10 auf 100, davon l Eßlöffel auf 1l Wasser, Lysol, Kali hypermanganicum, oder Holzessig, Alaun. Tannin, Zincum sulfur., Cuprum sulfur., Plumbum acet., Aluminium aceticum, Alsol (45,0, Acid. acet. glac. 5,0, Aq. 50,0, davon l Eßlöffel auf 1l Wasser) sind vorteilhaft (vgl. Kap. VI, S.90). Derartige Ausspülungen schaffen nicht nur das Sekret weg, sondern regen auch den Uterus zu Kontraktionen an, welche ihrerseits wieder die Sekretausscheidungen unterstützen; sie haben endlich einen direkt heilenden Einfluß auf die erkrankte Schleimhaut der untersten Cervixpartien, bis zu welchen sie vordringen. Unter ihrem Einfluß kommen hier entzündliche Schleimhäutschwellungen zum Abschwellen, geringe Eversionen bilden sich zurück. Auch noch in anderer Weise sind sie imstande, die zuungunsten des Plattenepithels verschobenen Epithelgrenzen in der Umgebung des äußeren Muttermundes in vorteilhafter Weise zu beeinflussen. Man beobachtet regelmäßig, daß unter der Einwirkung methodisch ausgeführter desinfizierender oder adstringierender Irrigationen der Vagina, selbst auf großen Lacerationsektropien, die rote, bloßliegende Cervixschleimhaut vom Rande her allmählich immer mehr und mehr abblaßt, bis sie schließlich das blaßrosa Kolorit der Scheide annimmt.

Ein mikroskopischer Schnitt erweist dann, daß die früher mit einschichtigem Cylinderepithel oder höchstens ganz dünnen Lagen von Plattenepithel überzogenen Flächen sich mit einem dicken Lager von Plattenepithel überkleidet haben, vgl. Fig.173 und 174 nebst Text.


Fig.173. Amputierte Portio vaginalis des Frl. E. Kongenitales Ektropium; man sieht, wie der Stamm der Arbor vitae durch die Linie gekreuzt wird. Gleieh unterhalb der Kreuzung liegt der Eingang in den Cervixkanal. Der Umstand, daß der Stamm der Arbor vitae in seiner ganzen Ausdehnung frei liegt, beweist, daß durch das Ektropium der Cervixkanal etwa bis zur halben Höhe klafft. Nat. Gr. Vgl. Fig.174.

Diese Erfolge sind nur von Bestand, wenn die Irrigationen lange fortgesetzt werden. Unter allen Umständen behalten dieselben für die leichteren Formen und für die Verhältnisse, unter welchen eine energischere Kur nicht tunlich ist, also z.B. bei Virgines, ihre Bedeutung.

Die schneller zum Ziele führende, den kausalen Verhältnissen Rechnung tragende Behandlung des den äußeren Muttermund umgebenden adenoiden Wucherungshofes besteht in folgendem:

Findet sich nur eine "Erosion" ohne ein Lacerationsektropium, so ist das einfachste, diese Stelle ebenso wie die unteren 2 cm des Cervixkanales mit dem Glüheisen zu kauterisieren. Das bringt schneller die kranke Schleimhaut zum Abheilen, als das Aetzen mit Chemikalien (Chromsäure, Argentum nitricum, Acidum nitricum fumans).


Fig. 174. Mikroskopischer Schnitt durch die Portio des Frl.E. (Fig.173), in der Richtung und Ebene der kreuzenden Linie gelegt. Die Oberfläche ist mit einem vielzelligen Pflasterepithel überzogen. Das ist in diesem Falle das Resultat der Therapie, welche in 3 Wochen lang fortgesetzten Uterusirrigationen bestand. Vor Beginn der Kur wies bei der mikroskopischen Untersuchung ein kleines, mit der Schere entferntes Schleimhautstück von einer benachbarten Stelle einschichtiges Cylinderepithel auf. x20.

Schleimfollikel (Ovula Nabothi) werden durch das Glüheisen miteröffnet; man mag sie auch einzeln mit dem Messer aufstechen.

Fiel die Untersuchung auf Gonokokken positiv aus, so ist eine antigonorrhoische Kur notwendig (vgl. Kap. XXIII).




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Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
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